Attacken

Gewalt: Acht Übergriffe auf Gelsenkirchener Lehrer in 2018

Die Gelsenkirchener Polizei registrierte im Vorjahr acht Fälle von Gewalt gegen Lehrkräfte (Symbolbild).

Die Gelsenkirchener Polizei registrierte im Vorjahr acht Fälle von Gewalt gegen Lehrkräfte (Symbolbild).

Foto: Oliver Berg / dpa

Gelsenkirchen.  Gewalt gegen Lehrer ist auch in Gelsenkirchen ein Thema. Die Zahl der Fälle hat um 14 Prozent zugenommen und folgt damit fast dem Landestrend.

Attacken gegen Respektspersonen sind keine Seltenheit mehr. Polizei und Feuerwehr haben diese Erfahrung mittlerweile zu Genüge gemacht. Lehrer sehen sich ebenso immer mehr Übergriffen ausgesetzt. 2018 wurden 500 Lehrkräfte in NRW Opfer körperlicher oder psychischer Gewalt. Erst Anfang Oktober sorgte ein Fall aus dem Ruhrgebiet für Aufsehen: Ein 14-Jähriger verletzte den kommissarischen Leiter einer Duisburger Hauptschule so schwer, dass der Pädagoge im Krankenhaus behandelt werden musste.

435 registrierte Fälle hat es 2018 in NRW gegeben, bei denen 500 Lehrkräfte Opfer von Gewalt wurden, darunter sind 263 Körperverletzungsdelikte zu finden. Ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zu 2016. Die Redaktion fragt daher: Wie sieht die Situation in Gelsenkirchen aus?

Acht Fälle aus Gelsenkirchen bekannt

„Uns sind im vergangenen Jahr acht Fälle von Gewalt gegen Lehrer in Gelsenkirchen bekannt geworden“, sagt Polizeisprecher Christopher Grauwinkel. Sie teilen sich in diese Formen von Gewalt auf: zwei Körperverletzungen, fünf Bedrohungen und eine Nötigung. Im Vorjahr sind halb so viele Lehrkräfte attackiert worden (siehe Grafik), seinerzeit überwog die Zahl der Körperverletzung mit drei Fällen bei einer Nötigung.

Für einen adäquaten Vergleich mit den eingangs erwähnten Zahlen des Landeskriminalamtes, muss man das Jahr 2016 hinzu ziehen. In dem Jahr registrierte die Gelsenkirchener Polizei sieben Übergriffe auf Lehrkräfte, darunter waren fünf Körperverletzungen und zwei Bedrohungen. Ein Anstieg von 14 Prozent – in etwa deckungsgleich mit der Entwicklung in NRW. Bei welcher Schulform es besonders häufig zu Gewalt gegen Respektspersonen kommt, konnten LKA und Landespolizei nicht beantworten, weil das in ihren Statistiken „nicht erfasst wird“.

Umfrage: Jeder vierte Schule bejahte Fälle von körperlicher Gewalt gegen Lehrer

Eine vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) 2018 bundesweit in Auftrag gegebene Umfrage unter 1200 Schulleitern förderte dazu das zu Tage: Jede vierte Schulleitung bejahte Fälle von körperlicher Gewalt gegen Lehrer, bei psychischer Gewalt (Bedrohung, Nötigung etc.) war es fast die Hälfte.

Die Attacken gegen Lehrkräfte haben dazu geführt, dass NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) einen „Aktionsplan gegen Diskriminierung und Gewalt ins Leben“ gerufen hat. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW begrüßt den Vorstoß, übt aber auch gleichzeitig Kritik. „Unverständlich ist, wieso keine zusätzlichen Stellen für die Schulsozialarbeit geschaffen werden. Hier muss nachgebessert werden“, verlangte die stellvertretende Landesvorsitzende Maike Finnern. Ihre Forderung: 100 zusätzliche Schulpsychologen. Auch regt Finnern eine rund um die Uhr erreichbare „Telefon-Hotline für ratsuchende Lehrkräfte“ an.

Bezirksregierung meldet „Dienstunfälle“

Die GEW Gelsenkirchen ließ die Anfrage dieser Redaktion unbeantwortet, dafür äußerte sich die Bezirksregierung Münster (BZM), die zwar auch keine explizite Statistik zu Gewalt gegen Lehrer führt, dafür aber über den Umweg Dienstunfälle eine Aussage zu dem Thema machen kann. „14 anerkannte Dienstunfälle 2016 und neun anerkannte Dienstunfälle für 2017 im Zusammenhang mit körperlicher Gewalt durch Schüler haben wir ermittelt. Diese Zahlen gelten für den gesamten Regierungsbezirk Münster“, sagte BZM-Sprecherin Ulla Lütkehermölle.

Eine etwas ältere Befragung im Auftrag der Bezirksregierung zu Gewalt gegen Lehrer aus 2013 zeichnet folgendes Bild: Die körperliche Gewalt bewegte sich in einem Spektrum von acht Fällen an Berufskollegs im gesamten Regierungsbezirk Münster bis zu 37 Fällen an Förderschulen. Verbale Gewalt gegen Lehrer übertraf diese Zahlen deutlich, hier belegten Gymnasien mit 24 Fällen den unteren Schwellwert und Hauptschulen mit 57 Fällen den oberen. Auffällig: Vor allem Lehrkräfte an Förderschulen, gefolgt von Haupt- und Grundschulen sind Opfer körperlicher Gewalt. Das korrespondiert mit der jüngsten Umfrage der VBE, wonach verbale Angriffe besonders an Haupt-, Real- und Gesamtschulen verbreitet sind. Und körperliche Delikte an Grundschulen präsenter sind als an weiterführenden Schulen.

Broschüre als Wegweiser für Lehrer im Umgang mit Konflikten

Die Schulen reagieren laut Bezirksregierung auf gewaltsame Übergriffe von Schülerinnen und Schülern „mit erzieherischen und Ordnungsmaßnahmen und die Schulaufsicht macht von ihrem Strafantragsrecht bei Beleidigungen und/oder Körperverletzungen, die sich gegen Lehrkräfte richten, Gebrauch.“ Das Gespräch zwischen allen Beteiligten als Grundlage, reichen die Maßnahmen von der Überweisung in eine andere Klasse über den Ausschluss vom Unterricht bis hin zum Verweis von allen öffentlichen Schulen des Landes und einem Strafprozess.

„Den Schulen kann die Bezirksregierung Münster zudem Schulsicherheitstrainings, den Lehrergesundheitstag 2019 zum Thema „Individuelle Beratung“ und bei Nachfrage die Hilfe der Schulpsychologie anbieten“, führt Ulla Lütkehermölle weiter aus. Parallel dazu hat die Bezirksregierung eine mit 56 Seiten üppig und detailreich ausgefallene Broschüre „Konflikte bearbeiten – Mobbing verhindern“ entwickelt, die unter anderem anhand von Fallbeispielen Wege aus der Gewaltspirale aufzeigt - sowohl aus persönlicher Ebene, als auch auf Schul- und Schulaufsichtsebene.

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