Problemhaus

Ein Hochhaus an der Märker Straße wird zum Problemfall

Hausverwalter Richard Kujawa zeigt bei einer Hausbesichtigung den Sperrmüllberg auf der Dach des Hochhauses an der Märker Straße in Gladbeck.

Hausverwalter Richard Kujawa zeigt bei einer Hausbesichtigung den Sperrmüllberg auf der Dach des Hochhauses an der Märker Straße in Gladbeck.

Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck.   Die Liste der Sicherheitsmängel an der Immobilie ist lang. Das Bauordnungsamt hat dem Verwalter eine Frist gesetzt und droht mit Zwangsgeld.

Gleich neben der Haustür – in der eine Glasscheibe fehlt – , hat ein Mieter im Hausflur einen Satz Autoreifen deponiert. Auf fast jeder Etage haben Bewohner einen Teil ihres Mobiliars in den Hausflur ausgelagert. Schuhschränke stehen da, ein Tisch, sogar eine Waschmaschine.

Einige Haustüren zeigen Aufbruchsspuren

Das Flurlicht funktioniert längst nicht im ganzen Haus. Einige Fenster im Flur lassen sich, wegen fehlender Beschläge, nicht öffnen. Vor manchen Türen sind die Klingel- und Lichtschalter herausgerissen worden. Einige Wohnungstüren zeigen Aufbruchsspuren. Das Flachdach des Hochhauses dient als „Sperrmülldeponie“.

Die Mängelliste ließe sich noch lange fortführen, sie reicht von Zigarettenkippen überall im Hausflur bis zum defekten Aufzug, der schon seit 2017 stillsteht. Kurz: Das achtgeschossige Hochhaus Märker Straße 4 in Rosenhügel ist ein echter Problemfall.

Anfang September übernommen

Richard Kujawa weiß nicht, wo er anfangen soll, um das Haus in einen einigermaßen akzeptablen Zustand zu versetzen. Der 43-Jährige hat Anfang September die Verwaltung des Hauses übernommen, nachdem der vorherige Verwalter die Brocken entnervt hingeschmissen hatte.

Jetzt fühlt sich der neue Verwalter von der Stadtverwaltung unter Druck gesetzt. Das Bauordnungsamt hat ihm eine letzte Frist bis Ende dieses Monats gesetzt, um die sicherheitsrelevanten Mängel – es geht vorrangig um Brandschutz – zu beseitigen. Ansonsten droht ihm ein Zwangsgeld. Dabei beruft sich die Behörde auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2009.

Einige Sachen sind schon auf den Weg gebracht

Kujawa hat ein paar Sachen schon auf den Weg gebracht: einen Hausmeisterdienst installiert, einen Sortierdienst beauftragt, regelmäßig den Müll zu sortieren, der bisher völlig wahllos in den grauen Tonnen landet, Firmen um Kostenvoranschläge für die Reparatur des Fahrstuhl gebeten. Die konnten allerdings erst mit Verzögerung tätig werden, weil für die provisorische Tür, die nach einem Brand im Sommer den Zugang zu den beiden Obergeschossen mit dem Maschinenraum für den Aufzug versperrt, unauffindbar war.

Kujawa hat die Mieter mit Aushängen aufgefordert, das Treppenhaus frei zu räumen – ohne Resonanz. Genau das ist aktuell sein größtes Problem: „Was soll ich tun, wenn die Mieter nicht reagieren? Ich kann doch nicht fremdes Eigentum einfach entsorgen. Und wenn ich das gerichtlich klären lasse, dauert es Wochen oder Monate.“

Die Mängelliste des Bauordnungsamtes ist lang

Einige Punkte auf der langen Mängelliste des Bauordnungsamtes kann Kujawa nicht nachvollziehen. Dass Brandschutztüren im Keller fehlen, bestreitet er, die angeblich fehlende Lichtkuppel über dem Rauchabzug sei längst montiert. Die Folgen des Brandschadens könne er kurzfristig nicht beseitigen lassen, weil Versicherungen involviert seien.

Neben diesen aktuellen Problemen machen einige Wohnungseigentümer dem Verwalter Schwierigkeiten, weil sie Hausgeld und Rücklagen nicht bezahlen. Kujawa: „In der Kasse fehlen rund 90.000 Euro, es gibt Schulden bei der Stadt und der ELE, und der Investitionsstau am Gebäude summiert sich auf eine Viertelmillion Euro. Auch darum muss ich mich kümmern, deshalb brauche ich, um die Forderungen des Bauordnungsamtes zu erfüllen, ganz einfach mehr Zeit.“

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