Krankheit

Ein Netzwerk für Demenz in Fröndenberg

Kunst hilft vielen Demenzkranken und ihren Angehörigen eine schöne gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen.

Kunst hilft vielen Demenzkranken und ihren Angehörigen eine schöne gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen.

Foto: Ulla Michels

Fröndenberg.   Noch immer sei Demenz ein Tabuthema, sind sich Birgit Mescher und Norbert Zimmering einig. Sie haben Pläne, um Betroffenen zu helfen.

Demenz betrifft immer mehr Menschen. Das Schmallenbach-Haus hat sich auf die Betreuung sogar spezialisiert. Parallel arbeiten Birgit Mescher, bei der Stadt für Gleichstellung, Familie und Senioren zuständig, und der Fröndenberger Ombudsmann für Pflege, Norbert Zimmering, am Demenz-Netzwerk. Ziel ist es, ein breiteres öffentliches Bewusstsein für die Krankheit zu schaffen.

Belastung für Familien

Zimmering, der unter anderem ein Pflegeheim in Dortmund geleitet hat, ist mit den Herausforderungen und Schwierigkeiten rund um die Diagnose Demenz bestens vertraut. „Es kommt vor, dass ganze Familiennetzwerke zusammenbrechen“, sagt Zimmering. Bereits 2017 hat er in der Ruhrstadt erste Schulungen für Angehörige von demenziell veränderten Menschen gegeben. Daraus ist ein erster Gesprächskreis entstanden. Seit Anfang April läuft eine weitere Schulung im Allee-Café. Der Ombudsmann hofft, dass sich auch daraus wieder ein Gesprächskreis entwickelt. „Es geht darum, Demenz aus der Tabuzone herauszuholen“, erklärt Zimmering.

Ein zentraler Bestandteil sei die Hilfe zum Verstehen der Krankheit und des Verhaltens der Betroffenen – und wie damit umgegangen werden kann. „Es ist wichtig, dass diese Menschen verstanden werden und wieder am Leben teilnehmen können“, sagt der Ombudsmann. Die Betroffenheit bei Angehörigen, so Birgit Mescher, sei „unglaublich groß“. Das habe auch ein Besuch bei der evangelischen Frauenhilfe Frömern vor einigen Tagen deutlich gemacht. Und das, obwohl das Thema Demenz eigentlich schon längst „in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“ und es viele Berührungspunkte im Alltag vieler Menschen gebe.

Ein Projekt, auf das es bisher allerdings keine Resonanz gegeben habe, sei das Einbeziehen von Discountern und deren Personal. Es sei wichtig, dass sich die Mitarbeiter mit dem Thema beschäftigen und verstehen, warum Kunden mitunter länger brauchen, um zu bezahlen. So könnten Kassierer auch in die Rolle des Vermittlers schlüpfen, sobald andere Kunden ungehalten werden.

Ein Wunsch, den Norbert Zimmering und Birgit Mescher teilen, ist der, dass Demenzkranke an alte Strukturen wie Sport, Musik und Kunst wieder anknüpfen können. Aber dabei gebe es noch „dicke Bretter zu bohren“, sagt Mescher. Denn das Thema Demenz werde noch immer tabuisiert. Dabei würden nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Menschen in der Pflege dringend Unterstützung benötigen. „Das ist eine unheimliche Belastung“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte.

Teilnahme am Alltag

Das Ziel sei daher ein wesentlich breiteres Angebot. Im Allee-Café gibt es alle 14 Tage einen offenen Treff, der von den Pflege-Profis mitorganisiert wird. Vorstellbar seien aber auch Sing-Gruppen und mehr Freizeitangebote wie etwa Ausflüge. Mescher bekomme oft Anrufe von Angehörigen, die erzählen, wie gern ihre Liebsten früher zum Fußballspielen oder Tanzen gegangen seien. Und genau dort will sie ansetzen. So könnten Trainer in Sportvereinen Stück für Stück qualifiziert werden, um Sportkurse anbieten zu können.

Genauso solle aber das direkte und indirekte Umfeld nicht aus den Augen gelassen werden. „Man sollte sich nicht zurückziehen, nur weil sich der Nachbar auf einmal merkwürdig verhält“, wirbt Zimmering für mehr Verständnis. Und auch in den Einrichtungen müsse das Thema Demenz noch stärker im Mittelpunkt stehen.

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