POLITIK

Wie sich Ex-Abgeordneter Hüppe neu erfindet

US-Austauschschülerin Alyssia Rei Brieck mit dem ehemaligen MdB Hubert Hüppe  und ihren Gasteltern Georg und Doris und Georg Ostermann in Warmen (von links).

US-Austauschschülerin Alyssia Rei Brieck mit dem ehemaligen MdB Hubert Hüppe und ihren Gasteltern Georg und Doris und Georg Ostermann in Warmen (von links).

Foto: Alexander Lück

Fröndenberg/Werne.   Der langjährige Abgeordnete Hubert Hüppe (CDU) flog aus dem Bundestag. Wie geht es ihm? Was macht er jetzt?

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Mit der Bundestagswahl am 24. September vorigen Jahres ging für Hubert Hüppe eine Ära zu Ende. Der langjährige CDU-Abgeordnete für den Kreis Unna hatte den Wiedereinzug ins Parlament knapp verpasst. Jetzt, drei Monate später, stellt sich die Frage: Wie geht es dem Polit-Profi? Und vor allem: Wie geht es weiter? Die WP erreichte den 61-Jährigen telefonisch daheim in Werne.

Er weicht nicht aus

Rückblende. Hubert Hüppe hatte am Wahlabend zwei Städte – nämlich Fröndenberg und Holzwickede – gewonnen, den Wahlkreis indes erwartungsgemäß verloren. Und schnell war Hüppe klar, dass ihn sein Listenplatz nicht absichern würde. Was ging ihm damals durch den Kopf? Hüppe weicht nicht aus. Er bekennt: „Ich war schon enttäuscht.“

Seine Lieblingsaufgabe

Zugleich wirkte Hüppe bereits am Wahlabend im WP-Gespräch bemerkenswert gelassen. Warum? „Ich habe in meinem politischen Leben viel Glück gehabt. Das fing schon bei meinem ersten Einzug ins Parlament an.“ Selbst als Hüppe 2009 aus dem Bundestag gewählt wurde, fiel er weich: „Ich wurde Behindertenbeauftragter. Das war meine Lieblingsaufgabe. Das war politisch meine intensivste und auch meine schönste Zeit“, bekennt der Mann, dessen berufliche Laufbahn beim Jugendamt in Lünen startete. „Und deshalb kann ich meinem Schicksal nicht besonders böse sein, wenn es mal nicht klappt.“

Er lacht selbstironisch auf

Tatsache ist aber auch, dass das Ergebnis der jüngsten Bundestagswahl für Hüppe einen Lebenseinschnitt markierte. „Ich weiß noch nicht genau, wie es bei mir weitergeht. Im Moment bin erst mal im Vorruhestand.“ Er kommentiert seinen Satz mit kleinem selbstironischen Auflachen.

Erst mal Urlaub

„Ich habe erst mal Urlaub gemacht. Ich bin zum ersten Mal nicht mehr auf die Ferien angewiesen und habe gemerkt, dass man da gut Urlaub machen kann, zu günstigen Preisen.“ Der Abgeordnete a.D. nutzte die Aus-Zeit auch, um Zeit mit seinem jüngsten Sohn zu verbringen. Der Familie kam Hüppes neue Hoheit über seinen Terminkalender auch in anderer Hinsicht zu gute: „Ich hatte Weihnachten zum ersten Mal rechtzeitig alle Geschenke zusammen. Ich wusste zwar früher aus, was ich verschenke. Aber meistens kam ich erst einen Tag vor Weihnachten zum Kaufen. Jetzt habe ich alles ganz ruhig und gelassen erledigt. Mein neues Leben hat auch Vorteile.“

Zugleich betont er, dass er keine Langeweile kenne. „Ich muss jetzt alles selber machen – ich kann jetzt nicht mehr mein Büro beauftragen.“ Dabei hat Hüppe „noch jede Menge Ehrenämter“. Der Ex-Parlamentarier weiter: „Ich bin, beispielsweise, bei Special Olympics wiedergewählt worden, als Vize-Präsident. Mal gucken, was noch auf mich zukommt. Ich gehe jetzt erst mal ins Kloster.“

Der Junior in der Senioren-Union

Hüppe trägt’s wie einen Scherz vor. Aber ihm ist es ernst. „Einmal im Jahr“, berichtet der Christdemokrat, „erhalte ich eine Einladung des Zentralkommitees Deutscher Katholiken, aber bisher habe ich sie nicht wahrgenommen. Das ist jetzt das erste Mal. Ich bin vier Tage im Kloster und mache da alles mit, alle fünf Gebete, das erste morgens um fünf Uhr. Dann habe ich sicher viel Zeit zum Nachdenken.“

Dennoch hat Hüppe mit seinem politischen Leben nicht ganz abgeschlossen. Als Sachkundiger Bürger ist er auf Kreis-Ebene tätig. Obendrein ließ sich der immer noch im Altherren-Umfeld aktive Hobby-Kicker in den Vorstand der Senioren-Union wählen – auch wenn er weiß, dass er den Altersschnitt der Sektion mit zarten 61 dramatisch senkt. „Ich will nicht mehr den 30-Jährigen spielen“, sagt Hüppe ernsthaft, „der bin ich einfach nicht mehr.“

Ein Blick nach vorn

Aber für den klassischen Altenteil der Politik fühlt er sich zu jung. „Vielleicht ergibt sich ja noch was für mich.“ Dabei legt er Wert auf die Feststellung, dass er nicht jeden beliebigen Job übernehmen würde, bloß um in der Bundeshauptstadt zu bleiben. „Ich würde nichts machen, wenn nicht Herzblut dabei wäre. Das wäre nicht mein Ding.“

Ob Hüppe erneut als Behindertenbeauftragter antreten würde? Spontane Antwort: „Ja klar, das kann ich. Da konnte ich schon früher einiges zum Guten verändern.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben