Jahresbilanz 2020

Gelsenkirchener Arbeitsmarkt behauptet sich im Corona-Stress

Mit der sonst üblichen Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt kam 2020 der Lockdown. Die Arbeitskräftenachfrage auch in Gelsenkirchen sank dramatisch. 

Mit der sonst üblichen Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt kam 2020 der Lockdown. Die Arbeitskräftenachfrage auch in Gelsenkirchen sank dramatisch. 

Foto: Joachim Kleine-Büning / Funke Foto Services

Gelsenkirchen  Trotz Lockdowns, Anstieg der Arbeitslosigkeit und Rekordwerten bei der Kurzarbeit: Gelsenkirchen kam bislang halbwegs gut durch die Pandemie.

2020 wurde in Gelsenkirchen kein Negativrekord in der Arbeitslosigkeit erreicht - trotz Corona und zweifachem Lockdown. Das stellt die Agentur für Arbeit in ihrer Jahresbilanz fest. So waren im Jahresdurchschnitt mit durchschnittlich 19.357 arbeitslosen Frauen und Männern 2741 Personen oder 16,5 Prozent mehr arbeitslos gemeldet als 2019. Doch lagen die Zahlen damit noch unter dem Wert von 2009, dem Jahr der Finanzkrise. Dennoch kennzeichnen ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit und ein historischer Höchstwert bei der Kurzarbeit das vergangene Jahr.

Die Arbeitslosenquote stieg im Oktober in Gelsenkirchen auf 15,6 Prozent

Im Frühjahr, mit Beginn des ersten harten Lockdowns, stieg die Arbeitslosigkeit an. Im April, einen Monat nach dem Beginn der Einschränkungen, waren 18.381 Menschen arbeitslos gemeldet – 1419 Personen oder 8,4 Prozent mehr als einen Monat zuvor. Der höchste Stand der arbeitslos gemeldeten Menschen im Vergleich zum Vorjahr war im Oktober erreicht. Mit Herbstbeginn waren 4067 Gelsenkirchener mehr arbeitslos gemeldet als zwölf Monate zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg auf 15,6 Prozent, 3,1 Prozentpunkte über dem Vorjahr.

Beschäftigung bleibt in Gelsenkirchen stabil, doch Frühjahresbelebung blieb aus

Maßgeblich für den Anstieg der Arbeitslosigkeit war 2020 das Ausbleiben der Frühjahresbelebung. "Viele Unternehmen, zumal wenn sie in Kurzarbeit waren, stellten nicht mehr ein", bilanziert die Arbeitsagentur. Das Angebot an offenen Stellen sank deutlich, die Nachfrage nach Mitarbeitern kam teilweise zum Erliegen. Die Gesamtzahl sozialversicherungspflichtig beschäftigter Arbeitnehmer blieb (Stichtag Ende Juni) mit 81.887 allerdings auf Vorjahresniveau.

Kurzarbeit auf Rekordniveau sichert 2020 auch in Gelsenkirchen Arbeitsplätze

Im April war der erste Höhepunkt der Kurzarbeit erreicht. Rund 15.910 Arbeitsplätze konnten damals durch Kurzarbeit gesichert werden. Zum Vergleich: Im Februar waren lediglich 214 Beschäftigte in neun Betrieben betroffen, im April stieg die Zahl der Betriebe auf 1298.

Ab November stieg die Zahl der neuen Anzeigen auf Kurzarbeit wieder stärker, im Dezember auf die Höchstmarke von 36.913 Beschäftigten in 2226 Firmen. "Durch Kurzarbeit erhalten viele Unternehmen und Betriebe eine Perspektive auf die Zeit nach Corona. Sie hat neben den Wirtschaftshilfen tausende Arbeitsplätze gesichert und Arbeitslosigkeit in der selben Höhe verhindert", bewerten , Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Gelsenkirchen und Anke Schürmann-Rupp, IAG) die Arbeitsmarktmaßnahmen positiv.

Mehr als 50 Arbeitslose kamen 2020 auf eine gemeldete Helfer-Stelle

Im Jahresverlauf wurden laut Arbeitsagentur 4780 freie Arbeitsstellen gemeldet, 19,2 Prozent (1138) weniger als noch 2019. Dennoch blieb trotz der Pandemie-Auswirkungen der Stellenbestand weiterhin hoch. Bis zum Jahr 2015 lag die durchschnittliche Stellenanzahl noch unter 1600. Jobchancen haben vor allem Fachkräfte. Mehr als 50 Arbeitslose kamen 2020 auf eine gemeldete Stelle auf Helferniveau, bei Fachkräften sind es gerade mal 5,4 Personen.

Die Unterbeschäftigung stieg gegenüber 2019 um 7,3 Prozent

Die Unterbeschäftigung erreichte im August mit 26.034 Personen ihre höchste Zahl. Menschen, die an Weiterbildungs- oder anderen arbeitsmarktpolitischen Programmen teilnehmen, gelten zwar nicht mehr als arbeitslos, aber weiterhin als unterbeschäftigt. Im Jahresschnitt waren 24.789 Personen betroffen, 7,3 Prozent mehr als 2019. Der Anteil der Arbeitslosen an der Unterbeschäftigung betrug 78,1 Prozent.

Fazit und Ausblick der Gelsenkirchener Arbeitsmarkt-Experten

„Das erste Pandemie-Jahr für den Gelsenkirchener Arbeitsmarkt bedeutete Stress. Doch hätte es schlimmer kommen können“, meinen die Experten der Arbeitsagentur und des Jobcenters.

Und 2021? Eine Prognose könne derzeit nicht gegeben werden, sind sich beide einig. Wichtig werde jedoch sein, dass die Pandemie während der Frühjahrsbelebung nicht erneut stark aufflamme.

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