Haus Schoppe

„Nicht für Appel und Ei verkaufen“

Haus Schoppe in Langschede.

Haus Schoppe in Langschede.

Foto: WP

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Langschede.  Den Langschedern ist das Haus Schoppe ein Dorn im Auge – schließlich könnte das südwestliche Tor zur Stadt Fröndenberg ein Schmuckstück sein. Doch seit rund 20 Jahren tut sich (fast) nichts.

Vor kurzem ließ die Eigentümer-Familie neue Fenster einsetzen. Doch ein Verkauf ist ebenso wenig geplant wie eine Eigennutzung. Wie es aussieht, stehen das denkmalgeschützte Haus von Anfang des 18. Jahrhunderts und der Turm aus dem 16. Jahrhundert also weiter leer. Was die Langscheder ärgert. Gestern war Haus Schoppe Thema auf der Stadtteilkonferenz West.

Das sagt die Stadtteilkonferenz:

„Das Problem ist: Man kann dem Eigentümer nichts vorwerfen“, sagt Frank Lütkefent, Architekt und Teilnehmer der Stadtteilkonferenz West. „Und so lange wir keinen Investor haben, kommen wir nicht weiter.“ Mehr als 20 000 Verkehrsteilnehmer passierten diese Stelle Tag für Tag. „Und alle starren auf die Fassade.“ Das ehedem hochherrschaftliche Haus verfällt zusehends. Dem Vernehmen nach, so Lütkefent, wolle der Eigentümer 400 000 Euro als Kaufpreis. Diese Summe schätzt die Stadtteilkonferenz als überzogen ein, Lütkefent gibt aber zu: „In einer Ecke haben sich im Laufe der Jahrzehnte Feuchtigkeitsschäden gebildet, ansonsten ist das Haus überraschend gut erhalten.“ Er schätzt Haus Schoppe als „so wertvoll“ ein, dass es „in normalen Zeiten Sache der Stadt wäre“, das Haus zu erwerben und zu erhalten. Doch die Kassen sind leer. Deshalb kommt Wolfgang Harwardt, ebenfalls Teilnehmer der Stadtteilkonferenz, zu dem Schluss: „Ohne Investor keine Verhandlungsgrundlage.“

Das sagt die Stadt:

Die Stadt Fröndenberg unternimmt nichts gegen den Leerstadt. Schließlich handelt es sich um Privateigentum. Sie achtet nur darauf, dass der Eigentümer seinen Verkehrssicherungspflichten nachkommt. „Wenn wir Mängel vorgebracht haben, hat sie der Eigentümer immer direkt beseitigt“, sagt Udo Patzkowsky aus der Bauverwaltung im Rathaus.

Das sagt der Eigentümer:

„Wir können die Anwohner verstehen, aber sie müssen auch uns verstehen“, sagt Oliver Koch (39), Sohn von Günter Koch aus Sümmern, der das Grundstück mit Wohnhaus, Wehrturm, Scheune und Stall vor rund 20 Jahren kaufte. „Damals stand es noch nicht unter Denkmalschutz“, berichtet Koch. In der Tat: Das Wohnhaus wurde 1995 unter Denkmalschutz gestellt, der Turm ist seit 1987 denkmalgeschützt. Der ursprüngliche Plan seines Vaters sei es gewesen, selbst in das Haus zu ziehen und es teilweise zu vermieten. Das sei aber finanziell nicht mehr möglich gewesen, als es unter Denkmalschutz gestellt wurde. „Sie müssen alles nach bestimmten Vorschriften renovieren. Stuckdecken müssen wiederhergestellt werden, selbst die Innentüren müssen gewissen Kriterien entsprechen. Und da können Sie auch keine 08/15-Fenster reinsetzen.“ Apropos Fenster: Die haben die Kochs vor kurzem ausgetauscht, nachdem mehrfach eingebrochen worden war. „Es sah nach einem Saufgelage mit anschließender Randale aus“, erzählt Koch. Neben einem völlig zerstörten Sicherungskasten habe man Wodkaflaschen und russische Zigarettenschachteln gefunden. Das Objekt sei nicht einfach zu vermarkten, und sein Vater aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, das Haus in Eigenleistung zu renovieren. Er selbst konzentriere sich auf die Metallwarenfabrik. „Die Firma geht vor.“ Koch bestätigt, dass er ein Interesse habe, Haus Schoppe zu verkaufen. „Aber ich werde an dieser Stelle keinen Preis nennen.“ Klar ist für ihn nur: „Wir werden es nicht für ‘n Appel und ‘n Ei verkaufen. Wir wollen da plusminus Null rausgehen.“ Das bedeute: Reinkommen soll der ursprüngliche Kaufpreis plus die Summe, die die Familie in das Haus für Fenster etc. investiert hat.

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