30 Jahre Mauerfall

„Die Freudentränen hätten eine Badewanne gefüllt“

Die Mauer muss weg: In der Nacht auf den 10. November bearbeiten junge Leute in West-Berlin die Grenzsicherung. Auch Gelsenkirchener waren in der Nacht vor Ort, als ein Teil der deutsch-deutschen Grenzübergänge geöffnet wurde.

Die Mauer muss weg: In der Nacht auf den 10. November bearbeiten junge Leute in West-Berlin die Grenzsicherung. Auch Gelsenkirchener waren in der Nacht vor Ort, als ein Teil der deutsch-deutschen Grenzübergänge geöffnet wurde.

Foto: dpa / picture-alliance

Gelsenkirchen.  Es war ein magischer Abend, an dem viele Freudentränen vergossen wurden: Leser erinnern sich an den Mauerfall und die Tage danach vor 30 Jahren.

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Es gibt diese Momente, die sich ins kollektive Gedächtnis einbrennen – wie dieser magische Abend vor 30 Jahren, als sich in Berlin der Eiserne Vorhang endgültig öffnete, Millionen hüben und drüben im Glückstaumel waren. „Wo warst du, als die Mauer fiel?“ fragten wir via Facebook. Unsere Leser haben sich erinnert an den 9. November 1989.

Wo viele an diesem Abend waren? Na, daheim. „Wir waren am Fernseher und hatten Gänsehaut. Und ich Tränen in den Augen“, schreibt Maria Alvarez-Heinen. Wie ihr ging es auch Beate Tepaß, die einen weiteren triftigen Erinnerungsgrund hat: „Ich habe vor dem Fernseher gesessen und konnte es kaum glauben. Und am 10. November ist dann unsere älteste Tochter geboren worden.“

Zaunstreife mit MP5 alle zwei Stunden

Nachtdienst „in der damaligen Polizeischule Selm-Bork“ hatte Frank Thesing, lief „Zaunstreife mit MP5 alle zwei Stunden. Dazwischen haben wir in der Pause natürlich auch das Ereignis im TV verfolgt.“

Renate Mros hat am 9. November vor 30 Jahren „mit meinen Lieben drüben telefoniert und uns gemeinsam gefreut, die Freudentränen hätten eine Badewanne gefüllt“. Gisela Weining empfand die Fernsehbilder „wie ein Wunder. An diesem Abend habe ich mir zigmal die Nachrichten angeschaut und war von diesen so überwältigt.“ Auch Katja Siegert war voller Emotionen und hat „viel geheult, als mir klar wurde, was da gerade wunderbares passiert“.

Zweitaktgemisch in Mini-Säulen für Mofas

„Daheim, im Schlafanzug, mit zehn Jahren“ hat Corina Büchner die Grenzöffnung erlebt. „Dafür war am nächsten Tag in meiner ehemaligen Heimat Fulda, 20 Kilometer von der innerdeutschen Grenze, Ausnahmezustand angesagt. Tankstellen hatten nur Zweitaktgemisch in Mini-Säulen für Mofas. Das war relativ schnell aufgebraucht. Parkplätze gab es keine, deshalb wurde der Domplatz zum Parken geöffnet. Und ein paar Tage später hatte ich in der Schulbank ein Mädchen aus damals Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) sitzen, mit der ich mich eng angefreundet hatte.“

„Ich war dort. Eigentlich besuchten wir unseren Cousinen. Plötzlich gab es draußen eine Ansammlung von Menschen, da sind wir mit denen mit und siehe da, alle am Schreien vor Freude und viele Leute begannen mit Hammer Axt usw. die Mauer kaputt zu machen“, beschreibt Sevim Poppeck die Situation. „Selbst mein Vater hat ein Stück Mauer.“

Auch in Berlin war zu dem Zeitpunkt Max Schneider. Aber er war damals gerade erst sechs Jahre alt und „zu klein, um zu verstehen, was da los war“. Einige Tage später ist Sven Neubauer nach Berlin gefahren: „.Abgesehen von den vielen fröhlichen und feiernden Menschen“ sind ihm die langen „Schlangen vor den Banken, wegen des Begrüßungsgeldes, in Erinnerung geblieben“.

Sieben Jahre später in einer Single-Sendung des MDR

Für Volker Mollenhauer bekam die Wiedervereinigung in der Folge eine ganz persönliche Note. „Ich hatte gerade meine Ausbildung beendet, hatte gemischte Gefühle, was die Zukunft anbetrifft“, erinnert er sich. „Dann traute ich mich sieben Jahre später in eine Single-Sendung des MDR, hatte sogar Erfolg und es wurde auf mich reagiert.“ Eine „tolle Frau“ lernte er kennen. Doch die Beziehung war nicht von Dauer, die Erinnerung allerdings schon. Mollenhauer: „Ich denke immer noch an die schöne Zeit, die ich mit ihr verbrachte, auch wenn’s mittlerweile 23 Jahre her ist.“

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