Malerei

Domizil Gelsenkirchen würdigt Helene Menne-Lindenberg

Sabine Leichner-Heuer, die Vorsitzende des Bundes Gelsenkirchener Künstler (l.) mit Angelika Menne-Haritz, der Tochter von Helene Menne-Lindenberg, deren Werke ab Sonntag im Domizil zu sehen sind.

Sabine Leichner-Heuer, die Vorsitzende des Bundes Gelsenkirchener Künstler (l.) mit Angelika Menne-Haritz, der Tochter von Helene Menne-Lindenberg, deren Werke ab Sonntag im Domizil zu sehen sind.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Ückendorf.  Helene Menne-Lindenberg war Mitbegründerin des Bundes Gelsenkirchener Künstlerbundes. Zu ihrem 100. Geburtstag zeigt das Domizil Arbeiten von ihr.

Ihr Mitgliedsausweis im Bund Gelsenkirchener Künstler trägt die laufende Nummer fünf. Helene Menne-Lindenberg war eine der Gründerinnen des Künstlerbundes, der ihr nun zum 100. Geburtstag eine Ausstellung widmet. 1134 Werke der Mutter hat ihre Tochter, Prof. Angelika Menne-Haritz, aufgelistet. Im Domizil des Künstlerbundes sind nun ab Sonntag, 13. Oktober, 33 davon aus allen Schaffensperioden zu sehen.

Da sind Porträts in Öl aus den Jahren an der Berliner Akademie der Künste von 1941 bis 1945 und Porträtstudien neben kleinformatigen Bleistiftzeichnungen und Lithographien von Flüchtlingen, Trecks und um Brot anstehenden Hungernden aus der Nachkriegszeit mit vom Elend gezeichneten Gesichtern, die den Betrachter nicht mehr loslassen.

Eindrucksvolle Porträts aus den 1950er-Jahren

Auch in den 1950er-Jahren schuf Helene Menne-Lindenberg, die nach dem Tod des Vaters und des Bruders früh aus Berlin nach Gelsenkirchen zur Mutter zurückkehrte, noch zahlreiche eindrucksvolle Porträts. Es sind Porträts von Alltagsmodellen wie Wäscherinnen, Verkäuferinnen und Chorknaben, zum Teil mit kubistischen Elementen, meist in kräftigen Farben gehalten – beeindruckende Arbeiten, die im Gedächtnis bleiben. Ihre gegenständliche Malerei stieß in jenen Jahren in Deutschland – im Gegensatz zu Frankreich – auf viel Kritik: Realismus wurde hier mit der Nazizeit verbunden, Abstraktion war angesagt. Dabei setzte die Künstlerin sich sehr wohl mit der Abstraktion auseinander, wie die Tochter betont, befand sie für ihre Arbeit aber für nur bedingt tauglich.

In den späteren Jahren auf Landschaften konzentriert

Nach einer vernichtenden Kritik ihrer Porträts 1962 im Rahmen einer Ausstellung stellte Helene Menne-Lindemann für ein Jahrzehnt ihre künstlerische Arbeit ein. „Ich male jetzt nur noch für meine Familie“; zitiert die Tochter ihre 1988 verstorbene Mutter aus jenen Jahren. Dank einer Reise nach Andalusien griff sie in den 1970ern doch wieder zur Palette, um fortan fast ausschließlich Landschaften zu malen. Landschaften mit besonderen Strukturen in lichten Farben laden zum genauen Hinschauen ein. Mal sind es prägnante Ackerfurchen, mal Bergformationen und immer spielen Licht, Wolken und Bäume eine wesentliche Rolle.

In den späten Bildern der 1980er-Jahre werden die Wolkenformationen auf ihren Arbeiten immer abstrakter, dominieren emotionsgeladene Sonnenuntergänge, die nie ins Kitschige abgleiten. Das letzte Bild zeigt hoch in den wolkenverhangenen Himmel ragende, schmächtige, kahle Bäume. „Wie Ruinenfinger“; interpretiert Angelika Menne-Haritz. Die brennenden Ruinen zum Kriegsende in Berlin vor der warmen untergehenden Sonne seien immer in ihrem Kopf geblieben, weiß die Tochter, die über ihre Mutter und deren Schaffen ein wunderbares Buch geschrieben hat.

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