Schalker Fanprojekt

Schalker Fanprojekt: 25 Jahre Einsatz für Vielfalt

Markus Mau (Leiter des Schalker Fanprojekts) begrüßt im VIP-Raum „Hagedorns" in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen die Gäste des Festaktes zum 25-jährigen Bestehen des Schalker Fanprojektes.

Markus Mau (Leiter des Schalker Fanprojekts) begrüßt im VIP-Raum „Hagedorns" in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen die Gäste des Festaktes zum 25-jährigen Bestehen des Schalker Fanprojektes.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Erle.  Die Bedeutung reicht weit über Schalke 04 und Fußball hinaus: Seit nunmehr 25 Jahren arbeitet das Schalker Fanprojekt gegen Rassismus und Gewalt.

Rassismus und Gewalt erlebten in den 1980er-und 1990er-Jahren im Fußball einen Höhepunkt. Auch wenn der Tatort wechselt – aus dem Alltag der Menschen sind sie aber beileibe nicht verschwunden, wie der jüngste Anschlag in Halle an der Saale auf so entsetzliche Weise gezeigt hat. Umso größer die Bedeutung und das Gewicht, die dem Schalker Fanprojekt mit seiner politischen und sozialen Bildungsarbeit mit Fußballfans zukommen. Im Jubiläumsjahr, zum 25-jährigen Bestehen, erhielt das blau-weiße Engagement das Qualitätssiegel der Frankfurter Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS).

Zur Feierstunde im Hagedorns auf Schalke hoben denn auch die Festredner – Andreas Bothe, Staatssekretär im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, S04-Finanzvorstand Peter Peters und Jürgen Deimel von Gelsensport als Träger des Projektes, die überragende Bedeutung und Unverzichtbarkeit solcher Projektarbeit heraus. „Ohne Fußball und Fans ist dieses Land nicht vorstellbar, der Fußball und das Projekt öffnen Zugänge zu vielen Menschen und Zielgruppen, die sonst nur schwer oder gar nicht zu erreichen sind“, erklärte Bothe, der Schalke für sein langjähriges Engagement und Durchhaltevermögen im „Kampf für Vielfalt“ dankte.

Fokus der Bildungsarbeit reicht über den Sozialraum Fußball hinaus

KOS-Leiter Michael Gabriel nahm den roten Faden auf und nannte aus dem Fußball die „50+1-Regel“ als Beispiel dafür, welche Tragweite die soziale und politische Arbeit solcher Fanprojekte wie das der Schalker hat. Der Fokus dieser Arbeit richte sich nämlich nicht nur auf den Sozialraum Fußball, sondern sie wirke bis in die Gesellschaft hinein. „Jugendliche lernen so die demokratische Mitbestimmung kennen. Zur Erklärung: Die Regel verhindert, dass Kapitalanleger die Stimmenmehrheit in von Fußballvereinen gegründeten Kapitalgesellschaften übernehmen, in die üblicherweise Profimannschaften ausgegliedert werden.

Mit Blick auf den rechten Terror in Halle hob Gabriel hervor, dass eines der Opfer Fan des Halleschen FC war. Jener Verein, der vor fünf Jahren noch den Julius Hirsch-Preis des Deutschen Fußball Bundes (DFB) gewonnen hat. Mit ihm erinnert der DFB seit 2005 jährlich an den deutsch-jüdischen Fußball-Nationalspieler Julius Hirsch (1892 – 1943) und an alle, insbesondere die jüdischen Opfer, des nationalsozialistischen Unrechtsstaates. Gabriel: „Das Qualitätssiegel für das Schalker Fanprojekt und all die anderen bürgt dafür, dass finanzielle Hilfe von Unterstützern für Bildungsarbeit verwandt wird."

Projekt holt Fans in ihrer Lebenswelt ab

Sozialpädagogen wie Markus Mau als Leiter des Schalker Fanprojektes und sein Team bilden dabei die Bindeglieder zwischen Verein und jenen Fans, die abseits des Fußballrasens Unterstützung und Orientierungshilfe brauchen. Etwa bei der Wohnungs- und Ausbildungsplatzsuche oder in Sachen Drogenberatung. Darüber hinaus sind Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit, Sexismus bis hin zu Rassismus und Extremismus nur einige von vielen Themen, denen sich das Projekt in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern wie dem NRW-Familienministerium, der Stadt Gelsenkirchen, Gelsensport oder auch der hiesigen Jüdischen Gemeinde und vielen mehr widmet.

In Zeiten wie diesen, mit immer stärker und aggressiver auftretendem Populismus und rechten Terrorakten, wichtiger denn je.

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