Krieg in Syrien

Gladbecker fürchtet um Menschen im syrischen Kriegsgebiet

Ein Lichtblick in kriegerischen Zeiten: Das Gesundheitszentrum, das 177 Freiwillige aus zwölf Ländern errichtet haben, besteht seit drei Jahren. Das wurde gefeiert

Ein Lichtblick in kriegerischen Zeiten: Das Gesundheitszentrum, das 177 Freiwillige aus zwölf Ländern errichtet haben, besteht seit drei Jahren. Das wurde gefeiert

Foto: Jörg Weidemann

Gladbeck.  Jörg Weidemann berichtet über aktuelle Lage in der Kriegsregion. Dort errichteten Freiwillige wie der Gladbecker ein Gesundheitszentrum.

Sieht und hört Jörg Weidemann Nachrichten von der Offensive der Türkei in Nordsyrien, verfolgt er die Geschehnisse nicht nur aufmerksam als politisch interessierter Mensch. Der Sprecher der Gladbecker MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands) ist ob der Bilder schwerer Kämpfe „empört und berührt“. Hat der 51-Jährige doch eine besondere Verbindung zur Stadt Kobanê: Im Jahre 2016 beteiligte er sich mit seiner Lebensgefährtin Nicole Hadert am Aufbau eines Gesundheitszentrums. „Wie ist die Lage vor Ort?“, will die WAZ von Jörg Weidemann wissen.

Der Gladbecker berichtet: „Wir wissen, dass Kobanê und die umliegenden Dörfer bombardiert werden.“ Krankenhäuser und Krankentransporte seien ebenfalls attackiert worden. „Sie werden von türkischen Soldaten und syrischen Söldnern beschossen“, erzählt Weidemann.

„Das Gesundheitszentrum ist bisher nicht getroffen worden, es steht noch. Und es wird dort auch gearbeitet.“ Noch, müsste man vielleicht sagen. Denn die Situation ist explosiv. „Die letzten US-Soldaten sind am Mittwoch abgerückt. Die russische Militärpolizei ist in Kobanê.“ Nach Weidemanns Informationen sei eine Trafo-Station unter Beschuss geraten, so dass „für Stunden die Stromversorgung im städtischen Krankenhaus ausgefallen ist“. Bewohner ergriffen die Flucht.

Über die Internationale Koordination revolutionärer Parteien und Organisationen (ICOR) halten die Gladbecker laut Weidemann den Kontakt zu „ihren Freunden“ in der nordsyrischen Stadt. Der 51-Jährige erzählt: „Das Gesundheitszentrum wurde dem kurdischen Halbmond in diesem Jahr übertragen.“ Aber die Arbeit erhalte weiter Unterstützung von der ICOR. Rund 50 Menschen arbeiten in dem Zentrum: Ärzte und Pflegepersonal.

Die Einrichtung sei zu einer Geburtsklinik entwickelt worden. „Dafür gab’s einfach einen großen Bedarf“, erläutert Jörg Weidemann. In der Stadt und Region existieren zwar mehrere Krankenhäuser. Aber: keine Adresse, an die sich Frauen beispielsweise im Falle von Geburtskomplikationen wenden könnten. Viele Mädchen und Jungen erblicken dort nach Weidemanns Informationen das Licht der Welt, die in kriegerischer Brutalität zu versinken droht.

„ICOR-Leute haben eine Solaranlage fertiggestellt“

Das Thema „Nachhaltigkeit“ habe beim Aufbau des Gesundheitszentrums eine wichtige Rolle gespielt, unterstreicht der Gladbecker. Und meldet einen Fortschritt: „2019 haben ICOR-Leute eine Solaranlage fertiggestellt.“ Doch Freude darüber mag angesichts der politischen Entwicklung in diesem Land nicht aufkommen.

Jörg Weidemann: „Erdoğan möchte das Gebiet der Türkei ausweiten“

Weidemann: „Ich bin mir im Klaren, was Erdoğan will. Er möchte das Gebiet der Türkei ausweiten, ethnische Säuberung betreiben und dann dort syrische Menschen ansiedeln.“ Damit schüre Erdoğan neue Provokationen. „Dort leben multiethnisch viele Menschen zusammen“, so Weidemann. Er nennt einige der Bevölkerungsgruppen: „Aramäer, Türkmenen, Araber, Assyrer, Jesiden.“

Der 51-Jährige sieht (derzeit) keinen Sinn darin, Hilfstransporte in das Kriegsgebiet auf den Weg zu bringen. „Wir würden damit gar nicht dorthin durchkommen“, meint Weidemann. Er ist überzeugt: „Das „Wichtigste ist im Moment, den Krieg zu stoppen.“ Und Solidarität mit der Bevölkerung in dem Kriegsgebiet zu bekunden. Das hat die Gladbecker MLPD in der vergangenen Woche in der Innenstadt getan – und „wir stehen in Beratung, ob wir hier weitere Aktionen durchführen“.

Weidemann kritisiert die deutsche Bundesregierung: „Sie müsste viel mehr Druck auf die Türkei ausüben, die Beziehungen abbrechen.“ Zahlungen sollten ebenso gestoppt werden wie kurzzeitig Rüstungsexporte.

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