Vorbeugung

Bilanz von zehn Jahren Einsatz bei Gewalt an Schulen positiv

Mit Rangeleien fängt an, was zu konkreter Gewalt werden kann. Die Szene ist gestellt.

Mit Rangeleien fängt an, was zu konkreter Gewalt werden kann. Die Szene ist gestellt.

Foto: dapd / ddp images/dapd/Michael Gottschalk

Gelsenkirchen-Ückendorf.  „Sichere Schule“ wurde zum Konzept mit Vorbildcharakter. Experten verschiedener Abteilungen in Gelsenkirchen greifen vorbeugend in Notfällen ein.

Hinter dem übergreifenden Konzept „Sichere Schule“ steht seit zehn Jahren eine „Mannschaft“: ZIT, das Zentrale Interdisziplinäre Krisenteam, stand im Blickpunkt einer Tagung von 120 Fachkräften im Wissenschaftspark.

2009 wurde aus dem Präventionsrat Gelsenkirchen heraus das ZIT gegründet. Das Zentrale Interdisziplinäre Krisenteam berät, begleitet und unterstützt Schulen in Notfällen und Krisen. Fachkräfte aus der Regionalen Schulberatungsstelle und Schulpsychologie, der Polizei mit Kriminalprävention, den Referaten Bildung und Kinder, Jugend und Familie sowie für Verwaltungskoordinierung, Kommunale Prävention bei der Stadt, eine Sozialpädagogin im Schuldienst und Notfallseelsorger stehen hinter dem übergreifenden Konzept zur „Sicheren Schule“ in Gelsenkirchen.

„Wir wollen Schülerinnen und Schüler stärken und stark machen und wir wissen, dass wir dafür vor allem diejenigen stärken müssen, die unsere Kinder und Jugendlichen unterstützen. Ich möchte denjenigen danken, die das ZIT tragen, die dafür sorgen, dass wichtige Informationen bereitgestellt werden. Dass Sie den Lehrerinnen und Lehrern den Rücken stärken, und genauso möchte ich den Lehrerinnen und Lehrern danken, weil sie eine enorm wichtige Aufgabe für die Kinder und Jugendlichen übernehmen, in Krisenfällen und im Alltag“, lobte Oberbürgermeister Frank Baranowski.

Einrichtung mit Vorbildcharakter

Polizeidirektorin Heidi Fahrenholz würdigte die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Der geübte Schulterschluss unterschiedlicher Behörden und Kompetenzen in Gelsenkirchen, um besser auf Krisen und andere Taten vorbereitet zu sein, war eine vor zehn Jahren nahezu einmalige Einrichtung.“

Diese Krisen seien längst nicht immer öffentlich wahrnehmbar, dennoch beeinflussten sie den Alltag von Schülern und Lehrern enorm. Die Ansprechpartner des ZIT ständen bereit oder könnten schnell den Kontakt zu Experten herstellen. Das sei für alle Beteiligten sehr hilfreich und erhöhe die Sicherheit.

Zwei Übungen zum Umgangmit Amok-Szenarien

In den vergangenen zehn Jahren hat das ZIT Schulen in über 100 Notfallsituationen, bei Gewaltdrohungen und -übergriffen, Suiziddrohungen und -ausübungen, Tötungsversuchen, Unfällen mit und ohne Todesfolge, Bombendrohungen, Extremismus, Mobbing, und sexuellen Übergriffen unterstützt. Außerdem hat das ZIT zwei größere Amokübungen konzipiert und durchgeführt, um Schulen, Stadt und Polizei die Möglichkeit zur besonderen Sensibilisierung und zur Übung von Schutz- und Rettungsreaktionen zu bieten.

Haben sich die Schulen in den ersten Jahren noch häufig nach Androhung von Gewalt oder konkreten Übergriffen an das ZIT gewandt, hat sich die Qualität von Krisen an Schulen spürbar gewandelt. In den

vergangenen Jahren konnte eine deutliche Zunahme von Anfragen wegen sexueller Grenzüberschreitungen oder extremistischen Tendenzen verzeichnet werden. Zuletzt wurden wiederholt Situationen bekannt, in denen Schulfremde oder Eltern Konflikte auslösten.

Insgesamt ist demnach die Zahl der aufgrund eines konkreten Krisenereignisses eingehenden Anfragen jedoch rückläufig. Sie haben sich vielmehr zu präventiven oder grundsätzlichen Fragestellungen rund um das Krisenmanagement hin gewandelt, weil die organisatorischen Strukturen an den Schulen verbessert werden konnten und Kompetenz und Erfahrungen der Handelnden zunahmen.

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