ST. MARTIN

Heiner Redeker: St. Martin – ein Heiliger für alle

Heiner Redeker, Gemeindereferent Pastoralverbund Fröndenberg, über Brauchtum im Wandel

Foto: Jürgen Overkott

Heiner Redeker, Gemeindereferent Pastoralverbund Fröndenberg, über Brauchtum im Wandel Foto: Jürgen Overkott

Fröndenberg.   St.-Martinsumzug oder Lichtfest? Gemeindereferent Heiner Redeker plädiert für Selbstbewusstsein – und Offenheit.

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St.-Martinszüge gelten als Brauchtum. Dennoch ist auch in diesem Bereich ein Wandel spürbar. Mit dem Gemeindereferenten Heiner Redeker vom Katholischen Pastoralverbund Fröndenberg sprach Jürgen Overkott.

Vielerorts wird aus dem St.-Martinszug ein Lichterfest. Warum?

Heiner Redeker: Das fragen wir uns auch. Viele Veranstalter glauben, dass sie Andersgläubigen auf den Schlips treten, wenn sie vom St.-Martinszug sprechen. Sie treffen immer mehr auf nicht-christliche Menschen oder auf Menschen anderer Religionen und glauben, dass diese Gruppen vom Martinszug ausgeschlossen werden, weil er einen christlichen Bezug hat. Das glauben wir nicht. Wir sagen ausdrücklich, dass alle Menschen zum Martinsfest eingeladen sind, dass Martin ein Heiliger ist, der allen Menschen etwas zu sagen hat durch seine Botschaft, die er gelebt hat. Außerdem hat der Zentralrat der Muslime gesagt, wir möchten gar nicht, dass das Martinsfest in ein Lichterfest umgewandelt wird. Martin hat auch uns etwas zu sagen. Die Angst von Veranstaltern vor Ärgern wegen des Namens Martinsfest ist unbegründet. Sie entsteht aus einer Unsicherheit heraus. Dabei müssen wir aufpassen, dass wir nicht unsere Wurzeln verlieren – kulturell wie religiös.

Sie sagen: St. Martin gehört zu unserem Markenkern. Aber wir sind offen.

Auf jeden Fall. Das machen wir in vielen Bereichen. Das ist ja auch beim Nikolaus so. Der Nikolaus ist ebenfalls ein Heiliger für alle, durch sein Leben und sein Wirken. Wir reduzieren Martin und Nikolaus nicht nur auf die christlichen Menschen. Martin wusste nicht, als er seinen Mantel teilte, ist das ein Christ oder nicht. Er sah nur, hier braucht jemand Hilfe.

Er sah nur, das ist ein Mensch.

Ein Mensch, dem Nikolaus helfen wollte. So sehen wir das auch bei den Feiern: Die Botschaft zu helfen wollen wir weitergeben.

Wie hat sich der Martinszug im Lauf der Jahre verändert?

Er hat sich optisch verändert. Fackeln und Laternen haben sich verändert. Sie sind sicherer geworden. Kerzen sind durch LED-Licht ersetzt worden. Der Martinszug hat sich leider aber auch dahingehend verändert, dass viele Menschen nicht mehr mitsingen. Viele Leute können die Texte leider nicht mehr.

Mit anderen Worten: Es geht kaum noch über „Rabimmel-rabammel-rabumm“ hinaus.

Dabei haben wir so viele Lieder, die Martinslieder, aber auch die Lichter-Lieder. Und wir haben noch etwas beobachtet: dass viele Leute das Martinsspiel gar nicht mehr mitbekommen, sondern direkt zu Brezeln und Glühwein gehen. Deshalb legen wir in diesem Jahr viel Wert darauf, dass es Brezel und Glühwein erst nach dem Martinsspiel gibt.

Das Martinsspiel vermittelt die Botschaft. Es geht um mehr als um Folklore.

Das Martinsspiel bringt die eigentliche Botschaft ‘rüber. Ohne das Martinsspiel wäre der Umzug sinnlos.

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