Sinfoniekonzert

Sinfoniker bescheren Gelsenkirchenern vollendete Harmonie

Die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen bescherten ihrem Publikum einen Abend in vollendeter Harmonie.

Die Musiker der Neuen Philharmonie Westfalen bescherten ihrem Publikum einen Abend in vollendeter Harmonie.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  „Optimismus in D“ stand auf dem Programm des Sinfoniekonzertes im Musiktheater Gelsenkirchen. Die Neue Philharmonie versprach damit nicht zuviel.

Musik kann aufrütteln, nachdenklich stimmen, große Gefühle nachdichten oder einfach nur glücklich machen – so geschehen zum 2. Sinfoniekonzert der Neuen Philharmonie Westfalen am Montag im Musiktheater im Revier. Wie treffend der Titel „Optimismus in D“, versprühten doch die drei Werke durchweg positive Energie. „Diese Tonart wirft Feuer in die Herzen“, schrieb Abbé Vogler, ein Zeitgenosse von Wolfgang Amadeus Mozart.

Mit der Ouvertüre zur „Le nozze di figaro“ des Salzburger Wunderkindes startete Gastdirigent Georg Fritzsch den Abend, ein rauschendes, locker flockiges Lebensgefühl nahm Besitz vom nahezu vollbesetzten großen Haus, die Sinfoniekonzerte erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Solist des Abends war Manuel Bilz mit dem Konzert für Oboe und kleines Orchester von Richard Strauss. „Es ist eigentlich das einzige große romantische Solo-Werk für mein Instrument“, so Bilz, der sich mit zwölf Jahren in die Oboe „verliebt“ hat, als er seinen Vater eine Bach-Kantate spielen hörte. Obwohl, oder vielleicht weil Strauss dieses Konzert erst 1945, kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs schrieb, ist es „romantischer“ als viele seiner Werke, eine Flucht in eine untergegangene heile Welt.

Märchenhafte Melodiebögen mit Präzision und Herz

Gleich zu Beginn, ohne viel Umschweife, ertönte anhaltend und vordergründig der entrückende Klang des Holzblasinstruments. Bilz malte die märchenhaften Melodiebögen mit Präzision und Herz in den Raum, diese Musik zeichnete Landschaften von opulenter Schönheit, wie göttergleiche Spielwiesen der griechischen Mythologie. Fritzsch ließ die drei Sätze ohne Unterbrechung laufen, das Orchester verschmolz mit dem Solisten in den Crescendo-Passagen, zeigte beeindruckende Dynamikwechsel. Dann wieder unglaubliche „pianissimi“ der Oboe, das Hier und Jetzt zerfloss in eine überirdische Sphäre.

Perfekter Anschluss mit Johannes Brahms

Die Fantasiewelt der Töne fand ihren perfekten Anschluss nach der Pause mit der Sinfonie Nr. 2 D-Dur von Johannes Brahms. Schwelgerische Streicher, der wohlig sonore Klang der Violoncelli kam direkt aus der Mitte. Erst jetzt wurde wirklich bewusst, dass Fritzsch eine ungewohnte Orchesteraufstellung gewählt hatte, als gelernter Cellist eine besondere Beziehung zu dieser Instrumenten-Sektion hat. Ein gefühlvolles Dirigat aller Streicher, mit flacher, zärtlicher Hand fast die hundertfachen Saiten liebkosend. Brahms setzt aber auch Glanzpunkte bei den Bläsern, die von der Neuen Philharmonie bestens interpretiert wurden. Horn, Oboe, Flöte, sie alle tragen Themen, die in Kaskaden des vollen Orchesterklangs münden. Von opulenter Fülle der vierte Satz mit einem grandiosen Finale setzten den Schlusspunkt unter einen Abend voller Harmonie.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben