Medizingeschichte

Als Magengeschwüre in Horst mit Rollkuren bekämpft wurden

Das Stethoskop bewahrt Dr. Herward Callsen noch in seinem Schreibtisch auf. Als Arzt aber setzte er auch auf moderne Diagnostik, baute diese in „seinem“ Haus in Gelsenkirchen aus.

Das Stethoskop bewahrt Dr. Herward Callsen noch in seinem Schreibtisch auf. Als Arzt aber setzte er auch auf moderne Diagnostik, baute diese in „seinem“ Haus in Gelsenkirchen aus.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Horst.  Fortbildung, Spezialisierung, Modernisierung: Dr. Herward Callsen erinnert an die Anfänge seiner Arbeit am St. Josef Hospital in Gelsenkirchen.

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Dr. Herward Callsen (86) war seiner Zeit immer gern ein wenig voraus. Der Internist arbeitete 30 Jahre lang am St. Josef Hospital in Horst, war Chefarzt der Klinik für Innere Medizin. Und arbeitete beharrlich daran, Spezialisierungen in seinem Bereich voran zu treiben. Fortbildung war für ihn ein großes Thema – er war in Gelsenkirchen Pionier auf dem Gebiet. Gestartet war der Münsteraner in Gelsenkirchen als Oberarzt 1968. Schon 1972 wurde er als Chefarzt Nachfolger von Dr. Brisgen, 1975 Ärztlicher Direktor – obwohl er eigentlich die falsche Konfession für das katholische Haus hatte.

Weder Anästhesie noch Röntgen waren eigene Disziplinen

In den Bereich der Inneren fiel so ziemlich alles. Weder Anästhesie noch Röntgen waren eigene Disziplinen, ebensowenig die Kardiologie. „Aber je weiter die Medizin voranschritt, desto mehr erforderte sie doch Spezialisierung. Das gilt auch heute noch“, erklärt Callsen im Rückblick sein Engagement. In den ersten Jahren röntgte Callsen Patienten noch selbst – bis 1975. Er stritt für den Aufbau einer Radiologie an seiner Klinik, die mit vielen Kosten und Umbauten verbunden war – und setzte sie durch. In Horst gab es bald die erste Radiologie mit Kobaltbestrahlungen – die die Bezirksregierung eigentlich an den Evangelischen Kliniken ansiedeln wollte, wie er sich heute noch mit schelmischem Stolz erinnert.

Regelmäßige Besuche beim Endoskopie-Papst

In Grenzen hielten sich in seinen Anfangstagen auch noch die Therapiemöglichkeiten bei Magen-Darm-Erkrankungen. Magengeschwüre wurden mit Rollkuren behandelt – dabei wurde der Patient im Bett tatsächlich gedreht (gerollt) – damit die Medizin sich verteilte. 1973 begann die Endoskopie mehr Erkenntnisse über Erkrankungen in dem Bereich zu liefern. „Den Endoskopie-Papst in Erlangen hab ich jedes Jahr besucht, um zu wissen, was es Neues gibt“, so Callsen. Und um zu wissen, welche modernen Geräte für den Einsatz in seinem Haus geeignet sind. „Die Endoskopie war ein echter Gewinn, auch für alte Menschen, die nicht mehr operiert werden können.“

Budgetierung sollte einst die Zahl der Eingriffe begrenzen

Auch die Kardiologie entwickelte sich erst in seinen Anfangsjahren an der Klinik als eigenständige Disziplin, später kooperierte man im Bereich Echo-Kardiographie mit Professor Blanke am Marienhospital Gelsenkirchen. Schon damals gab es Budgetierungen von Krankenhäusern: Doch meinte man damals im Gegensatz zu heute damit, dass die Zahl bestimmter komplizierter Eingriffe begrenzt werden sollte. Was sich bei Bedarf auch mal umgehen ließ…

Schon früh für Gladbeck als Partner plädiert

Aus Callsens Zeit als Chefarzt stammte auch die internistische Intensivstation im Haus, die eine optimale Versorgung Schwerkranker etwa nach Herzinfarkten sichern sollte. Er habe auch die Einrichtung einer Onkologie im St. Josef Hospital erstritten, betont Callsen. Bei all diesen Themen beschnitt der Chefarzt bewusst den eigenen Fachbereich im Hause, um eine Fachabteilung aufzubauen, die modernen Erfordernissen gerecht wird. Nur als es um eine Kooperation mit dem Marienhospital Buer ging, weigerte sich Callsen. Er plädierte für Gladbeck als Partner – und stritt erfolgreich für den Erhalt des (ertragreichen) Labors an seiner Klinik. 1998 wechselte er in den Ruhestand – um seine schwer erkrankte Frau pflegen zu können.

Dass er in Horst so bekannt ist, liegt allerdings nicht nur an seinem Wirken als Chefarzt. Vielmehr begleitete der Vater von drei Töchtern und langjährige Elternsprecher am Leibnizgymnasium 20 Jahre lang alle Skifahrten der Schule nach Willingen – von der ersten Klasse der ersten Tochter bis zum Abitur der dritten.

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