Chöre im Süden

Zwei Gelsenkirchener Chöre singen in einer Gemeinschaft

Die Mitglieder von der Chorgemeinschaft St. Joseph Schalke und Heiligste Dreifaltigkeit Haverkamp proben im Haus Eintracht in Gelsenkirchen-Schalke.

Die Mitglieder von der Chorgemeinschaft St. Joseph Schalke und Heiligste Dreifaltigkeit Haverkamp proben im Haus Eintracht in Gelsenkirchen-Schalke.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen-Bismarck/-Schalke.  Warum die Sänger aus der Kirchengemeinde St. Joseph und aus der Heiligsten Dreifaltigkeit Haverkamp schon seit Jahren schon zusammen singen.

„Am Anfang war es keine Liebesehe“, sagt Bernd Sägebarth-Backwinkel und meint die Zusammenarbeit der Kirchenchöre aus St. Joseph in Schalke und Heiligste Dreifaltigkeit Haverkamp in Bismarck. „Aber mit der Zeit ist aus einer Zweckgemeinschaft eine echte Gemeinschaft geworden.“ Werte wie Vertrauen und Zuneigung können eben auch wachsen. Und das ist spürbar im Gespräch. Die Sänger haben sich ihre eigene Chorhistorie bewahrt und freuen sich dennoch am Miteinander.

Das beeindruckt auch klanglich – eine Kostprobe ist natürlich inklusive beim Probenbesuch. Schon der einfache Kanon „Lobet den Herrn“ offenbart die stimmliche Qualität der 36 Sänger, die stets auf Zuwachs hoffen, und beeindruckt mit kraftvollen Männerstimmen. Das ist heutzutage etwas Besonderes, singende Herren mit sonoren Organen nämlich sind für gewöhnlich Mangelware.

Eingetragene Chorgemeinschaft seit 2015

Schon lange bevor sich beide Chöre zusammentun, hat man Berührungspunkte. „Man kannte sich von Choraktionen, hatte auch mal gemeinsame Auftritte“, erzählt Chorsprecherin Martina Mehlmann. An einen erinnert sie sich besonders: „Als am 2. Mai 1987 der Papst hier war.“

Im Jahr 2012 verliert ihr Chor aus dem Haverkamp die Chorleiterin. Ein halbes Jahr habe man sich dennoch weiterhin getroffen. Dann wird klar, es muss ein neuer Leiter her.

Walter Ignatowski, selbst schon aktiv in St. Joseph, wird darum gebeten, das Amt zu übernehmen. Seine Bedingung: Die Probentermine werden zusammengelegt. Nach zwei gemeinsamen Jahren wird es dann auch offiziell: „Seit 2015 sind wir eine eingetragene Chorgemeinschaft.“ – „Trotzdem sind die Chöre eigenständig“, betont Angelika Paletta. Beide Chöre aufzulösen und einen neuen zu gründen, das hätte die jeweiligen Traditionen verloren gehen lassen. Schließlich gibt es den Schalker Kirchenchor schon 139 Jahre, den Bismarcker ganze 98 Jahre.

Trinkabend an jedem letzten Mittwoch im Monat

Eine lange Zeit, von der Else Bitter viel miterlebt hat, allein über 50 Jahre als aktive Sängerin. Ein paar Jahre, verrät sie, habe sie vielleicht auch unter den Tisch fallen lassen. „Wir hatten in St. Joseph viele große Konzerte, haben sogar einmal im Rundfunk gesungen“, erinnert sie sich gern an musikalische Höhepunkte – und gemeinschaftliche. „Jeder war immer da für seinen Chor.“

Weil die Mitglieder älter werden, haben die gemeinsamen Unternehmungen etwas nachgelassen, berichten alle unisono. „Aber jeden letzten Mittwoch im Monat haben wir unseren Trinkabend.“ Nach der Probe, versteht sich. Dann werde es schon mal spät.

Zwei Chöre zu verbinden, das bedeutet auch, für zwei Kirchen zuständig zu sein. Für die Sänger heißt das doppeltes Engagement, für den Chorleiter gewisse Einschränkungen in Sachen Literatur. „Bei mir geht die weltliche Literatur meist unter, weil wir so wenig Zeit haben.“ Zudem pflege man auch eine gute Zusammenarbeit mit einem Marler Chor und einem aus Herne. Da helfe man schon mal aus bei großen Chorwerken.

Kirche St. Joseph schließt zum Jahresende

Dass diese Doppelbelastung demnächst ein Ende hat, das ist im Kern für die Sänger eine traurige Sache. Zum Jahresende wird die Kirche St. Joseph geschlossen. Beim letzten Gottesdienst an Silvester singt die Chorgemeinschaft natürlich – und nimmt musikalisch Abschied. Ein schmerzlicher Moment. Danach wäre vielleicht Zeit zum Einstudieren des einen oder anderen weltlichen Stückes. Wobei, das stellt Bernd Sägebarth-Backwinkel noch klar, man ohnehin nicht nur Althergebrachtes singe. „Unser Repertoire ist zur Hälfte klassisch, zur anderen Hälfte besteht es aus Neuem Geistlichen Liedgut. Denn bei einer Konfirmation holt man heute keinen mehr mit dem Ave verum hinterm Ofen hervor.“

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