Kirchenasyl

Evangelische Gemeinde gewährt Mo Kirchenasyl

Die Evangelische Gemeinde Fröndenberg - hier die Stiftskirche - gewährt Mo Kirchenasyl.

Die Evangelische Gemeinde Fröndenberg - hier die Stiftskirche - gewährt Mo Kirchenasyl.

Foto: Martina Dinslage

Fröndenberg.   Mo aus Mali – das ist eine Geschichte voller Schmerzen und enttäuschter Hoffnungen. Warum ihn die Evangelische Gemeinde aufnahm.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Noch immer wartet die Evangelische Kirchengemeinde Fröndenberg auf die Bewilligung des Asylantrages ihres Schützlings Mohammed Touré, der liebevoll Mo genannt wird und sich einige Monate im Schutz der Gemeinde im Kirchenasyl befand.

Eine Odyssee liegt bis heute hinter Mo, die tiefe Spuren an Körper und Seele hinterlassen hat. Der fast 22-jährige junge Mann aus Mali verbrachte die ersten Jahre seines Lebens in seinem Heimatland. Dann machten sich ab 2011 Islamisten gewaltsam in seiner Heimat breit. „Er verlor Eltern und Schwester. Sie wurden von den Extremisten ermordet“, berichtete Annelie Richwin-Krause, Vorsitzende des Presbyteriums, stellvertretend für den pressescheuen jungen Mann. Er selbst landete im Gefängnis und wurde schwer gefoltert. Davon zeugen bis heute die Narben an seinem Körper.

Flucht ans Mittelmeer

Dann gelang ihm die Flucht. Über Niger, Algerien und Libyen gelangte er an das Mittelmeer. Unter Lebensgefahr kam er mit einem der Flüchtlingsboote nach Italien. Für ein halbes Jahr stopfte man ihn in ein so genanntes Flüchtlingscamp. Nach einem halben Jahr ist man in Italien gezwungen, das Lager zu verlassen, und man ist völlig auf sich allein gestellt. „Er wurde verprügelt und litt unter Rassismus“, so die Presbyterin.

Deshalb machte er sich wieder auf den Weg. Sein Ziel war nun Deutschland. Er gelangte über Köln nach Fröndenberg und stellte seinen Asylantrag, der allerdings abgelehnt wurde. „Gleichzeitig wurde seine Abschiebung nach Italien angeordnet. Er hätte nach der Dublin-III-Verordnung seinen Antrag im Ankunftsland, also in Italien, stellen müssen“, erklärte Annelie Richwin-Krause weiter.

Mo war völlig verzweifelt. Viel Energie hatte er aufgewandt, um sich auf seinen Aufenthalt in Deutschland vorzubereiten. Er spricht inzwischen gut Deutsch. So traf ihn die Ablehnung wie ein Hammerschlag. Völlig verzweifelt und weinend fand ihn Küsterin Vinka Heuser auf einer Bank vor der Stiftskirche. In den Händen hielt er seine Papiere. „Ich brauche dringend Hilfe“, habe Mo gesagt. „So waren wir aufgefordert, uns darum zu kümmern“, berichtete Annelie Richwin-Krause.

Kirchenasyl im September 2016 beschlossen

Am 21. September 2016 beschloss dann das Presbyterium, dem Flüchtling Kirchenasyl zu gewähren. Es galt ein halbes Jahr zu überbrücken, denn danach konnte er nicht mehr nach Italien abgeschoben werden. Doch nur mit Warten war es nicht getan. Die Ausländerbehörde wurde informiert, ebenso das Sozialamt. Auch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie die Landeskirche wurden in Kenntnis gesetzt. „Pfarrer Helge Hohmann aus Villigst, Flüchtlingsbeauftragter der Landeskirche, gab sein Einverständnis. Wir dürfen schließlich niemanden verstecken“, erklärte die Presbyterin das Vorgehen.

Am 22. September fand Mo Unterkunft im Amtsbereich der Kirche, im Pfarrhaus in Westick. Vinka Heusers Ehemann Karl kümmerte sich dann um ihn. Die Gemeinde versorgte ihn, und ein Spendenaufruf brachte auch Erfolg. Mo durfte sich auch nach Abstimmung mit der Ausländerbehörde und dem Landrat in Fröndenberg frei bewegen.

Belastet durch Haft und Folter

„Es musste nachgewiesen werden, dass bei Mo ein Härtefall vorliegt“, so die Vorsitzende des Presbyteriums. Die Stellungnahme einer Psychologin zeigte, wie sehr der junge Mann durch Haft, Folter und den Verlust von Angehörigen seelisch belastet ist.

Nun ist ein neuer Asylantrag gestellt worden. Nach Italien kann er nicht mehr abgeschoben werden. Die notwendige Befragung hat er bereits hinter sich. Annelie Richwin-Krause: „Wir alle hoffen und warten täglich auf den Bescheid, dass Mo hier bleiben kann und ihm Asyl bewilligt wird.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben