Lehrermangel

77 von 139 Lehrerstellen bleiben in Gelsenkirchen unbesetzt

Die Schulleiterin der Grundschule Schloß Horst, Renate Jurgawka, wechselte in diesem Jahr in den Ruhestand. Vor allem im Grundschulbereich können frei werdende Stellen kaum noch besetzt werden, zudem steigt die Kinderzahl stetig.

Die Schulleiterin der Grundschule Schloß Horst, Renate Jurgawka, wechselte in diesem Jahr in den Ruhestand. Vor allem im Grundschulbereich können frei werdende Stellen kaum noch besetzt werden, zudem steigt die Kinderzahl stetig.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   139 Lehrerstellen waren zum Mai für Gelsenkirchener Schulen ausgeschrieben. Weniger als jede zweite ist besetzt, nur Gymnasien können aufatmen.

Von 139 ausgeschriebenen Lehrerstellen für Gelsenkirchen konnten bis Mitte Mai laut Bezirksregierung Münster 62 besetzt werden. Damit blieben 77, mehr als jede zweite Stelle, unbesetzt. Für Grundschulen wurden gar nur 28,8 Prozent besetzt, 17 von 59 ausgeschriebenen Stellen.

Allerdings laufen im Bereich der Grundschulen noch einige Verfahren, wie Bildungsreferatsleiter Klaus Rostek auf WAZ-Nachfrage erklärte. Im Februar bei der ersten Ausschreibungsrunde war sogar nur jede vierte in Gelsenkirchen ausgeschriebene Lehrerstelle besetzt worden. Im April haben jedoch neue Referendare ihren Abschluss gemacht, weshalb der Mai und später der November als zweiter Examenstermin für Referendare in der Regel die erfolgversprechendsten Einstellungsmonate sind.

Sekundarschule und Gymnasien sind besser dran

Am besten ist die Situation weiterhin an der Sekundarschule, wo die einzige Stelle besetzt werden kann, und an Gymnasien. Nur eine von acht Stellen ist hier noch nicht besetzt, an Gesamtschulen und Förderschulen fehlen noch sieben, an Realschulen acht, an Hauptschulen vier und an Berufskollegs acht.

Bei all diesen Zahlen sind laut Bezirksregierungssprecher Andreas Winnemöller die zusätzlichen Kräfte für Talentschulen bereits eingerechnet. Nachbesetzungen seien allerdings durchaus möglich.

Der Besetzungsquote von 44,60 Prozent in Gelsenkirchen stehen bezirksweit 55,12 Prozent gegenüber – auch anderswo bleibt es also schwierig. Allerdings gibt es gravierende Unterschiede vor allem bei den Grundschulen, wo bezirksweit immerhin 41,3 Prozent besetzt werden konnten, im Kreis Warendorf gar 59 Prozent. Ohnehin fanden sich dort für 70 Prozent aller Stellen geeignete Bewerber. Schlechter als in Gelsenkirchen ist die Einstellungsquote nur für Bottrop mit 35,7 Prozent.

Forderung: Landesbeamte in betroffene Städte senden

Bildungsdezernentin Annette Berg dazu: „Es müssen dringend Konzepte entwickelt werden, die sicherstellen, dass in NRW in allen Kommunen gleiche Bildungs- und Lebensbedingungen hergestellt und Zukunftsperspektiven für alle gegeben sind! Eine optimale Lehrerversorgung ist hierbei unerlässlich! Man stellt sich die Frage, warum es nicht möglich ist, Landesbeamte in die besonders zu fördernden Städte zu versetzen.“

>>>Kommentar: Gerechter verteilen und bezahlen

Die Gelsenkirchener Bilanz der aktuellen Einstellungsrunde für Lehrer ist verheerend. Natürlich kann ein Land keine Lehrer „backen“, es sind überall zu wenige. Es hilft auch nicht, sich im Nachhinein festzubeißen in „hätte man früher. . .“-Sätze. Klar ist: Das Land hätte früher mehr Studienplätze für Pädagogen schaffen müssen.

Dem Mangel vor allem an Grundschullehrern könnte man gegensteuern, wenn Lehrer an Grundschulen das Gleiche verdienten wie an Gymnasien. Den Gesamtschulen könnte helfen, wenn sie ohne Beschränkung Sek-II-Lehrer einstellen dürften. Vor allem aber müssen Lehrer landesweit gerechter verteilt werden. Zur Not auch mit Zuweisungen.

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