Dokumentation

Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg in 3Sat-Doku

Insasse Peter Hoppe

Foto: Christian Bock

Insasse Peter Hoppe Foto: Christian Bock

Fröndenberg.   Eine 3Sat-Dokumentation befasst sich mit dem Thema „Senioren hinter Gittern“. Gedreht wurde im Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg.

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„Ich bin böse gewesen. Richtig böse.“ Schaut man Peter Hoppe in die Augen, nimmt man ihm den Inhalt dieser Satzfolge durchaus ab. Hoppe, langhaarig, tätowiert, ein Baum von einem Mann, sitzt seit vielen Jahren im Fröndenberger Justizvollzugskrankenhaus und verbringt den Großteil des Tages im Rollstuhl. Er ist einer der Protagonisten in der 3Sat-Dokumentation „Senioren hinter Gittern“. Der knapp 45-minütige Film von Regisseur Christian Bock wurde am Mittwochabend erstmals im Fernsehen ausgestrahlt und ist in der Internet-Mediathek verfügbar (siehe Infobox).

Dass das Fernsehen mit Videokameras anrückt, ist für Anstaltsleiter Joachim Turowski nichts Besonderes. Im vergangenen Dezember beleuchtete das ZDF im Rahmen des Dreiteilers „Knast in Deutschland“ den Alltag der Häftlinge in Fröndenberg und gab dabei intime Einblicke. Selbst bei der Tattooentfernung ließen sich die Insassen filmen. „Wenn es um sachliche, vernünftige Berichterstattung geht, die dem Zuschauer einen Informationsgehalt bietet, schauen wir, was ermöglicht werden kann. Alles will ich aber auch nicht unterstützen“, erklärt Turowski.

Genaue Absprachen erforderlich

Frühzeitige und präzise Planung ist das A und O, weiß der Chef des Hauses: „Die Leute wollen Bewegtbilder. Da muss man vorher genau absprechen, wann und was gefilmt werden soll. Zudem müssen wir natürlich die Insassen fragen, ob sie bereit sind, mitzumachen.“

Viele widerrufen ihre Einverständniserklärung im Nachgang – nicht so Peter Hoppe. Mit ruhiger, aber respekteinflößender Stimme beschreibt er seinen alles andere als ruhmreichen Werdegang. Viele langjährige Haftstrafen bekam er für mehr als 20 Gesetzesbrüche. „Mal fünf Jahre, mal sieben, mal zehn – dat läppert sich. Musse mit klarkommen“, sagt er im besten Ruhrgebiets-Deutsch.

Schonungslos und ehrlich

Weswegen er einsitzt? „Ich habe viele hingelegt. Mit und auch ohne Uniform, dat war mir alles scheissegal.“ Ob er das JVK lebend verlassen wird, weiß er nicht. Täglich kämpft Peter Hoppe mit seinen gesundheitlichen Problemen und den Macken der Mitinsassen.

Und diese stellen auch das Personal im Gebäude am Hirschberg vor immer größere Herausforderungen. „Ich habe schon den Eindruck, dass mehr ältere Strafgefangene im Vollzug landen als früher“, merkt Joachim Turowski an, der auf weit über 20 Jahre Berufserfahrung zurückblickt.

Naht die Entlassung, stehen die Mitarbeiter des JVK nicht selten vor größeren Problemen. Turowski:„Einem älteren entlassenen Täter, der draußen kein Umfeld mehr hat, eine Wohnung zu besorgen, ist heutzutage schon fast unmöglich. Gerade Wohnungen für Gehbehinderte sind sehr knapp. Häufig bekommt man von Vermietern auf Anfragen eine Absage oder erst gar keine Antwort.“

Lösungen für solche Fälle kann die 3Sat-Dokumentation nicht liefern. Was Filmemacher Bock aber aufzeigt: Gesellschaft und Politik sollten sich mit diesem Thema dringend auseinandersetzen.

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