Kita-Plätze

Neue Plätze: Eltern sorgen sich um Kindergarten-Qualität

Bewegung im Freien spielt im Kindergarten Frochtwinkel eine wichtige Rolle. Die Eltern der Kinder sorgen sich jetzt um die Qualität vor Ort.

Bewegung im Freien spielt im Kindergarten Frochtwinkel eine wichtige Rolle. Die Eltern der Kinder sorgen sich jetzt um die Qualität vor Ort.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  In der Kita am Frochtwinkel sollen ab Sommer 2020 Container für 75 zusätzliche Kinder zur Verfügung stehen. Warum einige Eltern in Sorge sind.

Eltern, deren Kinder den städtischen Bewegungskindergarten Frochtwinkel 28 in Zweckel besuchen, sind in Sorge, weil die Einrichtung zum Start in das Kindergartenjahr 2020/21 drei zusätzliche Gruppen mit insgesamt 75 Kindern aufnehmen soll. Die Verwaltung plant, dafür Container errichten zu lassen. In einem Brief an die Verwaltungsspitze haben Elternrat und Förderverein ihre Bedenken formuliert.

Zum Hintergrund: In Gladbeck fehlen, bedingt durch steigende Zuwanderer- und Geburtenzahlen, aktuell rund 170 Plätze für Kinder ab drei Jahren. Sozialdezernent Rainer Weichelt betont in einem Gespräch mit der WAZ: „Diese Entwicklung war nicht vorhersehbar.“ Für die betroffenen Kinder müsse eine zeitnahe Lösung gefunden werden. Der Jugendhilfeausschuss hatte in seiner Juni-Sitzung den Plänen der Stadtverwaltung zugestimmt, als „Sofort-Maßnahme“ und Übergangslösung für einige Jahre Container mit insgesamt 150 Plätzen an zwei städtischen Kita-Standorten zu realisieren. Dafür ausgewählt wurden zwischenzeitlich die Einrichtungen am Frochtwinkel und an der Vehrenbergstraße. Parallel sucht die Verwaltung nach Grundstücken für Kita-Neubauten als Dauerlösung.

Die Zahl der zu betreuenden Kinder erhöht sich von 48 auf 123

„Wir begrüßen die Anstrengungen der Stadt Gladbeck, weitere Kindergartenplätze zu schaffen“, schreiben Elternrat und Förderverein der Einrichtung am Frochtwinkel. „Jedoch bekommen wir Eltern Bauchschmerzen, wenn wir uns vorstellen, dass die Zahl der zu betreuenden Kinder auf einen Schlag von 48 auf 123 ansteigen soll.“

Die Eltern fürchten, dass mit der Aufnahme von zusätzlich 75 Kindern das pädagogische Konzept der Einrichtung mit Schwerpunkten in Bewegung, gesunder Ernährung und Ausruhphasen nicht mehr umgesetzt werden könnte. Weitere Sorge: Bisher gebe es ein ausgewogenes Verhältnis zwischen größeren und kleineren Kindern, die problemlos gemeinsam spielten: „Dieses gesunde Verhältnis würde bei 75 zusätzlichen U3-Kindern gestört.“ Zudem sprechen die Eltern – vor allem mit Blick auf Rettungsfahrzeuge – die schon problematische Park- und Verkehrssituation an, die sich noch verschärfen würde, und schließlich befürchten sie, dass für die Container Bäume weichen müssen. Ihr Fazit: Die Stadt solle eine langfristige Lösung schaffen: „Statt Geld in Provisorien zu stecken, fänden wir es sinnvoll, nachhaltig zu agieren.“

Bürgermeister Ulrich Roland verweist auf die Notwendigkeit einer zeitnahen Lösung

Die Stadtverwaltung hat auf das Schreiben prompt reagiert und versucht, die Bedenken der Eltern zu zerstreuen. Bürgermeister Ulrich Roland weist in seinem Antwortschreiben noch einmal auf die Notwendigkeit einer zeitnahen Lösung hin: „Von den anspruchsberechtigten Ü3-Kindern sind zurzeit 177 unversorgt. Für diese Kinder müssen kurzfristige Lösungen gefunden werden, damit auch sie in den Genuss frühkindlicher Bildung kommen. Zeitgleich sucht die Verwaltung nach Grundstücken für Neubauten. Von der Idee bis zur Eröffnung eines Neubaus vergehen mit Bauplanung, Grundstückaufbereitung und Bauphase mindestens drei/vier Jahre.“

Zu den Detailfragen betont der Bürgermeister, dass das pädagogische Konzept des Kindergartens auf jeden Fall weitergeführt werden könne, für die Nutzung des Außengeländes ein neues Konzept erarbeitet werden müsse, auch wenn ausreichend Raum zur Bewegung vorhanden bleibe, weil die Container überwiegend auf einem benachbarten Grundstück erreichtet würden. Mit Blick auf Rettungseinsätze weist Roland darauf hin, dass der Zugang zum Container nicht vom Frochtwinkel, sondern von der Feldhauser Straße erfolge.

Bürgermeister Roland betont: „Die Stadtgesellschaft kann es sich nicht leisten, vier bis fünf Jahrgänge unversorgt zu lassen. Deshalb verlangt diese besondere Notlage ungewöhnliche Lösungen.“

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