Musik

Ein Chor, bei dem man nicht zwingend singen können muss

Gabriele Czeschinski (l.) und Michael Gees verwandeln Lieblingslieder von Teilnehmern, die nicht zwingend singen können müssen, im „Liedesdienst“ in der Kellerbar des Consol-Theaters.

Gabriele Czeschinski (l.) und Michael Gees verwandeln Lieblingslieder von Teilnehmern, die nicht zwingend singen können müssen, im „Liedesdienst“ in der Kellerbar des Consol-Theaters.

Foto: Ingo Otto / FFS

Gelsenkirchen-Bismarck.  Workshop „Liedesdienst“ im Gelsenkirchener Consol-Theater: Hier probieren die Teilnehmer ganz verschiedene Lieder auf ganz neue Art.

Es hat was von „Stiller Post“, von Mosaik, vom Puzzeln, und es macht allen offenkundig gleich eine Menge Spaß. Dieses „die singen“ hat ja schon Peter Ustinov als Nero in „Quo Vadis“ mehr als überrascht, und hier in der Kellerbar des Consol-Theaters gibt’s auch gleich Beifall untereinander und Lob von Michael Gees am Flügel. „Das war eine gute Mischung, ihr singt zusammen, aber man versteht, was jeder Einzelnen macht“, kommentiert der Pianist, der mit Gabriele Czeschinski den Workshop „Liedesdienst“ leitet.

Ob sie singen können, haben sich viele der elf Frauen und drei Männer, sämtlich im „mittleren Alter“, bestimmt gefragt. Dass sie wollen, ist spürbar, und dass das klingt und zusammen prima geht, das Ergebnis von ein bisschen Mut.

Singen mit oder ohne Noten – kein Probleme, denn beim Workshop geht es weniger um die strikte Einhaltung vorgegebener Pfade. Vielmehr erschließen sich die Teilnehmer verschiedenste Lieder verschiedenster Gattungen, um gemeinsam mit dem Liedgut zu spielen und zu experimentieren, damit hatten Czeschinski und Gees für das Ensemble Zukunftsmusik geworben.

Gemeinsam singen im Ensemble

Auch, um vielleicht Verstärkung zu bekommen. „Denn wer so Lust bekommen hat, das gemeinsame Singen nicht mehr sein lassen zu wollen, der darf auch gern Teil des Ensembles werden“, hieß es vor dem zweiteiligen Workshop.

Auf dem Tisch liegen noch die Anregungen, „Was Kinder gerne singen“, „Volkslieder“, „Liederkiste“. Gerne wird erst einmal zum Probieren die Gruppe geteilt, „Hejo, spann den Wagen an“ soll es sein. „Wir brauchen jemand für den Wind, für den Regen, für das Hejo, für das spann den Wagen an, und für die goldenen Garben“, wird sortiert. „Eine Menge Wind“, und der Flügel lässt den Regen dazu plätschern.

Dirigent bringt Unterstützung

Gabriele Czeschinski holt sich nach den ersten Fragmenten der Collage, die hier zu klingen beginnt, Unterstützung: „Lothar, du musst dirigieren, immer den Einsatz für die Gruppen.“ Und außerdem: „Mag jemand die goldenen Garben verstärken?“ Lothar Berger, Chorleiter aus Köln und Oberton-Sänger, sortiert, und die Gruppen setzen auf sein Zeichen ein. „Genau so“, kommt der Kommentar vom Flügel, „das ist das Lied, ein Kanon auf verrückte Art.“

Jetzt noch ein Stück, schnell ist „Alle Vögel sind schon da“ ausgeguckt. Es gibt keine Vorgaben, jeder, wie er will. Und Gees ist zufrieden: „Das klang wie geplant, ohne Unterbrechung, wie ein Wechselspiel von Frage und Antwort.“ Noch einmal, der Text bleibt derselbe („völlig unbekümmert, wie alle Vögel“), und die Begleitung bricht plötzlich ab. Gerade als noch ein „alle“ ausklingt. Wie geplant.

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