Richterspruch

Gericht: Fluglehrer aus Gladbeck darf nicht mehr abheben

Ein Flugzeug auf dem Flugplatz Schwarze Heide, auf dem auch der Flugsportverein Gladbeck  beheimatet ist

Ein Flugzeug auf dem Flugplatz Schwarze Heide, auf dem auch der Flugsportverein Gladbeck beheimatet ist

Foto: Markus Weissenfels

Gladbeck.  Eine Vorstrafe wegen Veruntreuung ist entscheidend für Zweifel an der Zuverlässigkeit des Piloten. Das Verwaltungsgericht wies seine Klage ab.

Schon in seiner Jugendzeit war Johannes K. von der Fliegerei fasziniert. Als Privatpilot bildete der Gelsenkirchener unter anderem Kollegen im Flugsportverein Gladbeck aus. Dann verlor er durch einen Bescheid der Bezirksregierung 2017 die Lizenz. Dem 56-Jährigen sprach die Behörde die luftverkehrstechnische Zuverlässigkeit ab. Grund: Johannes K. war als Geschäftsführer eines Gladbecker Baumaschinen-Unternehmens vom Amtsgericht Gladbeck 2017 wegen Veruntreuung zu 900 Euro (90 mal 10 Euro Tagessätzen) verurteilt worden. Jetzt wies das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen seine Klage auf Aufhebung des Bescheides zurück. Er wird so auch weiterhin kein Flugzeug steuern dürfen.

Das Amtsgericht hatte bei seinem Urteil 152 Fälle von Veruntreuung zwischen 2008 und 2013 aufgelistet. Mitarbeiter der Baumaschinen Firma waren nicht zur Sozialversicherung angemeldet worden. Vor Gericht beteuerte der 56-Jährige, dass er auf Anraten des Steuerberaters nur pro forma vom Vater 2007 als Geschäftsführer eingesetzt worden sei. Die Geschäfte letztlich geführt habe aber sein Vater, er selbst nur Entsorgungsarbeiten erledigt, so K. vor Gericht. Mit der An- und Abmeldung von Mitarbeitern haber er so nichts zu tun gehabt.

152 Fälle der Veruntreuung festgestellt

Unter anderem betrug die Beitragsschuld gegenüber der Knappschaft 16000 Euro. Das Gericht warf Johannes K. vor, sich bis heute nicht kritisch mit den Vorwürfen auseinandergesetzt zu haben. Sein Verhalten sei über Jahre unverantwortlich gewesen. Er habe die Position des Geschäftsführers rechtswirksam übernommen und somit die Verantwortung für das Unternehmen getragen. Johannes K. hatte damals, wie er erklärt, keinen Grund gesehen, die Entscheidung, dass er als Geschäftsführer pro forma eingesetzt werde, zu hinterfragen. Der Steuerberater habe gesagt, das sei als wirtschaftlich sinnvoll zu empfehlen.

Der leidenschaftliche Pilot gehörte 2008 zu den Gründern des Flugsportvereins Gladbeck. Er hatte als Flugleiter und Trainer Flugschüler ausgebildet und Fortbildungen durchgeführt. Schließlich brachte er es 2013 zum Ausbildungsleiter im Verein. Das Gericht betonte, dass es bei einem Entzug der Fluglizenz nicht auf einen luftverkehrstechnischen Bezug der Straftat ankomme. Sein Engagement in der Fliegerei, verdeutlichte die Richterin, könne die Zweifel an seiner Zuverlässigkeit nicht entkräften. Und bei der luftverkehrstechnischen Zuverlässigkeit würden sehr strenge Maßstäbe angelegt, denn als Pilot sei ein hohes Maß an Verantwortung und Selbstbeherrschung erforderlich. Schon geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit wiesen auf charakterliche Mängel hin.

Antrag auf Erteilung der Fluglizenz frühestens 2022

Das 2017 verhängte Strafmaß von 90 Tagessätzen hatte weit über der Schwelle der Geringfügigkeit von 60 Tagessätzen gelegen. Der Kläger blieb dazu die Antwort auf die Frage der Richterin schuldig, warum er nicht schon gegen das damalige Urteil Rechtsmittel eingelegt habe. Klar ist so auch, dass Johannes K. bei Rechtskraft des Urteils frühestens erst 2022 wieder einen Antrag auf Erteilung der Fluglizenz stellen kann.

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