Musik

Gladbeck: Gitarrenduo lädt ein zu einem „Summer in Spain“

Das Essener Gitarrenduo Bernd Steinmann (l.) und Stefan Loos, Dozent an der Musikschule Gladbeck, haben eine neue CD herausgebracht: „Summer in Spain“.

Das Essener Gitarrenduo Bernd Steinmann (l.) und Stefan Loos, Dozent an der Musikschule Gladbeck, haben eine neue CD herausgebracht: „Summer in Spain“.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Der Gladbecker Musikschul-Dozent Stefan Loos und Bernd Steinmann haben eine neue CD herausgebracht. Zu hören sind unter anderem „Carmen“-Stücke.

Sommer in Spanien? In der Vorweihnachtszeit? Ja, vielleicht gerade jetzt! Denn das Essener Gitarrenduo bringt mit seiner aktuellen CD Erinnerungen an heiße Tage, an den Urlaub im Süden zurück. Und wenn Stefan Loos, Dozent an der städtischen Musikschule Gladbeck, und Bernd Steinmann in die Saiten greifen, wärmen vertraute Melodien die Seele. „Summer in Spain“ versprüht gute Laune und Temperament, aber auch zarte Gefühle.

Das ist doch – ja, die „Habanera“ aus Georges Bizets „Carmen“. Und „Toreadors“ haben selbst Opernmuffel schon gehört. Passagen, die unzählige Male gecovert worden sind. „Die Oper mag etwas abgegriffen sein, deswegen haben wir die Stücke bearbeitet“, so Loos. „Carmen“ ist nämlich nicht nur ein Liebling auf internationalen Opernbühnen, sondern liegt auch dem Duo am Herzen. Die Musiker haben für ihre neue CD die schönsten Passagen zu acht kleinen Sätzen zusammengestellt – und sich damit selbst ein Geschenk zu Weihnachten gemacht.

Stefan Loos unterrichtet seit vielen Jahren an der Musikschule Gladbeck

„Wir haben auch schon eine Weihnachts-CD herausgebracht“, erzählt Loos, aber diesmal wollten die beiden Konzertgitarristen halt spanische Stücke, eben aus „Carmen“, und eigene Kompositionen in den Fokus rücken. Zum 30. Geburtstag des Duos dürfen sie sich doch mal einen Wunsch erfüllen . . .

Bernd Steinmann hängte als Zimmermann den Hammer an den Nagel

Drei Jahrzehnte, eine lange Zeit, finden die beiden. Dabei bleibt Bernd Steinmann wohl auf ewig im Kopf, wie seine Liebe zum Gitarrenspiel entflammte. Der 56-Jährige sagt mit einem Augenzwinkern: „Stefan war mein erster Lehrer.“ Und wie so häufig im Leben, spielte der Zufall eine Hauptrolle bei der Begegnung, die sich zu einer Freundschaft entwickeln sollte. „Wir kommen beide aus Essen-Werden. Da habe ich Stefan mit einem Hollandrad, auf dem er eine große Tasche mit einer Gitarre transportierte, gesehen. 15 war ich da“, erzählt Steinmann. Der damalige Zimmermannslehrling hatte seinerzeit eine „Freundin, die hatte eine Gitarre“. Der 56-Jährige: „Darauf habe ich herumgeklimpert“ – und beschlossen: „Ich will Gitarrespielen lernen.“

Bei Stefan Loos. Ihm war die Musik in die Wiege gelegt: „Durchs Elternhaus kam ich an die Gitarre. Wir waren der klassische WDR3-Haushalt.“ Der Vater setzte sich ans Klavier, die Mutter leitete einen Chor. „Mein Bruder und ich wurden gefragt, welches Instrument wir spielen wollen. Meine erste Wahl war die Gitarre“, entsinnt sich Loos, der „seit vielen Jahren“ an der städtischen Musikschule unterrichtet. Er hat nicht vergessen: „Es war bei Bernd auffällig, wie groß die Motivation und das Interesse war, weit über dem Durchschnitt.“ Ein jeder stimmt eine wahre Lobeshymne auf sein Gegenüber an. „Bernd ist sehr stabil und verlässlich“, so Loos. Stefan sei stets offen für Ideen, so Steinmann, „ich hätte nie jemand anderen finden könne, der 30 Jahre alles mitmacht.“ Eben ein eingespieltes Team.

Stefan Loos studierte Kunst an der Akademie in Gladbeck

Jeden Montagabend unterrichtete Loos den Jugendlichen, der später sein Duo-Partner werden sollte. Doch bis dahin sollte noch einige Zeit ins Land gehen. Während Bernd Steinmann in Dachstühlen herumkletterte, liebäugelte Stefan Loos damit, als Maler seine Brötchen zu verdienen. „Ich habe zuerst an der Düsseldorfer Akademie Kunst studiert“, sagt der 59-Jährige. Dort, wo auch Joseph Beuys Professor war.

Während Steinmann nach fünf Jahren in seinem zuerst erlernten Beruf den Hammer an den Nagel hängte, sich über den zweiten Bildungsweg die Voraussetzungen für ein Musikstudium erwarb, stellte auch sein Lehrer fest: Die Gitarre ist seine Leidenschaft. Beide Männer studierten, traten getrennt und als Duo auf.

Ihr erster gemeinsamer Auftritt? „Wo soll ich da anfangen zu zählen?“, fragt Loos. Ach ja, fällt beiden doch noch ein. Da gab’s ganz zu Anfang ihrer Duo-Karriere ein Konzert bei einer privaten Veranstaltung in einem Altenheim. 1000 Mark bekamen die Musiker damals. Loos, Spezialist für Alte Musik: „Ich habe mir dafür extra einen Smoking gekauft. Der hängt heute noch bei mir.“

Getrennt treten sie auch auf, „quer durch die Republik“. Das Duo tourte durch Russland, musizierte auch schon in der Schweiz. Die Gitarristen veröffentlichen ihre Musik und Bücher. Steinmann hat für sein Lehrbuch „Die Flamencogitarre“ sogar eine Auszeichnung erhalten. „Das ist jetzt unsere siebte gemeinsame CD“, sagt er. Mit von der Partie waren dabei Martin Breuer (Kontrabass, E-Bass, Gitarre) – „Den kennen viele von Herbert Knebels Affentheater!“ – und Schlagzeuger Peter Eisold. Steinmann fällt die Entscheidung schwer, welcher Song auf der neuen CD sein Favorit ist: „Es sind alle 15 meine Lieblingsstücke.“ Aber „Rumba flamenca“, eine eigene Komposition, findet er besonders gelungen. Loos muss hingegen nicht lange überlegen. „Mathilda“ liegt ihm sehr am Herzen. Der 59-Jähre erklärt: „Es ist meiner kleinen Enkeltochter gewidmet, die am 5. Dezember Geburtstag hat.“

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