Musikalische Lesung

Ulla Meinecke und die Facetten der Liebe

Kein Abend mit Ulla Meinecke ohne Gesang. Ingo York begleitete die Sängerin in der Kulturschmiede.

Kein Abend mit Ulla Meinecke ohne Gesang. Ingo York begleitete die Sängerin in der Kulturschmiede.

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Fröndenberg.  Wer dem karnevalistischen Trubel entfliehen wollte, hatte dazu am Samstag die Chance in der Kulturschmiede in Fröndenberg. Die Sängerin und Autorin Ulla Meinecke gastierte dort mit einer musikalischen Lesung mit dem Titel „Ungerecht wie die Liebe“. Genauso heißt auch das dritte Buch der Sängerin, das 2010 auf den Markt kam. Darin behandelt Ulla Meinecke alle Facetten der Liebe, von der ersten großen bis zu deren Ende. Zwei Erzählungen trug sie vor, in deren Anschluss präsentierte sie eine Auswahl an Liedern.

Im Vorfeld hatte die Sängerin und Autorin sich erkundigt, ob sie wegen des Karnevals damit rechnen müsse, ihr Publikum säße mit Pappnasen vor ihr. „Der Berliner ist pappnasenmäßig ein bisschen verschrocken“, erklärte sie den Grund ihrer Nachfrage. Glücklicherweise saßen keine Jecken im Publikum.

In der ersten Erzählung „Mausolff und die Anderen“ geht es um ein verheiratetes Paar, das nicht merkt, dass es sich auseinander gelebt hat. Er, der erfolgreiche Steuerberater Thomas Mausolff, nimmt sich eine – natürlich jüngere- Geliebte – weil er seinem tristen Eheleben entkommen will. Er ist sich sicher, dass seine Frau nichts davon weiß. Aber wie das Leben so spielt, bekommt die Gattin alles heraus, verlässt ihn und stürzt sich ihrerseits in ein neues Leben. Nach dem ersten Schock ist der Betrüger dennoch davon überzeugt, sie zurückgewinnen zu können. Während eine alte Liebe zerbricht, entsteht genau im selben Moment anderswo eine Neue. Vielleicht ist die Liebe ja doch gar nicht so ungerecht.

Bittersüß und nachdenklich

Die Erzählungen sind bittersüß, zeitweise sogar lustig, aber sie stimmen auch nachdenklich. Das Publikum in der ausverkauften Kulturschmiede hing gebannt an Ulla Meineckes Lippen, auch während der Musikpassagen. Gemeinsam mit dem Musiker Ingo York nahm sich die Berlinerin auch gesanglich der Liebe an. Meinecke, die im vergangenen Jahr 60 wurde, nervt der Jugendwahn. Botox, Lifting, chemisches Peeling und so weiter, „das ist einen milliardenschwere Industrie. Aber das Beste ist, dass es nichts nützt. Anti-Aging ist ungefähr so hilfreich wie eine Katzenklappe auf einem U-Boot“, sagte sie, bevor sie mit dem fetzigen Song „Ich bin zu alt“ ihre kleine Ansprache zusätzlich unterstrich.

Die selbst ernannte „Hardcore-Romantikerin“ hat stets einen nüchternen, wenn auch ironischen Blick auf das Leben. Das macht ihre Texte so klar, so real. Die Zuschauer waren hingerissen und applaudierten minutenlang. Die Flucht vor dem Karneval hätte wohl kaum angenehmer sein können.

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