Alterssimulation

Malteser nutzen in der Ausbildung Alterssimulationsanzug

Sparkassenchef Ludger Kreyerhoff (2. v.l.) und die Malteser testen den Simulationsanzug.

Sparkassenchef Ludger Kreyerhoff (2. v.l.) und die Malteser testen den Simulationsanzug.

Foto: Lutz von Staegmann

Gladbeck.   Die Malteser können mit einem Spezialanzug altersbedingte Einschränkungen erlebbar machen. Einmal Senior und zurück: ein Selbstversuch.

Das richtige Kleingeld aus dem Portemonnaie zu fischen, ist plötzlich eine schwierige Aufgabe und nach dem Treppensteigen muss erst einmal verschnauft werden: So fühlt es sich also im Alter an. Zumindest, wenn der Alterssimulationsanzug der Malteser Recht behält.

Die Neuanschaffung ahmt altersbedingte körperliche Einschränkungen nach und macht erlebbar, wie es älteren Menschen gehen kann. Die Malteser setzen den Anzug in der Schulung von Pflegekräften ein. Die Sparkasse finanzierte die Anschaffung des Anzugs.

Er simuliert einen gesunden Alterungsprozess und beeinflusst dabei die verschiedenen Sinne sowie körperliche Beweglichkeiten. „Wer einmal in so einem Anzug gesteckt hat, weiß ungefähr, wie sich die älteren Herrschaften fühlen, die wir betreuen. Das sensibilisiert ungemein“, weiß Bastian Prittwitz, der in Schulungen mit der Simulation arbeitet. Betreuungsassistentin Anna-Katharina Koch stimmt zu:„Diese Erfahrung wird den Umgang mit unseren Kunden verändern“.

Eine Spezialbrille verändert die Farbwahrnehmung

Bei der Simulation schränkt ein Overall die allgemeine Bewegungsfreiheit ein, an Oberkörper, Hand- und Fußgelenken hängen Gewichte. Hals, Knie und Ellenbogen werden durch Manschetten versteift, Handschuhe schränken die Feinmotorik ein. Dazu kommen eine Spezialbrille für Unschärfe und veränderte Farbwahrnehmung sowie Ohrenschützer für Schwerhörigkeit.

Komplett eingekleidet ist die Probandin Koch statt 61 nun gut 90 Jahre alt. Mit Hilfe kann sie aufstehen und einige, eher wacklige Schritte gehen. Ein Detail auf einem Personalausweis zu lesen ist gar nicht möglich. „Das ist eine heftige Erfahrung. Die Gewichte und die schlechte Sicht haben mich beeindruckt. Ohne Hilfe ist man da aufgeschmissen“, resümiert Koch.

Das Treppensteigen fällt deutlich schwerer

Der Selbstversuch bestätigt: eine plötzliche Alterung ist eine Erfahrung für sich. Mit Gewichten behangen und künstlicher Sehschwäche ausgestattet altert die Autorin um gut 30 Jahre. Einfaches Treppensteigen fällt da schon schwerer. Abgesehen davon, dass ein Stufenende mit Spezialbrille nur schwer zu erkennen ist, behindern steife Knie und Ellenbogen einen unbeschwerten Aufstieg mehr als gedacht. Durch die Bewegung mit zusätzlichem Gewicht kommt man schnell ins Schwitzen.

„Unsere Teilnehmer sind durch die Arbeit mit der Simulation besser qualifiziert. Wir bekommen viel positives Feedback“, berichtet Prittwitz. Die Pflegekräfte würden durch die Simulation lernen, dass auch vermeintlich einfache Abläufe im Alter nicht mehr so leicht von der Hand gehen, ergänzt er. „Und wenn es nur darum geht, geduldiger zu sein, wenn die älteren Menschen mal etwas länger brauchen“.

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