Internationaler Gedenktag

20 Gelsenkirchener starben an Folgen ihrer Drogensucht

Viele Teilnehmer der Gedenkfeier hatten ihre Trauer in ein kreatives Erinnerungsobjekt umgesetzt.

Viele Teilnehmer der Gedenkfeier hatten ihre Trauer in ein kreatives Erinnerungsobjekt umgesetzt.

Foto: foto: arzt mobil

Gelsenkirchen.  Stadt, Ordnungshüter, Politiker, Arzt Mobil und Caritas sowie Drogenabhängige gedachten in Gelsenkirchen der 20 Drogentoten seit 2018. Gemeinsam.

Zum Gedenktag für die Drogentoten luden der Arzt Mobil e.V. und der Caritasverband Gelsenkirchen am Freitagmittag vor der Propsteikirche St. Augustinus ein. Gemeinsam mit Repräsentanten der Stadt – unter anderem Sozialdezernent Luidger Wolterhoff –, der Politik, der Polizei, des Ordnungsdienstes und Freunden und Wegbegleitern der Verstorbenen gedachte die Versammlung in einer feierlichen Zeremonie jener 20 Gelsenkirchener und Gelsenkirchenerinnen, die seit dem Juni 2018 an Drogen beziehungsweise Folgeerkrankungen verstorben sind.

Hölzerner Gedenkbaum trägt an den Ästen die Namen der Verstorbenen

Pfarrer Ingo Mattauch und Musiker Norbert Labatzki sowie Helfer von „Warm durch die Nacht“ unterstützten die Veranstaltung. Labatzki begleitet die Veranstaltung seit deren Premiere vor sechs Jahren. Er hatte auch die Spendengala „Straßenfeuer“ ins Leben gerufen, deren Erlöse ebenfalls Obdachlosen, aber auch Suchtmittelabhängigen in der Stadt zugute kommen, Pfarrer Mattauch ist ebenfalls von Beginn an dabei. Verschiedene kreative Beiträge von Mitwirkenden an der Gedenkfeier befassten sich mit dem Thema „verwurzelt“. An zentraler Stelle dabei: Der hölzerne Gedenkbaum, der die Namen der Verstorbenen trägt. Wobei das Motto des Gedächtnisses noch einen anderen Fokus hat: „Das schönste Denkmal, was ein Mensch bekommen kann, steht im Herzen der Mitmenschen.“

Drogenabhängige leben dank Substitution heute oft länger

Bei dem Totengedächtnis floss manche Träne, auch die Mitarbeiter der Hilfsorganisationen begleiten die Abhängigen oft über Jahre. Etwa 650 Menschen erhalten in Gelsenkirchen etwa einen medizinisch kontrollierten Ersatz für Heroin, 450 davon leben auch in Gelsenkirchen. Karin Schneider, die geschäftsführende Leiterin von Arzt Mobil, ist froh, dass sich die Situation in Gelsenkirchen entspannt hat. „Hier bei unserer Feier vermischen sich Politiker, drogenabhängige Menschen, Bürger und auch Ordnungskräfte, gedenken gemeinsam. Gegenseitige Wertschätzung steht im Vordergrund. Das war vor zehn Jahren ganz anders.“

Zwei Menschen starben seit Juni 2018 an einer Überdosis

Dank der unterstützenden Arbeit der Streetworker und des Arztmobils und der Substitution werden die Drogenabhängigen mittlerweile oft auch älter, versterben später, meist an Folgeerkrankungen des früheren Drogenkonsums. Von den 20 Verstorbenen im vergangenen Jahr starben zwei allerdings an einer Überdosis.

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