Profanierung

Tränen in Warmen beim Abschied von Christ-König-Kirche

Diakon Michael Deimel, begleitet von zwei Messdienern, trägt das Allerheiligste aus der Kirche.

Diakon Michael Deimel, begleitet von zwei Messdienern, trägt das Allerheiligste aus der Kirche.

Foto: Jürgen Overkott

Warmen.   Der Weihbischof ist gekommen, das Gotteshaus so gut besucht wie lange nicht: Eine Gemeinde im Fröndenberger Osten nimmt Abschied.

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Am Ende fließen Tränen – und oft nicht mal verstohlen. Die Messe ist gelesen. Weihbischof Hubert Berenbrinker und Pfarrer Paul Mandelkow verabschieden Katholiken aus der Christ-König-Gemeinde, aber auch aus dem ganzen Pastoralverbund Fröndenberg. Sie sind gekommen, um sich von der Kirche, von ihrer Kirche zu verabschieden. Am Dienstagabend ist das Warmener Gotteshaus profaniert worden. Künftig dient es der sakralen Kunst.

Auch wenn sie während des Gottesdienstes in dem hellen, dezent mit Feldblumen-Schmuck dekorierten Kirchenschiff tapfer gewirkt haben – es hängt Melancholie, Abschied, ja Trauer in der Luft. Wie auch anders?

Die weiße Landmarke ist den Katholiken im Osten Fröndenbergs Heimat gewesen. Weihbischof Berenbrinker weiß das, und er spricht es aus – genauso wie Gemeindemitglied Ingrid Stemper. Für die Gläubigen ist die Christ-König-Kirche mit emotionalen Momenten verbunden: von der Taufe bis zur Totenmesse.

„Unsere Gefühle sind sehr zwiespältig“, sagt der Weihbischof. Tatsächlich ist die Kirche bei ihrer Einweihung 1935 eine politische Aussage. Adolf Hitler nennt sich Führer. Damals kann der NS-Diktator bestenfalls ahnen, dass sein Plan vom 1000-jährigen Reich gerade mal zwölf Jahre währt. Warmens Katholiken reagieren darauf, in dem das Gotteshaus in der neuen Siedlung demonstrativ Christ-König nennen. Lange bietet es seinen Gläubigen Schutz und Stärkung.

Gemeinde schrumpft

Doch zuletzt müssen die Gemeinde und das zuständige Erzbistum Paderborn auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren. Die Gemeinde schrumpft – und die Zahl der Gottesdienstbesucher. Die Kosten indes steigen. Schließlich bittet der Kirchenvorstand den Erzbischof um Profanierung. Als er zustimmt, ist klar: Die Kirche dienst ab sofort nur noch weltlichen Zwecken.

Die Profanierung ist mit einer Messe verbunden. Nach der Kommunion verliest der Weihbischof eine Profanierungsurkunde. Dann wird das Ewige Licht gelöscht. Schließlich trägt Diakon Michael Deimel, begleitet von zwei ernst dreinblickenden Messdienern, das Allerheiligste aus der Kirche. Die Schlussakkorde von Organist Alex Lück, der die Messe programmatisch mit dem Lied „Christkönig Halleluja“ begonnen hat, hallen lange nach.

Nach der Messe ist eine gesellige Runde im Pfarrheim angekündigt. So recht in Feier- oder doch wenigstens in Plauderstimmung ist kaum jemand auf dem Kirchvorplatz. Wie Hermann und Regina Menge, begleitet von Dominik Brambring und Ehefrau Annemarie. „Wir leben hier“, sagt Regina Menge knapp, „wir sind traurig.“ Manch einer, so heißt es in der Gemeinde, ist so traurig, dass sie oder er gar nicht erst zur Messe gekommen ist.

„Alles hat seine Zeit“: So hat der Weihbischof die Gemeinde zu trösten versucht. Ob die Kirche für immer ein Kunstraum bleibt, lässt er listig offen.

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