Gastronomie

Gewerkschaft NGG warnt vor Kneipensterben in Gelsenkirchen

Die NGG empfiehlt: „Statt das Feierabendbier zu Hause zu trinken, kann man einfach mal wieder in die Kneipe gehen. Das macht Spaß und ist geselliger.“

Die NGG empfiehlt: „Statt das Feierabendbier zu Hause zu trinken, kann man einfach mal wieder in die Kneipe gehen. Das macht Spaß und ist geselliger.“

Foto: Roland Weihrauch / picture alliance / dpa

Gelsenkirchen.  Jede fünfte Gaststätte hat binnen zehn Jahren geschlossen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt vor einem Kneipensterben.

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Innerhalb von zehn Jahren haben 76 Gastro-Betriebe in Gelsenkirchen geschlossen. Zwischen 2007 und 2017 hat damit jede fünfte Gaststätte, Kneipe oder Eisdiele zugemacht. Zuletzt zählte die Stadt 292 gastronomische Betriebe, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt. Die Gewerkschaft beruft sich hierbei auf Zahlen des Statistischen Landesamts – und warnt vor einem weiteren Kneipensterben.

„Vom Fußballabend in der Bar bis zum Grünkohlessen mit dem Sportverein – die Gastronomie steht für ein Stück Lebensqualität“, sagt NGG-Gewerkschaftssekretär Adnan Kandemir. Mit den Betriebsschließungen stehe nicht nur ein wichtiger Teil der Alltagskultur auf dem Spiel. Es seien auch etliche Arbeitsplätze in der Region in Gefahr.

Harte Arbeitsbedingungen in der Branche

Kandemir macht für den Trend unter anderem die harten Arbeitsbedingungen in der Branche verantwortlich. „Nachts und am Wochenende hinterm Tresen zu stehen, das wollen viele nicht mehr. Deshalb hat die Branche schon heute mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen“, so der Gewerkschafter. Ein entscheidendes Mittel gegen das „Gastro-Sterben“ sei laut NGG deshalb, die Branche bei Löhnen und Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Mit einem Tarifvertrag, der NRW-weit für alle Restaurants und Gaststätten gilt, habe man hier „einen wichtigen Schritt“ gemacht. Allerdings müssten sich noch viel mehr Gastronomen daran halten.

Aber auch den Wirten selbst fehle oft ein Nachfolger, um den Betrieb weiterzuführen, so Kandemir. „Außerdem müssen sich die Gastronomen gegen Pleiten absichern. Dazu gehört das nötige betriebswirtschaftliche Know-how. Genauso aber originelle Ideen, wie man eine Gaststätte zum Treffpunkt für junge Leute macht.“

NGG sieht Verbraucher in der Verantwortung

Die Gewerkschaft NGG sieht dabei auch die Verbraucher in der Verantwortung. „Statt das Feierabendbier zu Hause zu trinken, kann man einfach mal wieder in die Kneipe gehen. Das macht Spaß und ist geselliger“, so Kandemir weiter.

In ganz Nordrhein-Westfalen ging die Zahl der Gastro-Betriebe nach Angaben des Statistischen Landesamtes seit 2007 um gut elf Prozent zurück. Von damals rund 28.000 Restaurants, Kneipen und Gaststätten waren im vorletzten Jahr nur noch 24.900 geöffnet.

>>> Leserfrage: Gibt es sie noch, Ihre Lieblingskneipe?

Letzte Runde, für immer: Das gilt in immer mehr Gastro-Betrieben. Hat die klassische Eckkneipe, die Gaststätte im Wohnviertel, der Ort gemeinsamer Feiern von Kommunion bis Goldhochzeit ausgedient: Gibt es die noch? Ist sie noch Treffpunkt für Sie? Oder hat sich das alles überlebt in Zeiten von standardisierten Restaurant-Ketten, Pizza-Buden und Döner-Läden? Schreiben Sie uns Ihre Meinung oder berichten sie von Ihrer Lieblingskneipe – gerne per E-Mail an redaktion.gelsenkirchen@waz.de

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