Revierkultur

Dieses Philosophische Café kann Wikipedia nicht ignorieren

Marit Rullmann und Werner Schlegel freuen sich auf das Philosopische Cafè im Dachbodensalon.

Marit Rullmann und Werner Schlegel freuen sich auf das Philosopische Cafè im Dachbodensalon.

Foto: Ingo Otto / FFS

Gelsenkirchen-Bismarck.  Hier kommt alles zusammen: 30 Jahre Philosophisches Café, nun im „Dachstubensalon“ in Gelsenkirchen, und 50 Jahre Deutscher Schriftstellerverband.

Die Atmosphäre beschreiben sie gern mit „halb-privat“, denn an öffentlicheren Plätzen dürfte die Hemmschwelle vor einem eher unbekannten Publikum höher sein. Der gerade eingeweihte Dachstubensalon an der (ganz) privaten Adresse Braubauerschaft wird nun Schauplatz für Lesungen, Austausch und Diskussion im „Philosophischen Café“ von Marit Rullmann und Werner Schlegel sein.

Privat wird es ab Montag, 11., ab 19 Uhr schon dadurch werden, dass Snacks und Getränke nebenan in der Küche bereitstehen werden. Die „Lese-Ecke“ wird jedes Mal neu dekoriert, darauf, dass die Sitzmöbel so stehen bleiben, wie sie anfangs standen, setzt das wohl einzige schreibende Autoren-Ehepaar im Umkreis nach erstem Erleben in der grundrenovierten Dachgeschoss-Wohnung nicht unbedingt. Der gewünscht rege Austausch unter den Besuchern führt auch zu solchen Um-Setzungen.

Café begann im „Spunk“

Diesmal kommt vieles aufeinander: Das Philosophische Café soll dauerhaft hier etabliert werden. Entstanden ist es auf Initiative von Marit Rullmann und der Eitorfer Künstlerin Erika Kaldemorgen, früher in Gelsenkirchen ansässig, im alteingesessenen „Spunk“ am Festweg. Dazu bietet es sich nun an, auch das 50-jährige Bestehen des Verbandes deutscher Schriftsteller mit einer Jubiläums-Lesung in den verschiedenen Bezirken zu würdigen, für Emscher-Lippe unter dem Motto „Wie alles anfing...“ eben im Dachstubensalon.

Der Landesverband zählt aktuell 545 Mitglieder, davon 15 im Bezirk. Werner Schlegel, seit 1996 Bezirkssprecher in der Nachfolge des Arbeiterdichters Kurt Küther und damit im erweiterten Landesvorstand, nennt für den Sprengel „Uli Penquitt, Margrit Kruse, Jürgen Völkert-Marten und als Neuaufnahme die Gelsenkirchenerin Nina Bellem, die unter anderem bei Lübbe, Heyne und Ullstein veröffentlicht“.

Mit Böll, Grass und Walser

Beim Festakt in Köln am Samstag, 16. November, soll während der Jahrestagung Henriette Reker ein Grußwort sprechen, immerhin unter anderem Gelsenkirchens ehemalige Sozialdezernentin. In Köln wurde der Verband am 8. Juni 1969 unter Mithilfe von Heinrich Böll, Günter Grass und Martin Walser gegründet.

Den Bogen in die Digitalzeit schlägt Werner Schlegel mit einer Korrektur bei Wikipedia. Denn anders als dort bisher zu lesen, seien die Philosophischen Cafés nicht vom französischen Philosophen Marc Sautet 1992 in Paris begründet und von dort nach Deutschland verbreitet worden: „Tatsächlich veranstaltete Marit Rullmann mit der Eitorfer Künstlerin Erika Kaldemorgen am 24. September 1989 im Gelsenkirchener Spunk das erste Philosophische Café – nicht nur hierzulande.“

Bei 100 endete die Zählung

Inzwischen hat sie die Cafés in 21 deutschen Städten und auch außerhalb des Ruhrgebiets etabliert. Ihr „rundes“ 100. legte sie dann bewusst 2004 in der Volkshochschule in ihrer Heimatstadt auf, und stellt danach das Zählen ein.

Mit dem Thema „Brauchen wir eine neue Streitkultur?“ begann bezeichnenderweise die Fortsetzung der Reihe im eigenen, heimischen Dachstubensalon. Weiter will sie aber auch Einladungen in andere Städte annehmen, wie am 14. November von der Recklinghäuser Buchhandlung Musial.

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