Mit großen Stars auf der Bühne

Christoph Kessler als Gospelsänger an Nina Hagens Seite

Christoph Kessler probt mit dem Kirchenchor St. Marien

Christoph Kessler probt mit dem Kirchenchor St. Marien

Foto: Alexander Lück

Fröndenberg.  Der Fröndenberger Christoph Kessler liebt die Gospelmusik, war schon mit großen Stars auf der Bühne. Nun probt er mit dem Kirchenchor St. Marien.

Eine gute Botschaft, die mitreißt und begeistert. Das ist Gospelmusik. Der Fröndenberger Christoph Kessler war mit seinem Gospelchor schon auf Europatourneen und musikalischer Partner von Stars. Und er weiß, warum bei seiner Gruppe der Gospel so richtig amerikanisch und schwarz klingt. „Auch wenn wir im Chor alle eher blasse Typen sind“, wie er grinsend erzählt. Nun macht er auch den Kirchenchor St. Marien fit für die gute Botschaft.

Gospelmusik hat viele Varianten

Denn nichts anderes übersetzt heißt das Wort Gospel. Es geht natürlich um die frohe Nachricht aus der Bibel, von Geburt, Tod und Auferstehung Jesu. Und dass Gott unser Leben immer beschützt. In Deutschland, so erzählt Kessler, versteht man Gospel meist als eine bestimmte Musikrichtung. Was aber nicht stimmt. Gospel ist eine Botschaft, eine Stimmung, ein Ausdruck. Und musikalisch niederschlagen kann sich das in verschiedenen Formen, von R’n’B, Salsa, Pop bis zu Rap. Und es ist so viel mehr als „Oh happy day“ und „When the saints go marching in“.

Die Fülle an zeitgenössischem Gospel in den USA ist riesig. Er wird in den Kirchen gespielt, viele der Musiker sind Superstars. An Musik und Gesang interessiert ist Christoph Kessler selbst seit er denken an. „Soul oder Blues und den Gospel, allgemein die schwarze Musik, habe ich schon immer geliebt und gerne gesungen. Es passt auch einfach zu meiner Stimme“, sagt der mittlerweile 44-Jährige.

Auch die vielfältigen Möglichkeiten, etwa zur Improvisation, faszinieren ihn. Vor zehn Jahren fand Kessler mit dem Ruhrgebiets-Chor „Just Gospel“ (geprobt wird meistens in Dortmund) einen Rahmen, in dem er sich ausleben kann. Auch wenn diese Gruppe für niemanden der Beruf ist, verfolgt man den Gospel mit professionellem Anspruch und hoher Qualität. Sonst wäre die Gruppe in den vergangenen Jahren aber auch kaum zu Auftritten im Vorprogramm oder gemeinsam mit Nina Hagen oder Heinz Rudolf Kunze eingeladen worden, hätte mehrwöchige Europatourneen absolvieren können und CDs aufgenommen. Oder wäre dreimal auf das weltberühmte Montreux Jazz Festival in die Schweiz eingeladen worden.

Auftritt vor 70.000 Menschen

An den ersten Auftritt dort erinnert sich Christoph Kessler schmunzelnd: „Just Gospel“ hatten ihr Konzert auf einer eher kleinen Bühne am Rande der Veranstaltung. Nach einigen Minuten aber musste die Straße an der Bühne wegen des großen Zuschauerandrangs gesperrt werden, so mitreißend war ihre Darbietung. Klar, dass die Veranstalter beim nächsten Mal schon eine größere Bühne für „Just Gospel“ – die aus elf Sängerinnen und Sängern bestehen – vorgesehen hatten. Bis zur Auflösung der Wise Guys trat der Chor immer in deren Vorprogramm auf den verschiedenen Kirchentagen auf.

Auftritt vor 70.000 Besuchern

Auf dem evangelischen Kirchentag in Berlin sang man am Brandenburger Tor vor 70.000 Besuchern. „Das ist natürlich schon durch die schiere Größe beeindruckend“, erzählt Kessler. Aber die wirklich nahegehenden Momente mit der Gospelmusik erlebt er anderswo: wenn sein Chor wieder mal mit einem amerikanischen Gospelmusiker zusammenarbeiten und proben kann. „Dann stehen wir alle rund ums Klavier und singen einfach. Das sind Momente großer spiritueller Tiefe. Man kommt in einen musikalischen Flow, es passiert einfach und man denkt gar nicht mehr darüber nach, was gerade passiert.“

Engagement in Fröndenberg

Familienvater Christoph Kessler bezeichnet sich selbst als religiösen Menschen. So engagiert sich der Architekt auch im Kirchenvorstand der Fröndenberger Gemeinde. Gospelchöre gibt es in unseren Breiten gar nicht so wenige. Aber deutsche Chöre klingen eben oft auch sehr deutsch. Sagt Kessler, und meint das ausdrücklich nicht böse. Bei „Just Gospel“ ist das anders. Aussprache der englischen Wörte, Formung der Vokale, vor allem aber, in den Rhythmus und den Groove hineinzukommen, ist für eine authentische Darbietung das Entscheidende. Die Melodien sind meist gar nicht so schwer zu singen. Christoph Kessler und seine Mitstreiter vermitteln das in Workshops auch gerne an Chöre und andere Gruppen weiter.

100. Geburtstag des Chores

Und in den nächstem Wochen lernt von ihm auch der Kirchenchor St. Marien. Denn der heimische Chor bereitet anlässlich des 100. Geburtstages ein gemeinsames Konzert beider Gruppen am 23. November vor. Der Kirchenchor hat also reichlich Erfahrung. Gospel aber ist für die Sänger eine ganz neue Erfahrung. Christoph Kessler schafft es aber schon mit der ersten Probe, Spirit und Ausstrahlung dieser Musik in den Kirchenchor einzupflanzen und alle für das gemeinsame Projekt zu begeistern. Still sitzen bleiben kann man dabei kaum. Die gute Botschaft ist also angekommen.

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