Gerichtsverhandlung

Auto mit Totalschaden in Fröndenberg - wer fuhr Unfallwagen?

Wer hat den Unfallwagen gefahren? Diese Frage sollte vor Gericht geklärt werden.

Wer hat den Unfallwagen gefahren? Diese Frage sollte vor Gericht geklärt werden.

Foto: Lutz von Staegmann

Fröndenberg/menden.  Ein umgestürzter Strommast, ein Wagen mit Totalschaden, ein Autobesitzer mit Alkohol im Blut - aber kein klarer Fall vor dem Amtsgericht.

Ein Strommast liegt umgestürzt auf einem Feldweg zwischen Ostbüren und Frömern, daneben steht ein verlassenes Auto mit Totalschaden. Stunden später trifft die Polizei den Besitzer des Wagens mit jeder Menge Alkohol im Blut an. Ein klarer Fall vor dem Amtsgericht? Mitnichten.

Zugetragen hat sich dieser Vorfall an einem Sonntagmorgen im Oktober vergangenen Jahres. Klar war zunächst folgendes: Eine Spaziergängerin hatte auf einem Feldweg zwischen Ostbüren und Frömern, welcher von Autofahrern nicht besonders stark frequentiert wird, einen Strommast vorgefunden, der auf die Straße gestürzt war. Offensichtlich gerammt von dem Pkw, welcher direkt daneben stand. Leer, verschlossen und schwer beschädigt. Ein Baum in unmittelbarer Nähe war ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Der Fremdschaden wurde im Nachgang auf rund 1500 Euro beziffert. Reifenspuren im Feld ließen vermuten, dass der Fahrer noch versucht hatte, das Fahrzeug aus der Situation zu befreien. Letztlich erfolglos, der Wagen blieb stecken. Darauf nahm der Fahrer Reißaus. Die Spaziergängerin rief die Polizei, welche später wenig Probleme hatte, den Halter des Autos zu ermitteln. Diesen fanden die Beamten dann mit noch über einem Promille Alkohol im Blut in den Nachmittagsstunden des Sonntags.

Erinnerungen verblasst

Der Mann, ein mittlerweile 31-jähriger Mendener, gab an, am Vorabend mit Bekannten in Fröndenberg ordentlich gefeiert zu haben. Aber sein Auto habe er nicht gefahren, weder an dem Abend noch am Morgen danach.

Wie also ist das Auto in die verhängnisvolle Begegnung mit dem Strommasten auf dem Feldweg gekommen? Diese Frage versuchte nun, das Amtsgericht in Unna aufzuklären. Der Mendener war des Fahrens unter Alkoholeinfluss sowie der Unfallflucht angeklagt. Aber auch in der Verhandlung blieb er dabei: das Auto habe er keinen Meter weit bewegt in der fraglichen Zeit. Vielmehr sei er nach der durchzechten Nacht erst gegen Mittag, immer noch schwer verkatert, aufgestanden. Er habe im Haus der Bekannten in der Nähe des Unfallortes übernachtet und habe mit Entsetzen feststellen müssen, dass sein Wagen nicht mehr da war. Der Beschuldigte lieferte schließlich eine Theorie: Am Abend habe er einer anderen Person auf der Feier seine Autoschlüssel gegeben, damit diese schnell seinen Wagen umsetze. Diese Person müsse dann wohl mit seinem Auto verschwunden sein.

Angeklagter gibt an, Person nicht zu kennen

Amtsrichter Hüchtmann wollte da natürlich wissen, wer das gewesen ist. Die erstaunliche Antwort des 31-jährigen Angeklagten: Er habe diese Person damals nicht gekannt, nicht nach dem Namen gefragt und könne sich auch sonst gar nicht mehr an sie erinnern. „Vielleicht könnte ich sie an der Stimme noch wiedererkennen.“ Alle anderen Erinnerungen, so berichtete der Mann weiter, seien an diesem Abend verblasst. Er habe auch keine weiteren Nachforschungen angestellt. „Ich konnte da schon gar nicht mehr alleine laufen.“ Richter Hüchtmann nannte dieses Verhalten des Beschuldigten, einer offenbar wildfremden Person einfach die Autoschlüssel auszuhändigen und dann auch gar nicht misstrauisch zu werden, wenn diese Person anschließend verschwunden ist, „vorsichtig ausgedrückt sehr ungewöhnlich“.

Bekannte bestätigt Aussage des Angeklagten

Das Gegenteil war aber auch nicht zu beweisen. Die Bekannte aus Fröndenberg bestätigte in ihrer Aussage, dass der Angeklagte bis mittags in ihrer Wohnung geschlafen habe. Am Steuer seines Wagens hat den 31-Jährigen in den fraglichen Stunden auch niemand gesehen. Als die Polizei den Mendener aufsuchte, hatte der zwar immer noch einen Autoschlüssel in der Tasche. Aber auch dafür vor dem Amtsgericht eine Begründung: Er habe an dem Tag Erst- wie Zweitschlüssel dabei gehabt, um bei einem Schlüsseldienst die Batterien der Funkfernbedienung wechseln zu lassen.

Zwischenfall ungeklärt

Auch hier galt: Die Aussage des Beschuldigten war nicht zu widerlegen. Ein Freispruch war die Folge. Auch wenn laut Amtsrichter einiges dafür spräche, dass die Vorwürfe doch der Realität entsprechen: „Ich zitiere mal einen alten Richterkollegen: ,Wir sprechen Sie heute frei. Aber machen Sie das nie wieder!’“ Laut Aussage des Angeklagten hat sich die Frage nach dem mysteriösen Unfallverursacher immer noch nicht geklärt.

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