Ultras

Berüchtigte Ultras – das sind die Schalker „Hugos“

Spruchbänder reichen ihnen nicht. 2012 protestierten die Schalker „Hugos“ mit einer gefährlichen Pyro-Aktion gegen Stadionverbote.

Spruchbänder reichen ihnen nicht. 2012 protestierten die Schalker „Hugos“ mit einer gefährlichen Pyro-Aktion gegen Stadionverbote.

Foto: Sebastian Konopka/FUNKE Foto Services (Archiv)

Gelsenkirchen.   Drei mutmaßliche Schalker „Hugos“ werden nach der Attacke auf einen Briten angeklagt. Immer wieder fällt die Ultra-Gruppierung negativ auf.

Im Norden Gelsenkirchens stand einst die Zeche Hugo. Während das Areal Spaziergängern und Joggern heute vor allem als Naherholungsgebiet mit Ruhrpott-Romantik dient, gerät der Name der Zeche immer wieder in die Schlagzeilen. Denn nach Hugo hat sich vor Jahren auch die Ultragruppe benannt, die im Block K in der Schalker Nordkurve „ihr Revier“ bezogen hat.

Seit jeher feuern weit über 100 – zumeist in dunkler Sportkleidung oder in „Hugos“-Pullovern gekleidete junge Männer und einige Frauen – die Schalker Mannschaft von dort aus an. Die untere Ecke zwischen Nordkurve und Gegengerade gehört ihnen – den Hugos.

Immer wieder brutale Übergriffe

Während sich die Gruppe selbst der Ultra-Bewegung angehörig fühlt, deren eigentlicher Sinn und Zweck der „bedingungslose Support“ der Mannschaft ist, verschwimmen für den objektiven Zuschauer mehr und mehr die Grenzen zum Hooliganismus – der perfiden Freude an der gewalttätigen Auseinandersetzung mit anderen Fans.

Die Anführer und Mitglieder der Gruppe fallen immer wieder durch brutale Übergriffe auf. Gerät ein Hugo irgendwo in eine Auseinandersetzung mit jemand anderem, sind viele weitere Hugos sofort zur Stelle. Wenn es sein muss, auch gegen andere Schalke-Fans. „Mit einem Hugo legt man sich nicht an. Dann hält man besser einfach die Klappe und verpisst sich“, heißt es in Fankreisen.

Den zweifelhaften Ruf über Jahre erarbeitet

Diesen „Ruf“ haben sich die Hugos über die Jahre erarbeitet und stellen auch immer wieder unter Beweis, woher er rührt. Es kommt bei weitem nicht bei jedem Heimspiel vor, aber eben doch oft genug, dass jeder in Block K weiß: Wer in einen Streit mit einem Hugo gerät, der steht nur Sekunden später einer gewaltigen und gewaltsuchenden Horde gegenüber, die nicht lange zögert.

Aus ihrer Sicht, folgen die Hugos nur den „Gesetzen der Ultras“. „Zusammenhalt, Disziplin, Furchtlosigkeit, Standhaftigkeit bis zum bitteren Ende“ sind die Schlüsselbegriffe, die für viele von ihnen zur Lebensphilosophie geworden sind. Überall kreieren sie sich ein „wir“ gegen „die“. „Gegen die Polizei“, „gegen die Presse“, „gegen den DFB“, „gegen die Kommerzialisierung“, „gegen gegnerische Fans“, „gegen jeden, der die Hugos nicht respektiert!“.

Folgenschwerer Angriff auf Manchester-City-Fan

Der folgenschwere Angriff auf den Fan von Manchester City ist ein trauriger Höhepunkt in einer Reihe vieler brutaler oder geschmackloser Ereignisse, die auf das Konto der Hugos gehen. Dabei hatte es der Ex-Chef der Hugos gerade erst vor rund einem halben Jahr noch mit der Justiz zu tun. Das Essener Landgericht hat dem mehrfach vorbestraften Mann eine lange Zeit im Gefängnis erspart.

Wie unsere Redaktion erfuhr, verurteilte es den 28-Jährigen im Dezember wegen Körperverletzung zu neun Monaten Haft mit Bewährung. Am 20. Juli 2014 soll der Schalker in Buer einen anderen Mann hinterhältig angefallen und übel verletzt haben.

Extrem gefährliche Pyro-Aktion

Derselbe Mann soll auch federführend für die bisher „aufsehenerregendste“ Aktion der Hugos verantwortlich sein. Am 24. November 2012 protestierte die Gruppe im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt mit einer extrem gefährlichen Pyro-Aktion gegen kurz zuvor verhängte Stadionverbote. Spruchbänder aus Tapetenrollen machten den Standpunkt klar: „Hugos sind nicht auszulöschen“.

Doch bei dieser Meinungsäußerung wollten die „Fans“ es nicht belassen. Sie verbargen sich unter einer Plane, setzten Masken auf und zündeten dutzende Fackeln an, die eine Hitze von bis zu 2000 Grad entwickelten, giftiger Qualm füllte für einige Zeit die Ränge.

Hugos fordern beim Derby „Freiheit für Sergej W.“

Und auch beim letzten Derby in Dortmund sorgten die Hugos wieder für Negativ-Schlagzeilen. Sie entrollten in Anspielung auf das Attentat gegen den BVB zum wiederholten Mal ein abstoßendes Plakat. Dieses Mal mit der Aufschrift „Immer noch ‘ne Bombenidee, Freiheit für Sergej W.“

In der Folge verwüsteten offenbar Anhänger des BVB gemeinsam mit Anhängern des 1. FC Köln die Fan-Kneipe der Schalker Ultra-Gruppierung unweit des Gelsenkirchener Hauptbahnhofs. Zum Zeitpunkt des Vorfalls, bei dem unter anderem Scheiben eingeschlagen und Schalker Fan-Utensilien entwendet wurden, soll die Kneipe verlassen gewesen sein. Wie es scheint soll es sich bei den Tätern um Mitglieder der BVB-Ultragruppe „Desperados“ sowie der ehemaligen Kölner-Ultraguppe „Boyz“ handeln.

Zudem kam zu einem Einbruch in ein Mehrfamilien- und Geschäftshaus, in dem sich ebenfalls Räumlichkeiten der „Hugos“ befinden.

Es ist zu befürchten, dass sich die Hugos für diese Attacken rächen werden und sich die Spirale der Gewalt weiter dreht. (red)

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