Gericht

Fröndenberger (19) lief über Gleise – Zug musste notbremsen

Das Betreten von Bahnschienen ist gefährlich. Ein Fröndenberger steht vor Gericht, weil er die Gleise überquert hatte. Dabei trug der 19-Jährige Kopfhörer.

Das Betreten von Bahnschienen ist gefährlich. Ein Fröndenberger steht vor Gericht, weil er die Gleise überquert hatte. Dabei trug der 19-Jährige Kopfhörer.

Foto: Socrates Tassos

Ardey/Unna.  Ein Fröndenberger (19) steht vor Gericht, weil er die Gleise in Ardey überquert hatte. Dabei trug er Kopfhörer und hörte den kommenden Zug nicht.

Ein 19-Jähriger aus Fröndenberg kam noch einmal mit dem Schrecken davon: Im September 2017 war er über die Eisenbahnschienen gelaufen, als sich ein Zug näherte. Der Lokführer musste eine Vollbremsung einleiten, der 19-Jährige blieb unverletzt. Für sein Verhalten musste er sich vor dem Amtsgericht in Unna verantworten. Der Vorwurf: Er habe „vorsätzlich Hindernisse“ auf den Gleisen errichtet.

Der Angeklagte wollte sich mit einem Kollegen in Ardey treffen und war mit dem Fahrrad unterwegs. Dort habe er ihn aber nicht angetroffen, ging die Gleise ab und fand ihn schließlich auf den Schienen. „Ich bin mit meinem Fahrrad über die Gleise gelaufen, um ihm zu sagen, dass das verboten ist“, sagte der Fröndenberger.

Fröndenberger lief mit Fahrrad über die Schienen

Daraufhin habe sein Freund die Schienen verlassen, der 19-Jährige wählte den Weg über die Schienen zurück – mitsamt Fahrrad. Dabei trug er Kopfhörer und hörte nicht, wie sich ein Zug näherte. Aufgrund der lauten Musik nahm der Angeklagte auch die Warnsignale des Zuges nicht wahr. Der Lokführer leitete eine Schnellbremsung ein, der Zug rauschte knapp an dem Fröndenberger vorbei.

Der Angeklagte beteuerte vor Gericht, sich nicht habe umbringen zu wollen: „Ich würde niemals Suizid begehen, weil das nicht richtig ist. Ich würde viele Menschen damit verletzten.“

Der 19-Jährige hatte auf die Uhr gesehen

Als einzige Vorsichtsmaßnahme vor dem Überqueren der Gleise habe er auf die Uhr geschaut, sagte der 19-Jährige, „ich habe aber vergessen, dass auch Züge in Richtung Schwerte fahren“.

Richter Christian Johann fragte den Angeklagte: „Haben Sie schon einmal erlebt, dass sich ein Zug verspätet?“ Kleinlaut gab dieser zurück: „Seitdem passe ich sehr auf.“

Ein Wochenende Freizeitarrest

Nach einem Rechtsgespräch zwischen Richter, Staatsanwältin und Verteidiger fällte Johann das Urteil. Der 19-Jährige wird ein Wochenende im Freizeitarrest verbringen. „Dort können Sie mal darüber nachdenken, wie es dem Zugführer damit geht“, sagte Staatsanwältin Eickhölter. „Sie haben sehr viel Glück gehabt.“

Der Angeklagte war mit dem Urteil einverstanden: „Ich finde das Freizeitarrest angemessen. Ich war zu kopflos und bin einfach froh, dass niemandem etwas passiert ist.“

Spezielle Ausbildung für Lokführer

Notbremsungen gehören für Lokführer zum Alltag dazu, wie Sven Schmitte mitteilt. Der Bezirksvorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL NRW sagt: „Jede Notbremsung ist eine Stresssituation. Die Kollegen handeln im Affekt in Sekundenbruchteilen.“ Bei einer Notbremsung gibt der Zugführer zusätzlich Sand hinzu, um die Bremswirkung zu erhöhen.

In der Lokführerausbildung gehört es auch dazu, zu lernen, Strecken zu beobachten. Das sei eine der wichtigsten Aufgaben der Zugführer. „Das automatisierte Fahren wird so schnell nicht kommen“, sagt Schmitte. Dafür sei auch die Infrastruktur nicht gegeben.

Wird ein Zugführer in einen Unfall verwickelt, kümmert sich zunächst der Arbeitgeber um seinen Angestellten. Schmitte: „Der Arbeitgeber hat dafür Sorge zu tragen, dass der Kollege begleitet nach Hause gefahren wird.“ In der folgenden Zeit gibt es die Möglichkeit, sich psychologisch betreuen zu lassen.

Die Strecken einzuzäunen bringt nichts

Eisenbahnstrecken stärker abzuschirmen sieht Schmitte nicht als wirkungsvoll an: „Wir können nicht alle Strecken deutschlandweit einzäunen.“ Das sei zum einen zu teuer und außerdem ineffektiv: „Wer auf die Strecke will, der schafft das auch.“ Vielmehr sollten Eltern ihren Kindern beibringen, dass Eisenbahnschienen gefährlich sind.

Die Notbremse im Waggon werde eher selten gezogen. In diesem Fall muss der Zugführer die Bremse „zurückstellen“, das heißt, den Zug abgehen und sich vergewissern, dass alles in Ordnung ist.

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