Steuer

Neues Gesetz: Fiskus kassiert bei Pfarrfesten in Fröndenberg

Gemeindefest in St. Josef: Dass auf die Veranstaltungen künftig verzichtet werden muss, ist vorerst nicht zu befürchten.

Gemeindefest in St. Josef: Dass auf die Veranstaltungen künftig verzichtet werden muss, ist vorerst nicht zu befürchten.

Foto: WP

Fröndenberg.   Kirchengemeinden und Kirchenkreise müssen ab 2021 Umsatzsteuer zahlen. Das wirkt sich auch aufs Ehrenamt aus.

Auf die Kirchengemeinden im Pastoralverbund und den Evangelischen Kirchenkreis Unna wird ab Januar 2021 deutlich mehr Verwaltungsarbeit zukommen. Denn dann läuft die Übergangsfrist für die geplante Umsatzsteuerpflicht der Kirchengemeinden ab – Schulungen im Steuerrecht für Ehren- und Hauptamtliche laufen bereits.

Die Gesetzeslage

Seit 2017 gibt es eine Neuregelung des Steuergesetzes. Europäische Union und Bundesrechnungshof haben entschieden, dass Kirchengemeinden nicht mehr unter die Gemeinnützigkeit fallen, sondern als Körperschaften des öffentlichen Rechts umsatzsteuerpflichtig werden sollen. Heißt: Künftig müssen die Kirchengemeinden bei Einnahmen von 17.500 Euro oder mehr Umsatzsteuer abführen. In der Praxis bedeutet das, dass Einnahmen aus Gemeindefesten, Bücherbasaren oder Aktionen, bei denen Getränke und Kuchen verkauft werden, versteuert werden müssen.

Evangelischer Kirchenkreis

Das bedeutet für den Evangelischen Kirchenkreis Unna – zu dem auch Fröndenberg zählt – „einen großen Verwaltungsaufwand“, wie Pressesprecher Dietrich Schneider auf WP-Anfrage erklärt. Zudem müssten die Einnahmen aufgeschlüsselt, die jeweiligen Beträge unterschiedlich gebucht und abgerechnet werden. Grundsätzlich aber müsse der Evangelische Kirchenkreis Unna künftig wie jedes Unternehmen steuerliche Abgaben leisten.

„In der Summe verringern sich an vielen Stellen die Einnahmen, die etwa durch Verkaufserlöse erzielt werden. Für uns ist das neu, für wirtschaftliche Betriebe gehört das schon immer zum Alltag“, sagt Schneider. Um sich auf die Umstellung einzustellen, laufen die Vorbereitungen bereits seit zwei Jahren. „Menschen aus der Finanzabteilung und den Gemeinden beraten, wie die Umstellung gelingen kann“, sagt Schneider. Im Kreiskirchenamt, wo die zentrale Finanzverwaltung sitzt, sei seit April extra eine Fachkraft eingestellt worden. Ebenso würden die Presbyterien vorbereitet. „Von den anderen Ehrenamtlichen sollen die Veränderungen in Sachen Abwicklung fern gehalten werden“, verspricht der Pressesprecher. Bis zum Sommer 2020 sollen die notwendigen Strukturen aufgebaut sein. Laut ersten Analysen werden wohl alle Gemeinden im Einzugsgebiet den Freibetrag von 17.500 Euro überschreiten.

Aktive Gemeinden würden immer Verkaufserlöse generieren. Was allerdings nicht in die Berechnung mit einfließt, „sind die sogenannten hoheitlichen Arbeiten, also der Kostenbeitrag für das Konfi-Camp oder die Jugendfreizeit oder alles rund um den Gottesdienst“, erklärt Schneider. Ehrenamtler sollen durch die Änderungen nicht belastet werden. Sie würden ja schon den selbst gemachten Kuchen oder die gebrauchte Kinderkleidung spenden, um in ihrer Gemeinde mitzuhelfen. „Es bleibt zu hoffen, das Menschen ihr Engagement nicht von einem Steuergesetz abhängig machen“, so Schneiders Fazit.

Das Erzbistum und EKD

Die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) sind sich des Themas bewusst. Als 2017 §2b des Umsatzsteuergesetzes eingeführt wurde, einigten sich Kirchen und Gesetzgeber darauf, eine Übergangsfrist von vier Jahren festzulegen, um sich auf die Änderungen vorzubereiten. „An vielen Stellen wird der Austausch mit der Finanzverwaltung nötig sein. Letztlich müssen wir mit der Gesetzesänderung umgehen. Sie rechtfertigt keine Empörung“, teilt Mario Polzer, Pressesprecher des Erzbistums Paderborn, in einer gemeinsamen Stellungnahme von EKD und Bischofskonferenz mit.

Die Folgen

Ob Gemeinden künftig auf Feste, Basare, Tannenbaumaktionen und Co. verzichten, weil „der Aufwand zur steuerlichen Nachbearbeitung zu hoch und für Ehrenamtliche nicht mehr zu leisten ist“, sei aktuell nicht zu beantworten, da „uns aktuell keine Erkenntnisse vorliegen“.

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