Neustart

IT-Durchstarter hat große Pläne für Fröndenberger Bahnhof

Ausgeprägtes Selbstbewusstsein: Jens Auch liebt seine Heimatstadt Fröndenberg. Der 28-Jährige wollte „schon immer Geschäftsführer“ werden.

Ausgeprägtes Selbstbewusstsein: Jens Auch liebt seine Heimatstadt Fröndenberg. Der 28-Jährige wollte „schon immer Geschäftsführer“ werden.

Foto: Michaela Köberich

Fröndenberg.   Jens Auch hat große Pläne für die Gewerbefläche im Bahnhof Fröndenberg. Um die Renovierung hat er sich selbst gekümmert.

Der 28-jährige Fröndenberger Jens Auch hat viel vor mit der mehr als 400 Quadratmeter großen Fläche im Bahnhof. Eigene Scan-Firma, Campus-Projekt und der Vertrieb von italienischen Walking-Stöcken stehen für die nächsten Jahr auf seiner Agenda. All das kann er sich nirgendwo anders vorstellen als in seiner Heimatstadt.

„Ich komme gerade von der Stadt und habe unser Gewerbe durchgedrückt“, sagt Jens Auch, der wegen seines gut gefüllten Terminplanes das Gespräch um ein paar Minuten verschwitzt hat. Der Bürgermeister sei begeistert von den Ideen, die er für den Bahnhof habe, berichtet der 28-Jährige.

Weiße Wände, dunkler Boden

Voller Elan, führt er durch die Räume, in denen das Radhotel „abgefahr’n“ bis vor ein paar Monaten noch Radler untergebracht hatte. Tapeziert, Wände gemacht, Laminat verlegt – alles in Eigenregie: „Ich komme aus einer Handwerker-Familie und habe dem Vermieter gesagt: ,Lass alles liegen, ich kümmere mich darum.’“

Jetzt sieht alles anders aus. Die weißen Wände saugen das Sonnenlicht, das durch die großen Fenster hinein strahlt auf. Der dunkle Boden bildet einen geschmackvollen Kontrast. Hier und da liegt noch Werkzeug herum, Umzugskisten stehen ausräumbereit auf Schreibtischen. Der Einzug wurde schon gefeiert, eine 1,75 Liter Flasche Kräuterschnaps ist noch mit einem Pfützchen gefüllt. Es ist gemütlich.

Für Jens Auch ist seine Tätigkeit als Firmenchef die logische Konsequenz. „Mein Ziel war schon immer, Geschäftsführer zu werden.“ Er hat schon als Jugendlicher an allen relevanten Hebeln gezogen, um das wahr zu machen. Als 15-Jähriger gewinnt er mit seinen Schulkameraden von der Gesamtschule Fröndenberg einen Roboterwettbewerb. Jeder Schüler darf sich eine Belohnung aussuchen. „Die anderen wollten schulfrei“, erinnert sich Jens Auch. Er nicht. Er bittet seinen Lehrer um ausrangierte DIN-A3-Kopierer und Server der GSF. „Mama hat damals geflucht: ,Was bringst du uns in Haus? Kannst du nicht wie andere Kinder sein und Fußballspielen?’“

Das Abitur führt zu einem viel heftigeren Streit. Jens Auch will ein halbes Jahr vor dem Abschluss die Schule abbrechen. Mutti ist wenig begeistert.

Er lehnt sich aus dem Fenster und bietet ihr eine Wette an, die er eigentlich nicht gewinnen kann: „Ich habe mich auf eine Ausbildungsstelle beworben, auf die es 600 Bewerber gab. Und die haben mich genommen“, erinnert er sich an das Himmelfahrtskommando.

Mittlerweile hat er sogar zwei Ausbildungen abgeschlossen: IT-Systemkaufmann und IT-Systemadministrator.

Seit 20 Generationen

Jetzt hat ihn sein beruflicher Weg in seine Heimatstadt zurückgeführt. Auch das ist für Jens Auch eine logische Konsequenz: „Ich liebe Fröndenberg. Man kennt die Leute hier, trinkt abends mal ein Bierchen zusammen im ,Markgrafen’. Und hier will er mit seinen Vorhaben auch bleiben: „Unsere Familie lebt seit 20 Generationen in Fröndenberg. Hier geht es nicht weg. Jeder kennt jeden, es gibt kurze Dienstwege. Hier können wir durchstarten.“ Jens Auch ist sich sicher, dass seine Pläne funktionieren werden: „Ich glaube, ich kann das besser machen als alle anderen. Ich will hier richtig was reißen.“

Die Wohnung im Bahnhofsgebäude, die er sich mit seiner Freundin und einem befreundeten Ehepaar teilt, ist allerdings nicht auf die nächsten Jahrzehnte ausgelegt. „Das Büro bleibt hier, aber ein Häuschen auf der Hohenheide wäre schon schön.“

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