Musiker, Poet, Clown

Herman van Veen altvertraut und taufrisch im Musiktheater

Altvertraut entwickelt sich der Sänger Herman van Veen (hier bei einem früheren Auftritt) stets weiter. „Neue Saiten“, sein aktuelles Programm,  lässt größeren Raum für reine Instrumentalstücke. Im Gelsenkirchener Musiktheater zeigte sich der 74-Jährige gut bei Stimme und prächtig in Form

Altvertraut entwickelt sich der Sänger Herman van Veen (hier bei einem früheren Auftritt) stets weiter. „Neue Saiten“, sein aktuelles Programm, lässt größeren Raum für reine Instrumentalstücke. Im Gelsenkirchener Musiktheater zeigte sich der 74-Jährige gut bei Stimme und prächtig in Form

Foto: Sebastian Konopka

Gelsenkirchen.   Der Musiker und Poet Hermann van Veen zieht im Gelsenkirchener Musiktheater „Neue Saiten“ auf. Sein Publikum wärmt er auch mit alten Songs.

Ein gigantischer Truck vor der Bühnenrampe am Musiktheater im Revier dokumentierte unübersehbar: Herman van Veen zieht „Neue Saiten“ auf. Der niederländische Liedermacher, Musiker und clowneske Poet gastierte am Donnerstagabend mit seiner aktuellen Show passend zum neuen Album im prall gefüllten Opernhaus.

Die mit jeder Menge Instrumenten, Mikros und Scheinwerfern üppig dekorierte Bühne erklärte den Truck vor der Tür. Denn der 74-Jährige Chansonnier trat nicht allein auf, sondern gemeinsam mit seiner ausgezeichneten, vielseitigen, vierköpfigen Combo.

Gut bei Stimme und gut in Form

Auch wenn das Programm „Neue Saiten“ übertitelt ist, bleibt sich der Künstler live absolut treu. In einer Mischung aus melancholischen, nostalgischen, philosophischen, augenzwinkernden Liedern, mal wie zu Beginn auf Niederländisch, mal in französischer, meist in deutscher Sprache, interpretiert van Veen Songs der neuen CD. Und beweist: Er ist noch immer gut bei Stimme. Und, das scheint er sich demonstrativ selbst beweisen zu wollen, auch gut in Form: Mal streift er die Schuhe ab und tänzelt in roten Socken leichtfüßig über die Bühne, mal lässt er die Hüften lasziv kreisen, mimt dann den rückengeplagten Greis.

Ab und zu, aber leider zu wenig, singt er auch für seine mit ihm ergrauten Fans einen vertrauten Song wie „Anne“ oder Jacques Brels wunderbares „Mijn vlakke Land“. Diese Lieder ziehen noch immer, das kenntnisreiche Publikum klatscht schon beim ersten Ton. Später wird es in einem neuen Chanson heißen: „So gut, wie es früher war, ist es früher nie gewesen.“

Begleitung durch ein hochkarätiges Quartett

Ein zärtliches Gefühl, das hat Herman van Veen noch immer, das spiegelt sich auch in den neuen Liedern wider, wenn er Liebe („Was fast Verrücktes“), Toleranz, Freundschaft, Familienbande besingt. Neue Seiten zieht Herman van Veen musikalisch auf, wenn er den Fokus auf zahlreiche Instrumentalstücke richtet, bei denen er sich auf sein hochkarätiges, spielfreudiges Quartett aus Gitarristin Edith Leerkes, Geigerin und Sängerin Jannemien Cnossen, Perkussionistin und Sängerin Wieke Garcia und Bassist Kees Dijkstra verlassen kann. Jeder bekommt die Chance zum virtuosen Solo-Auftritt im Rampenlicht. Am Ende durften sie alle effektvoll die Trommel schlagen, glitzernder Reisregen inklusive.

Parodie auf die minutenlangen Bühnentode

Seine diesmal kürzeren Zwischenmoderationen sind mal tiefgründelnd, mal hintergründig, oft mächtig kalauernd und auch mal deftig, wenn er sich an den Vater erinnert, der nach Schlafzimmererfolgen die Nationalhymne schmetterte. Lacherfolge bei den meisten allemal. Und selbst im Opernhaus scheut er eine witzige Parodie auf die minutenlangen Bühnentode nicht: „Wie schön könnte die Oper sein, wenn es keine Sänger gäbe.“

Selbst ernannter „holländischer Clown mit Glatze“

Nach fast drei Stunden kurzweiligen Entertainments sagte Herman van Veen, der selbst ernannte „holländische Clown mit Glatze“, seinen Spruch auf, mit dem er sich am Ende seit Jahren charmant vom Publikum verabschiedet: „Fahren Sie vorsichtig, bleiben Sie gesund, dann sehen wir uns in zwei, drei Jahren in Gelsenkirchen wieder.“

>>>>> Sänger erhielt Bundesverdienstkreuz

  • Hermannus Jantius van Veen, Jahrgang 1945, wurde in Deutschland mit dem Lied „Ich hab’ ein zärtliches Gefühl“ (1973) bekannt, zudem ist er geistiger Vater der Zeichentrick-Ente Alfred Jodocus Kwak.


  • In über 40 Jahren hat van Veen über 60 Bücher und fast 140 Tonträger veröffentlicht. 1999 erhielt er das Bundesverdienstkreuz

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