Selbstverteidigung

Polizistin: Unholde per Trillerpfeife vertreiben

Petra Landwehr vom Kriminalkommissariat Vorbeugung und Opferschutz (links) und Fröndenbergs Gleichstellungsbeauftragte Birgit Mescher

Petra Landwehr vom Kriminalkommissariat Vorbeugung und Opferschutz (links) und Fröndenbergs Gleichstellungsbeauftragte Birgit Mescher

Foto: Silvia Rinke

Fröndenberg.   Die Berichte von Übergriffen haben Angst gemacht. Eine Polizistin gab in Fröndenberg Tipps zur Selbstverteidigung.

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Täter suchen Opfer, nicht Gegner: Regel 1. Regel 2: Täter hassen Lärm und Überraschungen. Mittel der Wahl sind also beispielsweise gellende Trillerpfeifen oder synthetisches Stinktieröl. „Egal wie – überraschen Sie den Angreifer. Und seien Sie laut!“, ermunterte Petra Landwehr die etwa 25 Frauen vor ihr, die nicht darauf warten wollen, Opfer zu werden und deshalb den Informationsabend „Frauen zeigen Stärke“ im Marien-Café in Haus Hubertia wahrhnahmen.

Angeboten von der Gleichstellungsbeauftragten und dem Kriminalkommissariat Vorbeugung. Als Reaktion auf die Silvesterübergriffe, die viele Frauen (aber auch Männer) enorm verunsichert haben. Bis zum 15. Januar wurden bei der Kreispolizei so viele Anträge für den kleinen Waffenschein gestellt wie im ganzen Jahr 2015. „Uns gefällt diese Entwicklung ganz und gar nicht“, macht Kommissarin Petra Landwehr deutlich.

Ist die Gefahr gefühlt, oder ist sie reell? Landwehr will nichts herunterspielen. „Ich kann die Sorgen nach diesen schlimmen Vorfällen verstehen. Ich kann aber auch versichern: Wir haben bei uns keine Steigerung bei sexuellen Übergriffen. 2014 hatten wir 28, 2015 waren es 24 – im ganzen Jahr. Klar, jeder Fall ist schlimm, aber die faktische Zahl der sexuellen Übergriffe und Überfälle ist nicht gestiegen. Das einzige, was mehr geworden ist, sind die Einbrüche.“

Wieso sind die Frauen heute Abend hier? Viele sagen es offen: Gruppen von Männern, jüngeren Männern machen ihnen Angst. „Wenn man im Dunkeln geht und eine Dreier- oder Vierergruppe kommt einem entgegen, kriegt man schon ein mulmiges Gefühl“, sagt eine ältere Dame. Eine andere, mittleres Alter, sagt deutlich: „Ich bin kein ängstlicher Typ. Aber mittlerweile überlege ich mir sehr genau, wohin ich wann noch gehe. Und dieser Fall in der Bahn...!“ Sie spricht von den vier Nordafrikanern, die vor drei Wochen abends im Zug nach Wickede einer 19-Jährigen das Handy raubten und sie mit sich auf den Bahnsteig rissen. Ein Ehepaar aus Wickede trieb die Sorge um ihre 15-jährige Tochter zur Beratung. „Unsere Tochter ist schon einige Male von Flüchtlingen in Wimbern blöd angequatscht worden“, sagt der Vater der 15-Jährigen offen.

Bei aller berechtigten Sorge: nicht in Panik geraten, schärft Petra Landwehr den Frauen ein. Wie setzt sich frau (und auch Mann natürlich) wirksam zur Wehr? Lärm ist immer gut. „Schreien Sie, so laut Sie können, blasen Sie in einen Trillerpfeife.“ Ist der Täter nah genug: Mit Leibeskräften in die Weichteile treten. „Bitte nicht so was hier!“, warnt die Kommissarin und hebt ein langes Messer. Pfefferspray? „Steht der Wind falsch, kriegen Sie die Ladung selbst ins Gesicht. Außerdem kann uns der Täter das Spray entwinden und es gegen uns selbst einsetzen.“ Viel besser: „Schauspielern Sie!“, ermuntert die Kommissarin, „machen Sie sich ruhig lächerlich!“ Aus dem Nähkästchen wahrer Fälle: Eine Frau gackerte vor ihrem Angreifer laut los wie ein Huhn und wackelte dabei mit den Armen, eine andere fiel vor dem Täter auf die Knie und betete lauthals Vaterunser in Endlosschleife. Petra Landwehr muss selbst bei der Vorstellung lachen: „Was glauben Sie, wie schnell der Täter abhaut, wenn Sie sich so aufführen. Der denkt, die Alte ist plemplem!“

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