Ruhestand

Gladbeck: „Mr. Ferienwerk“ Joachim Schwiertz geht in Rente

Joachim E. Schwiertz bereist seit 1987 China - damals ein Pionier. Das Foto zeigt ihn 1997 auf der Chinesischen Mauer.

Joachim E. Schwiertz bereist seit 1987 China - damals ein Pionier. Das Foto zeigt ihn 1997 auf der Chinesischen Mauer.

Foto: Repro: Michael Korte / FFS

Gladbeck.  45 Jahre begleitete Jochen Schwiertz tausende Gladbecker rund um den Globus. Der KFW-Reiseleiter war Pionier für Trips nach Russland und China.

Gefühlt reiste halb Gladbeck mit ihm um die Welt, viele verdanken ihm seltene und exklusive Einblicke in damals noch unentdeckte Länder. Joachim E. Schwiertz, der 45 Jahre lang Gäste vor allem zu Zielen in Europa und Asien begleitete, baute das Katholische Ferienwerk (KFW) mit auf und gilt nicht nur in Gladbeck als ausgewiesener Reisefachmann. Ab 1. Juli ist „Mr. Ferienwerk“ im Ruhestand. Mit ein wenig Wehmut, aber mit ganz vielen Erinnerungen blickt er auf eine lange Wegstrecke zurück, die ihn vermutlich Millionen Kilometer um den Globus führte.

Die Karriere beim KFW war dem Butendorfer zwar nicht in die Wiege gelegt, doch irgendwie blieb er seit frühester Jugend beim Ferienwerk hängen – damals noch als das Ferienwerk des katholischen Jugendamtes. „Schon bei der allerersten Reise des Ferienwerks 1969 nach Kaltenbrunn in Südtirol, ins Jugendhaus der Familie Capovilla, war ich als teilnehmender Junge dabei“, erzählt Schwiertz, der schließlich 1975, im Alter von 20 Jahren, seine erste Gruppe als Reiseleiter nach Paris begleitete – ehrenamtlich zunächst.

Lehrer Schwiertz machte aus der Not eine Tugend und wurde Reiseleiter

Während des Studiums (Französisch, katholische Religion und Geographie fürs Lehramt) blieb er fürs Erste dem Ferienwerk treu, half mit, das Fahrtennetz auszubauen (u.a. kam Paris als Dauerbrenner dazu, 23 dieser Städtetrips sollte er seitdem bis heute begleiten) und verdiente sich auf Honorarbasis ein paar Mark nebenher. Und schon 1978 fuhr er das erste Mal nach Moskau, „und das war damals, zu tiefsten Sowjetzeiten, eine ganz andere Hutschnur als heute“, erinnert er sich. 55 Mal sollte er am Ende in allen Teilrepubliken des riesigen Landes unterwegs sein.

Als er 1986 nach seinem zweiten Staatsexamen mitten in der damaligen Lehrerschwemme landete und keine Stelle fand, machte Schwiertz aus der Not eine Tugend und nahm das Angebot des KFW-Vorstands an, als fest angestellter Reiseleiter die Offerten des Ferienwerks, professionell von Anfang (Reisezielauswahl, Kalkulation und Prospektdarbietung) bis Ende (Reiseleitung vor Ort) zu begleiten. Das Ferienwerk hatte sich 1982 als eingetragener Verein verselbständigt, „und es herrschte damals sowas wie Goldgräberstimmung, was das Reisen anbelangt.“ Die KFW-Angebote wuchsen unter Schwiertz’ Regie, die Ziele nahmen an Anzahl und Entfernung zu. Eine der größten organisatorischen Herausforderungen, erinnert er sich, war 2018 die Chorreise von St. Lamberti mit 170 Personen nach Rom.

1978 das erste Mal in Moskau, 1987 erstmals in China

1987 war Jochen Schwiertz erstmals in China – ein Pionier zu jener Zeit. „Mit der Transsibirischen Eisenbahn waren wir damals unterwegs, besuchten auch die Seidenstraße“, erinnert er sich. Insgesamt sollte es für ihn 40 Mal ins Reich der Mitte gehen - auch diese Reisen waren in den Anfangsjahren regelrechte Abenteuer. Schwiertz, der im Oktober 66 Jahre alt wird, hat den gesamten Wandel vom bettelarmen kommunistischen Reich zum modernen China mit funkelnden Millionenmetropolen miterlebt.

Alle asiatischen Länder standen auf seinem Reisezettel, am beeindruckendsten war wahrscheinlich aber der Besuch in Tibet. „Das ist und bleibt für uns eine völlig fremde Welt und Kultur.“ Ausgiebig bereist hat der Gladbecker aber auch das Baltikum (seit 1991 schon) und Skandinavien, vor allem Frankreich, aber auch immer wieder gern die Kanalinseln. Vor allem Jersey hat es ihm angetan, „das ist eine bunte, blühende Insel mit total aufgeschlossenen Menschen.“ In den 90er Jahren war die Schweiz in, „oft waren wir in Zermatt zum Wandern oder mit dem Glacier-Express auf Tour“, erinnert sich Schwiertz.

688 Reisen absolvierte Schwiertz in 45 Jahren Ferienwerk

Etwa 90 Tage im Jahr war der Reiseleiter im Schnitt unterwegs. Eine Herausforderung für die Familie (Frau Brigitte und die Söhne Benedikt und Johannes), die ihn allerdings nur als Weltenbummler kennt. Dennoch fand Schwiertz, der die Lambertischule besuchte, am Ratsgymnasium sein Abi machte und in Bochum studierte, immer noch Zeit für private Reisen. Viele Jahre blieb privat Südtirol das Ziel der Familie.

Stets trieb ihn eine ungebrochene Reiseneugier an, „insbesondere exotische Ziele reizten mich“. Einmal von einem „Reise-Virus“ befallen, fand der Trip schnell Zugang in den KFW-Katalog. Bis zu 90 Reisen standen da jährlich drin, Schwiertz war bei bis zu 15 pro Jahr dabei. „Reisen bildet“, das weiß Jochen Schwiertz nur zu gut. „Das Reisen hat mir persönlich immer viel gebracht.“ Insgesamt trat er in all den Jahren 688 Reisen an. Und ein paar kommen noch dazu: 2021 will der rüstige Rentner noch ein paar Ferienfahrten als Honorarkraft begleiten.

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