Altlasten

Ineos: Suche nach Giftstoffen im Grundwasser geht weiter

Inwieweit sich Altlasten-Schadstoffe im Boden des Ineos-Phenol-Werksgeländes (vorne) über das Grundwasser in Richtung Wohngebiete und Felder ausbreiten, wir jetzt mit der Bohrung weiterer Tiefbrunnen untersucht.

Inwieweit sich Altlasten-Schadstoffe im Boden des Ineos-Phenol-Werksgeländes (vorne) über das Grundwasser in Richtung Wohngebiete und Felder ausbreiten, wir jetzt mit der Bohrung weiterer Tiefbrunnen untersucht.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Gladbeck.  Das Gladbecker Chemiewerk kündigt die Bohrung von Messstellen in Wohngebieten an. Festgestellt werden soll, ob sich giftige Altlasten ausbreiten.

Die Suche nach Altlast-Giftstoffen, die sich aus dem Untergrund des Ineos-Phenol-Chemiewerkes über das Grundwasser ausgebreitet haben, geht bald auch sichtbar weiter. „Wir werden zunächst im Norden der Frentroper Straße im Bereich der Schanzenheide drei neue Grundwassermessstellen anlegen“, kündigt der Gladbecker Werksleiter Benie Marotz an. Er habe Verständnis für die jüngste Kritik der Anwohner, dass sich vermeintlich seit zwei Jahren nichts mehr in der Sache getan habe. „Das ist faktisch aber nicht der Fall, wir haben kontinuierlich weiter daran gearbeitet, die Grundwasseruntersuchungen voranzutreiben.“

Zur Erinnerung: Aufgrund einer Anlagenveränderung im Chemiewerk wurde im Rahmen des vorgeschriebenen Genehmigungsverfahrens im September 2014 das vorhandene Netz der Grundwassermessstellen rings um die Werksgrenze deutlich ausgeweitet. Die Beprobung mit weiteren Kontrollen 2015 sowie der Bohrung von acht zusätzlichen Messbrunnen vom März 2016 bis Februar 2017 ergab dann eine Belastung mit giftigen wie umweltschädlichen und krebserregenden Stoffen. Darunter Cumol (Isopropylbenzol), leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (chlorhaltige LHKW), perfluorierte Tenside (PFC) und Vinylchlorid.

Die Öffentlichkeit wurde erstmals im Frühjahr 2017 informiert

Das Unternehmen hatte daraufhin erstmals die Öffentlichkeit informiert und die Nachbarschaft im Nordwesten und Westen um Meldung von Hausbrunnen gebeten, die zur Untersuchung der Grundwasserbelastung beprobt werden könnten.

Gefolgt waren Messkampagnen in 44 Brunnen im Sommer und Herbst 2017. Sechs Brunnen wiesen eine erhöhte Belastung mit chlorierten Kohlenwasserstoffen auf, die höchste hatten Brauchwasserstellen an der Schanzenheide. Den dortigen Brunneninhabern wurde von der das Verfahren überwachenden unteren Bodenschutzbehörde des Kreises dringend empfohlen, das Brunnenwasser nicht mehr zu nutzen. Vom beauftragten Gutachter werde jetzt zügig ein Konzept erarbeitet , das die Einrichtung weiterer Messstellen beinhalte, so die Behörde Ende 2017. „Seitdem haben wir nichts mehr zum Thema gehört“, hatten sich jetzt besorgte Anwohner an die WAZ gewandt.

Der Redaktion stellten alle am Verfahren Beteiligten am Freitagmorgen in einer von Ineos-Chef Marotz einberufenen Gesprächsrunde die bisherigen und geplanten Aktivitäten vor, die auch den betroffenen Bürgern und der Lokalpolitik noch präsentiert werden. „Wir haben zunächst auf dem Werksgelände an drei bestehenden Messpunkten mit bekannter Schadstoffbelastung zusätzliche Tiefenbohrungen bis auf 40 Meter angelegt. Mit dem Ziel, festzustellen, ob das Grundwasser auch in größeren Tiefen belastet ist“, so der beauftragte Gutachter Christian Harnisch (Ahlenberg Ingenieure). Dafür habe aber zunächst eine Freigabe durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst erfolgen müssen. Dessen Bodenuntersuchungen hätten sich von März bis August 2018 hingezogen. Worauf dann, von September 2018 bis Februar 2019, die drei zusätzlichen Tiefbrunnen angelegt und beprobt werden konnten. Gutes Ergebnis: „Weder die Bodenproben noch das Grundwasser weisen nach aktuellem Kenntnisstand eine Belastung auf“.

Für die zweite Untersuchungsphase werden zusätzliche Messpunkte gebohrt

In der jetzt vorgesehenen zweiten Phase solle nun zunächst ermittelt werden, in welchen Tiefen belastetes Grundwasser in dem Bereich der am stärksten belasteten Hausbrunnen an der Schanzenheide feststellbar ist. Harnisch: Dazu werden nun im Norden an der Frentroper Straße (zwei) und an der Schanzenheide (eine) Doppel-Messtellen bis 20 und 40 Metern Tiefe angelegt. Mit dem Ziel, „sie zum Ende des Jahres das erste Mal zu beproben“.

Nach diesen Tiefenmessungen sei daran anschließend für 2020 vorgesehen, so Christian Eilebrecht vom Umweltamt des Kreises, „zu ermitteln, ob sich belastetes Grundwasser von den Altlastquellen mit der Fließrichtung im Untergrund in der Fläche ausgebreitet hat.“ Dazu sollen, etwa im Halbkreis angeordnet, rund zwölf weitere Messstellen in der Freifläche hinter den Wohngebieten gebohrt werden. Mit dem Plan, dass die Analysedaten Anfang 2021 vorliegen. Auf dieser Grundlage könne dann zum weiteren Sanierungsplan entschieden werden. Klar sei, „dass aufgrund der heutigen Werksbebauung die Altlasten-Störquellen in etwa acht Metern Tiefe nicht ausgekoffert werden können“. Möglicherweise könne eine Grundwasserreinigungsanlage installiert werden, eventuell reiche aber auch „die engmaschige Überwachung der Messstellen als Sicherungsmaßnahme aus“.

Für die Untersuchungsmaßnahmen bereits eine halbe Million Euro aufgebracht

Die Kosten der gesamten Maßnahme werden von der Ineos Phenol als dem heutigen Rechtsnachfolger der Verursacher der Altlasten getragen. „Bislang haben wir dafür bereits rund eine halbe Millionen Euro aufgebracht“, so Volker Weber, Abteilungsleiter Umweltschutz.

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