Kultur & Musik

Die Band Attractor Point kombiniert Comickunst mit Rockmusik

Gitarrist und Produzent Thomas Erkelenz, Labelchef Michael Rarreck und Projekt-Initiator Alexander Stärkel (v. l.) im Probe- und Studioraum in Gelsenkirchen-Buer.

Gitarrist und Produzent Thomas Erkelenz, Labelchef Michael Rarreck und Projekt-Initiator Alexander Stärkel (v. l.) im Probe- und Studioraum in Gelsenkirchen-Buer.

Foto: Joachim Kleine-Büning / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Auf vier Alben will das Bandprojekt Attractor Point einen Science-Fiction-Thriller in Comicform erzählen. Die Platten bieten den Soundtrack dazu.

Im Körper von Alexander Stärkel pulsieren mehrere kreative Adern: Er liebt es, sich Geschichten auszudenken, besitzt das Talent zu zeichnen und ist außerdem ein Vollblutmusiker. Diese drei Leidenschaften bringt der 56-Jährige in seinem Bandprojekt namens Attractor Point unter einen Hut. Denn Stärkel hat sich einen Science-Fiction-Thriller ausgedacht. Die Geschichte wird in Form eines Comics erzählt. Und dieser schmückt jeweils Vorder- und Rückseite von insgesamt vier Vinylalben, auf denen die dazugehörigen Songs als eine Art Soundtrack zu hören sind. Was für ein Gesamtkunstwerk!

Das erste von vier geplanten Alben mit dem Titel „Cindy“ ist im Vorjahr erschienen, soeben wurde mit „Janus“ Platte Nummer zwei aus diesem Zyklus veröffentlicht. „Das Genre Science-Fiction übt auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Das ist auch bei mir so“, erzählt Band-Gründer Stärkel bei einem Treffen im Proberaum am Rombergskamp in Buer.

Die Idee zu diesen Konzeptalben trug er schon längere Zeit mit sich herum. Die Produktion zum ersten Tonträger war auch schon angelaufen, doch dann stiegen nacheinander erst der Bassist, dann der Schlagzeuger aus. Da lag Stärkels ambitioniertes Projekt plötzlich auf Eis.

Eine Begegnung mit Comiczeichner JEF auf der „Comic Con“

Wachgeküsst aus dem Dornröschenschlaf wurde die ganze Sache, als der in Mülheim lebende Stärkel die Messe „German Comic Con“ in Dortmund besuchte. Dort traf er an einem Stand auf den renommierten Comic-Zeichner JEF, der im französischen Lyon lebt und Zeichner von rund 20 Graphic Novels ist – darunter Werke wie „Querschläger“ oder „Tomboy“. „Ich bin einfach auf ihn zugegangen, habe ihm von meinen Ideen erzählt. Er war begeistert und hat dann spontan zugesagt, dass er die Comic-Zeichnungen für unsere Plattencover anfertigen will“, erzählt Stärkel. In diesem Moment war ihm klar: Er muss die Sache schnell wieder ans Laufen bringen.

In diesem Moment machten sich die Kontakte von Thomas Erkelenz bezahlt. Er gehörte als einer der Gitarristen zur Besetzung der Band, doch Stärkel bat ihn nun auch, zusätzlich die Rolle des Plattenproduzenten zu übernehmen. Und als solcher streckte Erkelenz sofort seine Fühler aus, um die fehlenden Instrumentalparts mit neuen Musikern zu besetzen. „Und wir haben die genau richtige Mischung gefunden“, so der 63-jährige Erkelenz.

Jeweils acht Songs umfassen beide bislang erschienenen Alben. Der Sound klingt wie eine Mischung aus Progressive, Psychedelic und Alternative Rock, nimmt viele Anleihen von Rock-Heroen aus den 70er Jahren wie Pink Floyd, verkommt dabei aber nicht zur simplen Kopie, sondern wahrt eine unüberhörbare Eigenständigkeit. Es ist die ideale Ergänzung zur Geschichte, wie ein Soundtrack zum Comic.

Und warum setzen die Macher auf Vinylalben? „Das war eine bewusste Entscheidung. Auf Vinyl klingt jede Musik einfach besser“, betont Produzent Erkelenz. Eine Haltung, die auch Michael Rarreck mit Herzblut vertritt. Er ist der Chef des Labels Splitt Entertainment mit Sitz in Marl, bei dem die Alben von Attractor Point erschienen sind.

Kooperation mit dem FC Schalke 04

Rarreck lebt nicht nur in Buer und arbeitet mit zahlreichen weiteren Gelsenkirchener Bands zusammen, sondern er kooperiert seit vielen Jahren auch mit dem FC Schalke 04. Er hat CDs mit Liedern für alte und junge Fans aufgenommen, aber auch schon Schalker Profifußballer vor die Studiomikrofone geholt, um mit ihnen dort Songs einzuspielen und auf CD zu verewigen. Vom Projekt mit Attractor Point ist Rarreck ebenso überzeugt wie begeistert.

Die noch fehlenden Alben Nummer drei und vier sollen in den kommenden beiden Jahren eingespielt werden. „Die Geschichte dazu habe ich schon fertig in meinem Kopf“, sagt Stärkel, der hofft, dass seine Storyfortsetzung dann auch wieder von Comiczeichner JEF so kongenial umgesetzt wird. „Und wir wollen die ganze Sache auch mal als Multi-Media-Konzert auf die Bühne bringen“, nennen Stärkel und Erkelenz ein perspektivisches Ziel. Dass dies wohl eine sehr aufwendige Produktion werden wird, kann sie von ihrem Vorhaben nicht abbringen.

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