Leben in Kleingärten (1)

Einblicke in die älteste Kleingartenanlage Gladbecks

Plausch am Gartentor: Vorsitzender Heiko Czapik und Schriftführerin Heidrun Kerkhoff in der Kleingartenanlage August Wessendorf.

Plausch am Gartentor: Vorsitzender Heiko Czapik und Schriftführerin Heidrun Kerkhoff in der Kleingartenanlage August Wessendorf.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Gladbeck.  Die Hobbygärtner in der Kleingartenanlage August Wessendorf sind experimentierfreudig. Neue WAZ-Serie stellt die Vielfalt in den Kleingärten vor.

Haben Sie schon mal schwarze Cocktailtomaten gesehen? Im Kleingarten von Heidrun Kerkhoff sind sie zu entdecken. „Ich probiere immer wieder Neues aus“, sagt die 48-jährige Schriftführerin des Kleingartenvereins August Wessendorf, gelegen an der gleichnamigen Stichstraße in der Nähe des Bahnhofs Ost, mit einem Lachen.

Es ist die älteste Kleingartenanlage der Stadt, wurde sie doch bereits 1931 gegründet, eben von dem Mann, dessen Namen sie heute trägt. Die Anlage besteht aus 25 Parzellen, deren jeweilige Größe sich zwischen 350 und 500 Quadratmetern bewegt. Sehr kinderfreundlich sei ihr Verein, sagt der 1. Vorsitzende Heiko Czapik, der vor acht Jahren eine Parzelle pachtete und seit zweieinhalb Jahren die Geschäfte führt: „Wir hatten damals kleine Kinder und keinen Garten, und hier waren wir willkommen.“

Kinder können in der Kleingartenanlage Wessendorf herumtoben

Die Zahlen sprechen für sich. Zu den 25 Parzellen gehören mehr als 20 Kinder, die hier im Sommer Fußball spielen und herumtoben können. Hinzu kommt der große öffentliche Spielplatz, der erst im vergangenen Jahr neu gestaltet und modernisiert wurde. Es ist ein buntes Paradies, das den Besucher erwartet, dabei ist fast jeder Garten individuell gestaltet, mal mehr, mal weniger Blumen, dafür dann prächtiges Gemüse, Apfel- und Pflaumenbäume.

„Früher waren die Regeln im Kleingartenwesen ja viel strenger“, erzählt Heidrun Kerkhoff, die ihren Garten in der dritten Generation bewirtschaftet. Und Schwiegermutter Maria Biernath (77) nickt zustimmend mit dem Kopf: „Die Parzellen waren damals genau aufgeteilt: ein Drittel Nutzfläche, ein Drittel Freizeitbereich und ein Drittel für die Laube und die Wege.“ Das wird heute nicht mehr so eng gesehen, was eben auch dazu führt, dass sich inzwischen immer mehr junge Familien hier niederlassen. „Vor einigen Jahren hat es einen richtigen Generationswechsel gegeben“, sagt Heiko Czapik, „viele Ältere haben ihren Kleingarten aufgegeben, und dann sind immer mehr junge Leute nachgezogen.“

Kleingartenkinder sind im Biologieunterricht im Vorteil

Heidrun Kerkhoff hat zwei Kinder, die in diesem Garten aufwachsen. „Im Sommer sind wir immer hier“, erzählt sie, „und unsere Kinder kennen sich gut aus in allem, was mit dem Garten zu tun hat.“ Besonders der siebenjährige Aaron hat großen Spaß und buddelt schon mal in der Erde, wenn er nicht gerade Fußball spielt. „Er bringt seine Freunde mit, die sich hier wohlfühlen“, freut sich die Oma und ist stolz auf ihren Enkel, der kürzlich im Teich der Parzelle mit einem Mikroskop „geforscht“ habe. Eines wird klar: Kleingartenkinder sind im Biologieunterricht in jedem Fall im Vorteil.

Früher waren Kleingärtner komplette Selbstversorger, aber auch heute noch haben Heiko Czapik und Heidrun Kerkhoff übers ganze Jahr eingelegte Gurken, Apfelmus und Obstsäfte. Stolz präsentiert die begeisterte Kleingärtnerin ihre Honigmelonen – „ein erster Versuch“, wie sie sagt. Das gleiche gilt für Süßkartoffeln, die „schwer im Trend“ lägen.

Das Vereinsheim bietet Platz für viele Feste

Neben der Gärtnerei spielt die Geselligkeit natürlich eine große Rolle. Das schmucke Vereinsheim bietet Platz für alle Anlässe vom Osterfest mit Eiersuchen für die Kinder bis zum Erntedank. Und in diesem Jahr ist der Kleingartenverein August Wessendorf zum ersten Mal auf dem Gladbecker Appeltatenfest vertreten. Womit? Apfelpfannkuchen natürlich.

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