Neues Format

Auch das Scheitern wird zu einer ganz eigenen Kultur

Ein Familienunternehmen setzt auf einen Auftrag von 30 Millionen Euro, und wird nur Zweiter im Angebotsverfahren. Geschäftsführer Christopher Schäfer berichtet von der Aufarbeitung, auf dem Sofa Moderator Gunnar Terrare. Foto:Olaf Ziegler

Ein Familienunternehmen setzt auf einen Auftrag von 30 Millionen Euro, und wird nur Zweiter im Angebotsverfahren. Geschäftsführer Christopher Schäfer berichtet von der Aufarbeitung, auf dem Sofa Moderator Gunnar Terrare. Foto:Olaf Ziegler

Horst.   Wer den Begriff nicht scheut, erlebt bei der „FuckUp“-Night in der vollbesetzten Kaue Beispiele für unternehmerische Rückschläge. Globale Reihe.

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Erst einmal schleicht sich das Gefühl ein, bei einem Seminar zu sein, wie es das Privatfernsehen vor Urzeiten verbreitete. Aber wie bei „Shakaaa! Du schaffst das!“, Motivation per Lebenshilfe, ist es eben doch nicht bei der „Fuck Up“-Night. Immerhin ist die Kaue an diesem Abend rappelvoll, trotz der Wärme, die im Saal auch noch zunimmt.

Das Wissen der Anderen ist gefragt

Bis zu 600 Gäste kommen zu diesen Events, erfährt der neugierige Neuling, die Bewegung begann in Mexiko und verbreitet sich auch im Ruhrgebiet. Der Kern: Das Scheitern. Die Atmosphäre ist dabei keineswegs gedrückt. Wer hier nur Versager erwartet, liegt falsch. Die Energie ist spürbar, der Ton locker, als ob man sich schon lange kennt - oder zumindest die selbe Sprache spricht. Auch wenn das das leidige „Business-English“ ist, und selten von Gründern, meistens von „Start Ups“, die Rede ist.

Aber schnell wird aus dem „Über etwas reden“ das Reden miteinander, weil der Hintergrund der gleiche ist. Die vier „Speaker“ (englisch für Sprecher) stellen sich jeweils mit ihrem „Fail“ (englisch für Scheitern) vor und werden anschließend gnadenlos vom Publikum gelöchert.

Ausmaß des Scheiterns teils absurd

Dabei kommen auch Fragen wie: „In welchem Jahrhundert war das denn?“ oder „Wie kann man denn so naiv sein?“ aus dem Publikum. Sie sorgen für Heiterkeit, sind aber an diesem Abend nicht unangebracht. Und sie werden ehrlich beantwortet. Die Dimensionen des Scheiterns sorgen bei den angehenden Jungunternehmern, Kreativen, Studenten oder eben Gründern nach den ersten Schritten in der Marktwirtschaft für andächtiges Schweigen.

So umriss etwa Christopher Schäfer, Geschäftsführer eines 120 Jahre alten Familienunternehmens, wie ein in den Sand gesetzter Auftrag anschließend als regelrechtes Projekt rein firmenintern aufgearbeitet werden kann. Dem Unternehmen war es nicht gelungen, den Zuschlag für einen Auftrag zu bekommen. Grund: Die falsche Auffassung des Begriffs „best price“. So entgingen der Firma 30 Millionen Euro.

Fehleranalyse inklusive

Nach eingehender Fehleranalyse wurden die Strategien neu ausgerichtet. Und das, ohne Mitarbeiter zu entlassen. Vor dem Nichts stand dagegen Angel Martinez, dem bei einer lang erwarteten Zusammenkunft sein Geschäftspartner schlicht sagte: „Du bist raus“. Denn es gab nur diesen einen Partner. „Sechsstellige monatliche Verbindlichkeiten“, die eindringliche Schilderung des aufstrebenden Unternehmers traf.

Allen „Entrepreneuren“ gleich ist, dass sie aus ihre Fehlern gelernt haben und aus den Tälern der Rückschläge wieder herausgekommen sind. Die Erkenntnis der Macher hinter den „Nights“: Scheitern scheint also irgendwie mit dem Erfolg in Zusammenhang zu stehen. Das Abendformat wurde zum Erfahrungsaustausch für Geschäftsleute importiert und dient auch als Kontaktbörse zu Handelskammern, Wirtschaftsförderern und anderen Start Ups.

>>Info: Auch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner war schon als Top-Speaker auf der Fuckup-Bühne. Er erzählte damals von seinem Start-up-Fail in der New Economy.

Bei dem Event haben die Speaker sieben Minuten Zeit und dürfen bis zu zehn Bilder für ihre Geschichte nutzen. Frage/Antwort-Session schließt sich an.

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