Verkehr

Die Klimakrise zeigt sich auch an den Autobahn-Rändern

Die trockenen Sommer und damit die Zunahme von Schädlingen machen auch dem Landesbetrieb Straßen.NRW bei der Gehölzpflege an den Straßenrändern zu schaffen.

Die trockenen Sommer und damit die Zunahme von Schädlingen machen auch dem Landesbetrieb Straßen.NRW bei der Gehölzpflege an den Straßenrändern zu schaffen.

Foto: Straßen.NRW

Gelsenkirchen-Bismarck.  Mitarbeiter von Straßen.NRW sind zurzeit in Sachen Gehölzpflege unterwegs. 600 bis 800 Hektar Grün müssen überprüft werden. Wo Gefahren lauern.

Der Indianersommer fällt in diesem Jahr weit weniger farbenprächtig aus. Denn nach zwei Dürre-Sommern in Folge recken viele Bäume kahle Äste und Zweige in den Himmel statt herbstlich bunter Blätter oder sie sind schon komplett abgestorben. Der Klimawandel stellt auch den Landesbetrieb Straßen.NRW vor neue Herausforderungen. Immerhin 600 bis 800 Hektar Grün an den Rändern der Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraße wollen überprüft und durchgearbeitet werden.

Beim Ortstermin fiel die praktische Vorführung an der Autobahnmeisterei in Bismarck an der Reckfeldstraße prompt ins Wasser. Starker Regen ließ keine Arbeiten an den Böschungen der A 42 zu, die Unfallgefahr wäre auch hinter der Leitplanke zu groß gewesen.

Schäden zeigen sich in der Krone

„Die Dürreschäden erkennen wir an den Bäumen in der Krone, wie Krankheiten bei Menschen im Gesicht“, erklärt Diplom-Forstwirt Frank Eilermann ernst. Etwa 400.000 Einzelbäume gilt es mit Standort, Art und Zustand zu erfassen an 19.000 Kilometern Straßen „rechts und links“ im ganzen Land. Einzelne kranke „Gefahrbäume“, die die bisher 30 Kontrolleure entdecken, müssen zur Verkehrssicherung umgehend entnommen werden, sprich: fällen. 29 weitere Kontrolleure stellt der Landesbetrieb in diesem Jahr zusätzlich ein.

Hauptarbeit an den Böschungen

„Die Böschungen machen die Hauptarbeit“, umreißt Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek zum Beginn der Gehölzpflegesaison, der Vegetationsruhe bis zum Frühjahr, in der nicht eigens auf brütende Vögel geachtet werden muss. „Das ist jeweils etwa ein Streifen von zehn Metern Breite über einen Kilometer, das sind schnell 5000 bis 6000 Bäume“, rechnet sie hoch.

Bis zu 13 Baumarten bilden das Straßen-Begleitgrün. Eschen, Buchen oder Birken und vor allem Fichten sind krank, von Schädlingen wie dem Borkenkäfer befallen, stellen die Streckenkontrolleure der Meistereien zunehmend fest. „Wir sind in der Kontrolle gut aufgestellt. Doch diese massiven Schädigungen stellen auch uns vor neue Herausforderungen.“

Vor allem Bäume, die im Fallbereich zum Straßenrand stehen, werden auf Schäden an Krone, Stamm und Wurzelansatz überprüft. Nach dem heißen und trockenen Sommer 2018 sind die Beobachtungsfahrten an der Strecke intensiviert worden – und nach Eisregenfällen, Sturm oder Gewitter sichten die Straßenmeisterei-Mitarbeiter bei der Streckenkontrolle die Bäume noch intensiver. „Die Dürre ist nun ein weiteres Extremereignis, das wir in unserer Kontrollroutine berücksichtigen müssen“, erläutert Eilermann.

Borkenkäfer und Eschen-Triebsterben

Für das verstärkte Fällen am Straßenrand war vor allem das Eschentriebsterben ein Grund. „Ob diese Bäume krank sind, erkennt man besser im belaubten Zustand“, meint der Forstwirt. Aus Sicherheitsgründen ist für solche Arbeiten in manchen Fällen auch die Vollsperrung einer Strecke nötig.

„Durch die Verjüngung unserer Bestände schaffen wir mehr Sicherheit und können auch eine bessere Kontrolle der Böschungen gewährleisten“, unterstreicht die Direktorin. Der vor Jahren begonnene Umbau der Böschungen hin zu einem gestuften Aufbau – von Gras über Büsche hin zu Bäumen – sei ein Weg, an den Strecken für mehr Sicherheit zu sorgen. Mit Blick auf Natur- und Klimaschutz betont Sauerwein-Braksiek, dass der Landesbetrieb nur dort eingreife, wo die Verkehrssicherheit gefährdet ist. „Die Pflanzen, die dann für ein paar Jahre auf den freien Flächen wachsen, bieten Lebensraum für Insekten, der in dichten Altbeständen nicht zu finden ist.“

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