Oberbürgermeister

Gelsenkirchener zollen Baranowskis Entscheidung viel Respekt

Montagabend kündigte Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski an, für die nächste Kommunalwahl nicht mehr als OB-Kandidat anzutreten.

Montagabend kündigte Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski an, für die nächste Kommunalwahl nicht mehr als OB-Kandidat anzutreten.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Voller Respekt reagiert die Gelsenkirchener Politik auf die Rückzugsankündigung des Oberbürgermeisters. Auch Klaus Haertel tritt nicht mehr an.

Soviel aufrichtiger Respekt wird Politikern bei ihrer Rückzugsankündigung selten gezollt: Aus allen Lagern sind Kommentare und Stellungnahmen zum angekündigten Rückzug von Frank Baranowski als Oberbürgermeister geprägt von Anerkennung für die Arbeit und auch seine Entscheidung.

Die SPD-Fraktion habe auf die Verkündung am Montag „geschockt und sprachlos“ reagiert, erklärt SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Haertel. „Er hat Übermenschliches geleistet für die Stadt, 60 bis 70 Stunden die Woche gearbeitet. Es ist ein großer Verlust, für die Partei und für die Stadt, aber ich kann seine Entscheidung verstehen.“ Tatsächlich will Haertel nun auch selbst nicht mehr für den Stadtrat kandidieren, wie er am Montag ebenfalls seiner Fraktion mitgeteilt habe; nach 22 Jahren im Parlament. Vorschläge für die Nachfolge werden nach der Geschäftsordnung im Führungsgremium der Partei erarbeitet. Mit Namen rechnet er allerdings erst in einigen Wochen. Am Dienstagabend tagt der Unterbezirksvorstand zum ersten Mal dazu.

Markus Töns: „Er ist das positive Gesicht Gelsenkirchens, auch in NRW und Berlin“

Markus Töns, für die Gelsenkirchener SPD im Bundestag in Berlin, hat die Rückzugsankündigung von Frank Baranowski am Montag nicht überrascht. In der vergangenen Woche habe er im Vier-Augen-Gespräch von den Überlegungen des Oberbürgerbürgermeisters erfahren. „Seine Entscheidung fordert großen Respekt. Er hat als OB viel bewegt, hat die Stadt positiv verändert. Seine Politik hat Großes geleistet, er war das positive Gesicht Gelsenkirchens auch in NRW und Berlin. Und es ist verständlich, dass er sich nun auf etwas anderes konzentrieren will. Natürlich stellt uns das vor ein Findungsproblem für die Nachfolge. Aber das werden wir ganz in Ruhe in den nächsten Wochen angehen. Ich bin zuversichtlich, dass wir einen guten Kandidaten finden werden für unsere tolle Stadt mit ihren Stärken und Schwächen.“ Für ihn selbst, so Töns, sei eine Kandidatur als OB kein Thema, seine Aufgaben sieht er weiterhin in Berlin.

SPD-Landtagsabgeordnete Heike Gebhard räumt ein, dass „es schwierig wird, so jemanden zu ersetzen. Aber wir können froh sei, ihn in diesen schwierigen Jahren gehabt zu haben und auch noch ein Jahr lang zu haben. Und ich bin auch zuversichtlich, dass wir für diese reizvolle Aufgabe in unserer reizvollen Stadt einen geeigneten Kandidaten für die Nachfolge finden.“

Wolfgang Heinberg: „Frank Baranowski ist jemand, mit dem man streiten kann“

Wolfgang Heinberg zollt dem Oberbürgermeister im Namen der CDU-Fraktion Respekt für die Entscheidung und deren Gründe, aber auch für seinen „großen Einsatz, mit dem er in den vergangenen 15 Jahren für die Stadt Gelsenkirchen gearbeitet“ habe. Er sei „in besonderer Weise präsent in der Stadtgesellschaft“, habe es verstanden, Verwaltung und Anliegen eine Stimme und ein Gesicht zu geben. Politisch und inhaltlich sei man zwar oft nicht einer Meinung gewesen. Baranowski sei aber jemand, mit dem man streiten könne. Und nach jedem Streit habe man unter Demokraten wieder miteinander reden können.

Das Wort „Respekt“ fällt auch in der Stellungnahme des Grünen-Fraktionsvorsitzenden Peter Tertocha mehrfach. Respekt vor der Entscheidung und auch seinen Leistungen. Auch wenn Baranowskis Diskussionsstil anstrengend sei, so sei auch er aber stets geprägt von gegenseitigem Respekt. Die stellvertretende FDP-Kreisvorsitzende Susanne Cichos spricht gar von einer Ära, die zu Ende gehe:„Der Verzicht hat mich überrascht. Persönlich möchte ich Frank Baranowski für sein Engagement danken. Trotz vieler inhaltlicher Differenzen erkennen wir seine Arbeit für unsere Stadt an. Eine Ära geht zu Ende.“

Lukas Günther: „Die Entscheidung zeugt von Größe und Selbstreflexion“

Bildungsdezernentin Annette Berg bedauert „sehr, dass Herr Baranowski nicht wieder als Oberbürgermeister-Kandidat antritt, ich kann seine Entscheidung jedoch gut nachvollziehen. Sein persönliches und politisches Engagement für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit waren und sind unter anderem meine Motivation, als Beigeordnete für Bildung und Jugend etc. sein Team in Gelsenkirchen zu unterstützen.“ Sie freue sich darauf, bis zum Oktober mit ihm weiter an der Sicherung von Zukunftschancen für Kinder und Jugendliche zu arbeiten „und diese Zielrichtung in Gelsenkirchen auch langfristig zu verstetigen“.

Und die langjährige AUF-Ratsfrau Monika Gärtner-Engel kommentiert: „Ein mutiger Schritt von Herrn Baranowski! Seine Leitlinie besser gehen, wenn die Leute ‘schade’ sagen, kann ich aus jüngster eigener Erfahrung nur positiv bestätigen. Zudem kommen auf die SPD in Gelsenkirchen harte Zeiten zu: Verlust der absoluten Mehrheit, Wirtschaftskrise, verschärfte Verschuldungskrise der Kommunen. . .“ Der Vorteil bei AUF sei, dass der Stabswechsel einvernehmlich und mit einem tollen Nachfolger vollzogen sei.

„Größe und Selbstreflexion“ zeige die Entscheidung von Frank Baranowski, die er jedoch sehr bedauere, betont Lukas Günther, Sprecher der Jusos im Land und im Rat Nachfolger von Günter Pruin. Er sei jedoch auch dankbar für das, was der OB noch gerade angestoßen habe wie die Vernetzte Stadt. Und er sei überzeugt, dass Baranowski auch bis zuletzt mit voller Kraft arbeiten werde.

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