Fahrerflucht-Urteil

Urteil: 80-Jährige bestreitet Fahrerflucht vor Amtsgericht

Die 80-Jährige musste sich vor dem Amtsgericht in Unna verantworten.

Die 80-Jährige musste sich vor dem Amtsgericht in Unna verantworten.

Foto: Stefan Meinhardt

Ardey/Unna.  Seniorin vom Amtsrichter wegen Fahrerflucht zu Geldstrafe und Führerscheinentzug verurteilt. Zeugen verfolgten Rentnerin bis in die Innenstadt.

Uneinsichtig bis zum Schluss: Eine 80-jährige Rentnerin ist vom Amtsgericht Unna wegen Unfallflucht in Ardey zu einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro verurteilt worden. Bis zum Schluss hatte die Frau behauptet, die anderen Beteiligten wären vorher von der Unfallstelle geflüchtet.

„Das kann doch nicht wahr sein!“, kommentierte die Rentnerin, die in Unna wohnt, kopfschüttelnd den Urteilsspruch von Amtsrichter Granseuer. Dieser machte deutlich, dass er keinen Grund habe, an den Aussagen der drei gehörten Zeugen zu zweifeln. Diese hatten Folgendes ausgesagt: An einem Nachmittag im März fuhr die 80-Jährige mit ihrem Pkw durch Ardey in Richtung Fröndenberg. In der Kurve auf Höhe der Neuen Mitte kam sie von ihrer eigenen Fahrspur ab und streifte einen ihr entgegen kommenden Bulli. Schaden an dem Wagen: gut 2500 Euro.

Polizei alarmieren

Beide Unfallbeteiligten hielten zunächst an, jeweils ein Stück weiter die Straße entlang und damit einige Meter voneinander entfernt. Dann aber stieg die Rentnerin wieder in den Wagen und brauste weiter in Richtung Fröndenberg. „Obwohl wir die Sachen klären und die Polizei rufen wollten. Und wir haben uns für sie ganz deutlich bemerkbar gemacht, wie ein HB-Männchen quasi“, berichtete die Zeugin, die als Beifahrerin im Bulli gesessen hatte.

Ein großer roter Bulli sei schließlich kein unscheinbares Fahrzeug. Diese Aussage bestätigten auch der Partner der 33-Jährigen, der Fahrer des Bullis war, sowie eine unbeteiligte Zeugin, die sich zum Zeitpunkt in der Nähe aufhielt.

Hupe und Lichthupe

Diese Frau war es auch, die der 80-Jährigen bis in die Fröndenberger Innenstadt nachfuhr, während die anderen beiden bis zum Eintreffen der Polizei am Unfallort blieben. Erst kurz vor der Ruhrbrücke in Richtung Menden konnte die Zeugin, nach mehrfachem Hupen und Lichthupen, die Seniorin zur Rede stellen.

Die Unfallverursacherin aber blieb damals wie heute bei ihrer Aussage, die mutmaßlich Geschädigten seien schon kurz nach dem Unfall weggefahren. Und zwar so schnell, dass sie gar nicht hätte hinterher fahren können. „An der Stelle war keine Menschenseele mehr“, wiederholte die 80-Jährige mehrfach. Deshalb habe sie auch zur Fröndenberger Polizei fahren und die Sache melden wollen.

Aber: Um zur Polizei in Fröndenberg zu kommen, hätte sie bereits an der Kreuzung am Bahnhof links abbiegen müssen und wäre nicht – wie geschehen – weiter in Richtung Ruhrbrücke gefahren. So jedenfalls sah es Richter Granseier, der den drei Zeugen glaubte.

Seit mehr als 50 Jahren unfallfrei

Besonders die unbeteiligte Zeugin habe überhaupt keinen erkennbaren Grund, vor Gericht zu lügen. Die Behauptung der Angeklagten, dass sich diese Zeugin und das Paar aus dem beschädigten Auto schon vorher gekannt und das Vorgehen vor Gericht abgesprochen hätten, entbehre jeder Grundlage, sagte Granseuer.

Das Urteil für die Rentnerin, die darauf verwies, seit über 50 Jahren unfallfrei und ohne Vergehen Auto zu fahren: 600 Euro Geldstrafe wegen Fahrerflucht. Außerdem muss sie für zehn Monate auf den Führerschein verzichten.

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