Erneuerbare Energien

Photovoltaikanlagen legen Fröndenberger Stromnetz lahm

In Fröndenberg gibt es zu viele Solaranlagen. Die Einspeisung überfordert das Stromnetz.

In Fröndenberg gibt es zu viele Solaranlagen. Die Einspeisung überfordert das Stromnetz.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jochen Zick

Fröndenberg.  Fröndenberger haben zu viele Solaranlagen auf ihren Dächern installiert. Die Anlagen überfordern das Stromnetz. Was die Stadtwerke nun tun wollen.

Die Stadtwerke Fröndenberg wollen und müssen ihr Stromnetz weiter ausbauen. Dafür verantwortlich ist eine steigende Anzahl an Photovoltaikanlagen, die stellenweise das Stromnetz beim Einspeisen überfordern. Einige Anträge zur Errichtung der Anlagen müssen derweil genau geprüft und möglicherweise auch abgelehnt werden, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Bernd Heitmann.

Das Problem

„Wir wollen unser Stromnetz weiter ausbauen“, sagt Heitmann im Gespräch mit der Westfalenpost. Gleichzeitig macht der Stadtwerke-Geschäftsführer deutlich, dass es nicht nur in Fröndenberg Netzprobleme gebe bei der Einspeisung von Strom aus Photovoltaikanlagen. Vor allem Kommunen mit dörflichen Strukturen seien davon betroffen.

Das Fröndenberger Stromnetz ist in den vergangenen 100 Jahren sukzessive ausgebaut worden. Dabei komme es gerade in den Außenbereichen zu Problemen, da das Netz dort nicht auf die hohe Anzahl an Photovoltaikanlagen ausgelegt ist, macht Heitmann klar. „2018 haben wir deshalb sechs Windkraftanlagen aus dem Netz herausoperiert und dafür eine neue Mittelspannungsleitung gezogen“, erklärt Bernd Heitmann. Dafür verlegten die Stadtwerke auf einer Länge von 6,5 Kilometern je eine 30 und 10 Kilovolt Leitung in Richtung Bausenhagen.

Die Überlastung

Das größte Problem der Stadtwerke resultiert aus den Netzschwankungen. „Wir müssen nicht nur Strom liefern, sondern auch eine Spannungsqualität gewährleisten“, so der Stadtwerke-Geschäftsführer. Heißt: Kommen etatmäßig 220 Volt aus einer Steckdose, darf die Schwankung lediglich zehn Prozent betragen. Speisen mehrere Photovoltaikanlagen ein, kommt es zu einer Überlastung und die Spannung kann abfallen. „Fröndenberg hat – gemessen an seiner Bevölkerung – sehr viele Photovoltaikanlagen“, sagt Heitmann; rund 600 sind es inzwischen.

Die Abdeckung

Wie stark die Ruhrstadt inzwischen auf erneuerbare Energien setzt, macht ein Blick auf die Statistik deutlich: 2018 lag der Spitzenverbrauch der Haushalte bei 26,4 Megawatt. Gleichzeitig erzeugten die Photovoltaikanlagen zu Spitzenzeiten 27,8 Megawatt. Die Ruhrstadt könnte also rein rechnerisch ihren Energiebedarf für sämtliche Haushalte aus der Sonnenkraft decken.

Doch ganz so einfach ist die Sache nicht. Denn Industriebetriebe und Co. benötigten schließlich auch Strom. Hinzu kommt, dass die Anlagen bei schlechtem Wetter oder nachts praktisch keine Energie erzeugen können.

Wo die Reise für die Stadtwerke hingeht, ist klar: „Wir wollen ja, dass das Netz in der Lage ist, mehr aufzunehmen“, betont Heitmann. Dafür bedarf es weiterer Investitionen – und so lange komme es auch vor, dass Anträge auf Photovoltaikanlagen in speziellen Gebieten Fröndenbergs nicht möglich sind oder hinten angestellt werden. Eine generelle Absage an PV-Anlagen gebe es, so Heitmann, nicht.

Die Zukunft

Die Herausforderung beim Netzausbau ist allerdings die Zukunftssicherheit. „Die Netze müssen intelligenter werden“, erklärt Heitmann. Optimalerweise müssten mit jeder neuen Stromtrasse auch Glasfaserkabel verlegt werden, um das Netz steuern und überwachen zu können. Doch auch das sei kein Problem, mit dem die Ruhrstadt alleine dasteht. Gleichzeitig verspricht der Stadtwerke-Chef: „Der Ausbau wird fortgesetzt werden, um das Netz aufnahmefähiger zu machen.“

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