Weihnachten

Das Christkind auf der Kanzel

Jedes Jahr Geburtstag in der Kirche: Pastor Mirco Quint von St. Augustinus, der heute 41 Jahre alt wird, hat sich an die Gottesdienste an seinem persönlichen Festtag gewöhnt. „Kirche ist ein Ort des Lebens“, meint Quint. Fotos:Olaf Ziegler

Jedes Jahr Geburtstag in der Kirche: Pastor Mirco Quint von St. Augustinus, der heute 41 Jahre alt wird, hat sich an die Gottesdienste an seinem persönlichen Festtag gewöhnt. „Kirche ist ein Ort des Lebens“, meint Quint. Fotos:Olaf Ziegler

Altstadt.   Mirco Quint hat am 24. Dezember Geburtstag. Statt sich selbst feiert er Jesu Geburt. Vor dem Pastor (St. Augustinus) liegt ein voller Arbeitstag.

Genau an Heiligabend Geburtstag zu haben - schöner geht’s doch eigentlich nicht. Man hat immer drei Tage frei, kann rein- und genüsslich wieder rausfeiern. Wenn man nicht gerade Pastor ist. Wie Mirco Quint von St. Augustinus. Er hat am 24. Dezember Geburtstag, somit ist immer Arbeiten angesagt. Jedes Jahr von Neuem. „Ich habe das nie als Last empfunden. Das, was ich an meinem Beruf am meisten liebe, ist eine volle Kirche. Und das habe ich an Heiligabend immer“, sagt Quint, der in diesem Jahr 41 Jahre alt wird.

Zwei Brüder hat er noch: einen fünf Jahre älteren und einen eine Minute jüngeren. Denn vor 41 Jahren brachte die Mama Zwillinge zur Welt: Mirco und Marco. „Früher konnte man uns überhaupt nicht unterscheiden, obwohl wir zweieiig sind, heute kann man den Unterschied sehen.“

Beruflich haben die beiden sich völlig unterschiedlich entwickelt. Marco ist – genauso wie der ältere Bruder Sascha – in der Finanzwelt zuhause.

Elternhaus ist nicht sehr katholisch

Der Ältere sorgt mit Versicherungen für Absicherung im Leben. „Meine Absicherungen gehen über das Leben hinaus“, scherzt der Pastor, der seinen Beruf immer wieder ergreifen würde. Trotz des „Abos auf Arbeit“ an seinem Geburtstag. Aus freien Stücken haben die Quint-Jungs ihre Berufe ergreifen dürfen. „Wir sind gar nicht in einem so sehr katholischen Elternhaus groß geworden. Meine Eltern waren eher überrascht, als ich Priester werden wollte. Aber ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“

Aufgewachsen ist er einen Steinwurf von Gelsenkirchen entfernt, in Wattenscheid. Da sei in seiner St.-Pius-Gemeinde richtig gute Jugendarbeit gemacht worden. Weil die Eltern wussten, dass Mirco dort gut aufgehoben war, durfte er als Kind und Jugendlicher auch schon mal etwas länger bleiben. Die moralischen und gesellschaftlichen Werte, für die er heute steht, kamen vorwiegend aus der Familie. Die Mutter war ganz klassisch Hausfrau, sorgte für die Kinder und vermittelte Werte und Normen. „Ich hatte eine sehr lustige und behütete Kindheit“, freut sich der gerade 41-Jährige. Mirco Quint vertritt eine sehr moderne Kirche, in der „Gespräche wichtig sind, gelacht und auch geweint werden darf. Kirche ist ein Ort des Lebens. Alles, was im Leben vorkommt, darf auch in der Kirche passieren.“

40. Geburtstag feierte er mit 400 Gästen in der Kirche

Logisch, dass er seinen runden 40. Geburtstag im vergangenen Jahr im Dom von Niederwenigern feierte. Mit 400 Gästen, Gläubigen, Bekannten und Freunden. Da gab es ein Buffet, viele gute Gespräche und natürlich konnte auch Wein gezapft werden. „Das war ein toller Geburtstag in der Kirche“, erinnert er sich gerne. In diesem Jahr feiert er nicht seinen Geburtstag in St. Augustinus, sondern ist wieder für die Gottesdienste zuständig. Am 24. Dezember wird der erste Gottesdienst von einem anderen Geistlichen gehalten, aber bei der Messe um 14.30 Uhr für die Krabbelkinder ist er da, um 15.30 Uhr beim Familiengottesdienst, wo auch ein Krippenspiel aufgeführt wird und auch die Literatische Weihnacht, das Hochamt um 18 Uhr, wird er selbst halten.

„Ich mag am liebsten den Heiligabend, wenn die Kirche rappelvoll ist, das ist großartig. Für mich ist das keine Arbeit, ich werde umso besser, je voller die Kirche ist.“ Dann sehe man Menschen, die man nur sporadisch trifft. Viele gingen ja nur zu Hochzeiten oder zur Taufe in die Kirche, aber „ich freu mich auch über die Besucher, die selten kommen. Das sag’ ich auch immer.“

An diesem Tag, dem Heiligabend, wo so viele den Weg in die Kirche finden, müsse man besonders gut und besonders gut vorbereitet sein. „Denn ich möchte den Menschen etwas geben, womit sie sich zu Hause beschäftigen können, was sie weiter bringt. Mein Geburtstagsgeschenk ist immer, dass ich eine Rede halten darf“, freut sich das Geburtstagskind.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben