Betreutes Wohnen

Schlaganfall-Patient kämpft sich wieder zurück ins Leben

Ergotherapeut Jürgen Watanabe (links) und Pflegefachkraft Angela Bifano  kümmern sich um Günter Fritz. Der 84-Jährige erlitt einen Hirnstamminfarkt und wird seit Februar beim ambulanten Pflegedienst Linimed Rhein-Ruhr am Roten Turm intensiv betreut.

Ergotherapeut Jürgen Watanabe (links) und Pflegefachkraft Angela Bifano kümmern sich um Günter Fritz. Der 84-Jährige erlitt einen Hirnstamminfarkt und wird seit Februar beim ambulanten Pflegedienst Linimed Rhein-Ruhr am Roten Turm intensiv betreut.

Foto: Lutz von Staegmann / FUNKE Foto Services

Gladbeck.  Nach einem schweren Schlaganfall kümmert sich der Pflegedienst Linimed Rhein-Ruhr intensiv um den 84jährigen Günter Fritz. Er macht Fortschritte.

Günter Fritz sitzt im Rollstuhl und schaut im Fernsehen einen Beitrag seines Lieblingssenders ZDF. Sprechen kann er nicht. Eine Gesichtshälfte ist gelähmt. Ein schlimmer Schlaganfall hat vor zwei Jahren sein Leben plötzlich verändert. Die Menschen in seiner Umgebung nimmt er wahr, hört und versteht alles. Der 84-Jährige hat trotz des Schlaganfalls den Lebensmut nicht verloren.

„Er ist ein Kämpfer“, sagt eine Frau, die es wissen muss. Altenpflegerin Angela Bifano kümmert sich um ihn. Insgesamt betreut sie drei Bewohner im Gebäude des Pflegedienstes Linimed Rhein-Ruhr im Quartier am Roten Turm. Günter Fritz erlitt einen Hirnstamminfarkt, also einen Schlaganfall, der besonders schwerwiegende Folgen bei wichtigen Funktionen wie Schlucken und Atmen hat. Die Areale im Gehirn wurden nicht mehr ausreichend durchblutet. Aber seit dem Beginn seiner Betreuung im Februar dieses Jahres macht er kontinuierlich Fortschritte.

Es geht um möglichst viel Teilhabe am täglichen Leben

„Es geht um möglichst viel Teilhabe an den Aktivitäten des täglichen Lebens“, erklärt Ergotherapeut Jürgen Watanabe. Er arbeitet zweimal in der Woche mit dem 84-Jährigen. Dazu kommen Physiotherapeuten, Logopäden und die ambulante Pflege. „Es ist ein Zusammenspiel aller Berufsgruppen zum Wohle des Patienten“, sagt Watanabe. Es sei „wie eine kleine Familie“, ergänzt Angela Bifano.

Auch Bewegung steht bei ihm weiterhin ganz oben auf der Agenda. Angehörige besuchen ihn regelmäßig und unternehmen mit ihm Ausflüge rund um das Pflege-Quartier. Mittlerweile ist er manchmal nicht mehr auf den Rollstuhl angewiesen. Er kann für kurze Zeit am Bett stehen. Allerdings leidet der 84-Jährige, wie viele Patienten nach einem Schlaganfall mit Halbseitenlähmung, an dem Pusher-Syndrom. „Er neigt dazu, zur Seite zu kippen“, meint Bifano. Daran arbeitet Ergotherapeut Jürgen Watanabe. Der Rumpf und die Körperhaltung werden durch verschiedene Übungen gestärkt. „Wegen seiner halbseitigen Lähmung ist das Gefühl für den Körper nicht mehr da“, so die Altenpflegerin.

Patient fand eine neue Heimat im Quartier am Roten Turm

Vorher war Günter Fritz in einer Pflegeeinrichtung in Willich untergebracht. Der Kreis Viersen als zuständige Ordnungsbehörde entschied, das Heim wegen gravierender Hygienemängel zu schließen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion holten Einsatzkräfte die damaligen Bewohner aus dem Gebäude. Glücklicherweise fand Günter Fritz innerhalb weniger Stunden eine neue Heimat im Quartier am Roten Turm.

Der Anfang gestaltete sich jedoch schwer. Das begann mit der Kommunikation. Denn Fritz kommuniziert nur über Mimik und Gestik. Zunächst gab es zwischen Pflegepersonal und ihm ein paar Verständigungsprobleme, mittlerweile funktioniert die nonverbale Sprache immer besser. Einige irreparabele Schäden werden dennoch für immer bleiben. Feste Nahrung zum Beispiel wird er voraussichtlich Zeit seines Lebens nicht mehr aufnehmen können.

Von Rückschlägen lässt sich Günter Fritz nicht entmutigen

Nach dem Schlaganfall konnte er nicht mehr auf natürlichem Weg atmen. Deshalb musste er nach seiner Ankunft in der ambulanten Pflege zunächst dauerhaft, 24 Stunden am Tag, am Beatmungsgerät angeschlossen bleiben. Die gemeinsame Arbeit trägt erste Früchte. Inzwischen beschränkt sich der Einsatz des Gerätes auf die Nacht. Tagsüber atmet der Patient über einen künstlichen Zugang zur Luftröhre. Falls ihm etwas passieren sollte, ist das Pflegepersonal sofort zur Stelle. Denn wenn sich die Werte auf dem Display der Geräte merklich ändern, ertönt ein Piepsignal. Bei einem möglichen Stromausfall gibt es eine doppelte Absicherung mit Reservestrom und Akkubetrieb.

Die Hände des 84-Jährigen sind funktionsfähig. Die eine etwas besser als die andere. „Aber daran wird weiter gearbeitet“, versichert Angela Bifano. Die mühsame Rehabilitation geht weiter. Ein großes Ziel hat Günter Fritz im Blick: Er trainiert dafür, dass er auch in der Nacht die Kraft hat, selbstständig zu atmen. Auch von Rückschlägen lässt er sich nicht entmutigen.

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