Kultur

Vorsingen im Musiktheater für den Traumjob an der Oper

Sarah Mehnert ist eine von zehn Bewerbern beim Vorsingen der ZAV Künstlervermittlung im Musiktheater.

Sarah Mehnert ist eine von zehn Bewerbern beim Vorsingen der ZAV Künstlervermittlung im Musiktheater.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Gelsenkirchen.   Ein etwas anderes Bewerbungsverfahren fand jetzt in Gelsenkirchen statt: Zehn Profisänger stellten sich Opernchefs aus ganz Deutschland.

Im Musiktheater im Revier fand ein ganz besonderes Bewerbungsverfahren statt: Anstatt sich durch Worte zu beweisen, wurde gesungen. Zehn junge Opernsängerinnen und -sänger aus acht Nationen präsentierten in einem öffentlichen Konzert vor Fachpublikum und potenziellen Arbeitgebern aus ganz Deutschland einen Querschnitt ihres Könnens.

Eingeladen hatte die zentrale Auslands- und Fachvermittlung, eine Einrichtung für Künstler der Bundesagentur für Arbeit (ZAV). Die Gesangstalente waren zuvor europaweit an Musikschulen und Opernstudios von der Künstlervermittlung entdeckt worden. Bei einer fünftägigen Vorrunde mit 80 Teilnehmern konnten sie sich bereits im März in München gegen andere Bewerber durchsetzen. Dadurch, dass man an bundesweit 24 Musikschulen und sechs Konservatorien einen Abschluss in Gesang erwerben kann, aber die zu vergebenen Jobs in dem Bereich rar sind, ist der Druck hoch und der Weg zum Solisten meist mühsam.

Bewertet werden Stil, Disziplin und Bühnenpräsenz

Von Aufregung war jedoch bei dem Konzert für den Zuhörer nichts zu spüren.

Klangvoll, mal lauter, mal leiser, mal höher, mal tiefer hörte man die unterschiedlichen Stimmen durch das große Haus des Theaters schallen. Durch jeweils zwei Gesangbeiträge wurde um die Gunst der Arbeitgeber, Vertreter von renommierten Musiktheatern und Opern in ganz Deutschland, geworben. Erstmals fand die Veranstaltung in Gelsenkirchen statt.

Natürlich präsentierte sich jeder Kandidat von seiner besten Seite. Wolf Borchers, ZAV-Arbeitsvermittler für den Bereich Musiktheater, erklärte, worauf es ankommt, um besonders zu überzeugen: „Bewertet wird die technische Sicherheit, ob die Person den Atem halten kann, im Rhythmus bleibt und der Zuhörer den Text versteht.“ Weiter sei ein musikalisches Stilgefühl, Disziplin, Bühnenpräsenz und die Individualität entscheidend. Der Arbeitsvermittler ergänzt: „Eiserne Nerven gehören natürlich auch dazu.“

Damen in Kleidern, Herren im Anzug

Sängerinnen und Sänger hatten sich, wie für ein ganz normales Bewerbungsgespräch, fein herausgeputzt – auch wenn die weiblichen Kandidaten meist lange Kleider und funkelnden Schmuck anstatt Blazer und Bluse trugen. Die Herren präsentierten sich durchweg im Anzug.

Unterstützung erhielt der Opernnachwuchs am Flügel. Ulrich Pakusch, Yoshiko Hashimoto und Bernhard Stengel griffen im Wechsel in die Tasten. Um sich von ihrer besten Seite zu präsentieren, nutzten die Sänger Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart, Georg Friedrich Händel, Otto Nicolai, Sergey Rachmaninoff, Giacomo Puccini oder Jaques Offenbach. Die Auftritte waren so angeordnet, dass sich die Musikstücke stilistisch sinnvoll aneinanderreihten.

Viele tolle Stimmen

Zu den potenziellen Arbeitgebern gehörte unter anderem Alexander Reschke. Der Operndirektor am Saarländischen Staatstheaters: „Ich suche zwar nicht speziell, aber mache mir Notizen zu den einzelnen Künstlern. Das ist hilfreich, falls etwas bei uns frei wird.“

Die Nachwuchsveranstaltung, die übrigens einmal im Jahr stattfindet, habe er mit Begeisterung bereits in Dresden und Kaiserslautern besucht. Auch Privatleute hatten freien Eintritt zu dem fast dreistündigen Konzert. Marleen Vangerwen: „Für mich ist das eine interessante Veranstaltung, weil ich selbst auch mal im Chor gesungen habe“, verrät die Gelsenkirchenerin. Rolf Schütz ließ sich das Konzert zusammen mit Renate Höhmann ebenfalls nicht entgehen. „Bei den vielen tollen Stimmen kann man gar nicht sagen, wer besser ist“, so der Gelsenkirchener, der sich als Opernfan outet, selbst Rock’n roll spielt und im Chor singt.

>>>>Mancher Bewerber hat Weltkarriere gemacht

  • Die ZAV-Künstlervermittlung vermittelt auch darstellende Künstler sowie Bewerber aus künstlerisch-technischen Berufen rund um Bühne und Kamera. Mehr unter: www.zav-kuenstlervermittlung.de
  • Seit mehr als 25 Jahren ist das „ZAV-Nachwuchsvorsingen Oper“ eine feste Größe in der Musiktheaterszene. Inzwischen haben viele Teilnehmer früherer Jahrgänge Weltkarrieren gestartet. Darunter: Nadja Michael, Maximilian Schmitt, Hellen Kwon, David Steffens, Tobias Kehrer und Hanna Elisabeth Müller.

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