Wettbewerb

Dicke Luft bei freien Schornsteinfegern

Freier Schornsteinfeger Andreas Sueva, Arbeitseinsatz:

Freier Schornsteinfeger Andreas Sueva, Arbeitseinsatz:

Foto: WP

Fröndenberg/Menden.   Der Fröndenberger Andreas Sueva wirft Kommunen Geldverschwendung vor. Interessant ist nicht, dass die Gescholtenen kontern, sondern, wie.

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Ein freier Schornsteinfeger erhebt schwere Vorwürfe gegen öffentliche Verwaltungen. Der Fröndenberger Andreas Sueva wirft ihnen vor, Bürger-Geld durch den Kamin zu blasen. Die Kritisierten halten – wenig überraschend – dagegen.

Andreas Sueva sympathisiert, bei Handwerkern nicht ungewöhnlich, mit der CDU. Als Selbstständiger glaubt er an den freien Markt. Als das Schornsteinfeger-Monopol vor drei Jahren fiel, sah der gebürtige Fröndenberger seine Chance.

Sueva bündelt Dienstleistungen von inzwischen mehr als 16 innungsunabhängigen Kollegen in dem Unternehmen „Freier Schornsteinfeger Service“. Der Schornsteinfegermeister versuchte neben gewerblichen Kunden Kommunen und Kreise zu locken. „Wir erledigen Ihre Aufträge wesentlich flexibler, mit mehr Service, deutlich günstiger und mit erweitertem Dienstleistungsangebot“, wirbt Sueva in der Broschüre seiner Firma. Zu Suevas Leistungen gehören die klassischen Schornsteinfegerarbeiten, dazu Mängelmeldung und -beseitigung. Obendrein begleitet er Feuerstättenprüfungen durch Bezirksschornsteinfeger.

Freier Service verspricht Kostenvorteil

Sollte er den Zuschlag für eine Stadt mit zahlreichen Kehrbezirken erhalten, kann er nach eigenen Angaben mit zentralisierter Buchführung trumpfen. Umgekehrt: Werden Kehrbezirke an verschiedene Betriebe vergeben, rechnen die zuständigen Bezirksschornsteinfeger getrennt ab.

Sueva beziffert den Kostenvorteil seines Unternehmens im deutlich zweistelligen Prozentbereich im Vergleich zu den üblichen Tarifen. Das entspreche bei einer Mittelstadt einer vierstelligen Summe.

Der Fröndenberger Sueva, der sich noch heute gern an seine Zeit in der örtlichen Gesamtschule erinnert, setzte seine unternehmerische Hoffnung in die deutlich größere Nachbarstadt Menden.

Und damit begann für Sueva eine Leidenszeit, über die er, längst zurück in Fröndenberg, noch heute grummelnd spricht. Bereits im Juni 2014 nahm der Schornsteinfeger Kontakt zu Stadt und Stadt-Tochter ISM auf, erst mündlich, später, im September 2015, schriftlich. Der potenzielle Kunde ließ bitten. Gewerbesteuerzahler Sueva erhielt eine Absage mit gut zehnwöchiger Verzögerung. Der ISM sehe „keinen Bedarf“, hieß es, „den kostenoptimierten Einsatz der bisher in der Stadt Menden eingesetzten und beauftragten Schornsteinfeger zu erweitern oder zu ersetzen“. Auch beim Service bestehe „kein zusätzlicher Bedarf“.

Vor Kurzem auf das Thema angesprochen, verwies Stadt-Sprecher Manfred Bardtke kurzerhand an die Bezirksregierung in Arnsberg. Die Stadt Menden besitze „keine Regelungsbefugnis, weder für die Besetzung der Bezirke noch die Zuschnitte der Kehrbezirke“.

Auch die Position der Stadt Fröndenberg dürfte Sueva nicht wirklich zufriedenstellen. Kämmerer Günter Freck auf Anfrage: „Man kommt vom Bezirksschornsteinfeger nicht ganz weg.“ Die Verwaltung habe Suevas Angebot durchgerechnet. Einen Kostenvorteil bestritt Freck nicht. Die Ersparnis sei jedoch „marginal“.

Die Bezirksregierung indes führt die geringe Öffnung des Marktes bei der Wartung öffentlicher Gebäude aufs geringe Interesse freier Schornsteinfeger an entsprechenden Aufträgen zurück. Seit der Einführung der neuen Wettbewerbsregel seien mehr als 100 Bezirke ausgeschrieben worden. Jürgen Lambrecht von der Bezirksregierung: „Nur zwei dieser Bewerbungen stammten von freien Schornsteinfegern.“ Einer kam zum Zug.

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