Stenografentag

Stenografen aus dem ganzen Land zu Gast in Gladbeck

Hochkonzentriert arbeiteten die Teilnehmer des Westdeutschen Stenografentags am Wochenende im Berufskolleg in Gladbeck.

Hochkonzentriert arbeiteten die Teilnehmer des Westdeutschen Stenografentags am Wochenende im Berufskolleg in Gladbeck.

Foto: Lutz von Staegmann / Funke Foto Services

Gladbeck.  Der Westdeutsche Stenografenverband richtete im Berufskolleg seine NRW-Meisterschaften in Kurzschrift und Computerschreiben aus. Ein Besuch.

Vier Amateur-Stenografinnen sitzen am Samstagmorgen im Klassenraum des Berufskollegs an der Herderstraße, am Lehrertisch hat Prüferin Christa Tack Platz genommen. „Herr Präsident, lassen Sie mich 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs einen Blick auf die Arbeit der Europäischen Kommission werfen …“, beginnt sie zu lesen. Die Notizblöcke der vier Stenografinnen füllen sich mit Kurzschrift. Was für Außenstehende wie kryptische Zeichen und Linien aussieht, ist für die Stenografinnen ein lang gepflegtes Handwerk: Eine Schrift, mit der sie jeden Satz genauso schnell mitschreiben können, wie sie ihn hören. „200 Silben pro Minute“, erklärt Christa Tack.

Dieser Text ist für die Stenografinnen der „Praktikerklasse 2“ die Generalprobe für die Meisterschaft am Vor- und Nachmittag auf dem Westdeutschen Stenografentag, der am Wochenende in Gladbeck stattfand. Der Wettkampf läuft in allen Klassen gleich ab: Die Kandidaten schreiben den vorgelesenen Text stenografisch mit und übertragen dies anschließend von Hand oder am Computer in Standardschrift. Dieses Protokoll muss genau dem Wortlaut der Vorlage entsprechen.

Auch Bundestagsstenografen sind unter den Teilnehmern

„Viele unserer Teilnehmer sind Schüler und Jugendliche, die einmal einen Stenografie- oder Computerkurs in unseren Vereinen belegt haben, sich als talentiert erwiesen haben und das Schreiben jetzt gewissermaßen als Sport betreiben“, erklärt der Gladbecker Reiner Karbowski, Vorsitzender des Westdeutschen Stenografenverbandes. Auch einige Profis sind unter den Wettbewerbskandidaten: Einen Raum weiter bereiten sich die vier Teilnehmer der Meisterklasse auf ihren Wettbewerb vor. Zu ihnen gehört Olaf Rörtgen. Der gebürtige Bottroper ist einer der aktuellen Bundestagsstenografen und damit einer der erfolgreichsten Absolventen des Stenografenverbandes NRW.

Die Bedeutung der Stenografie in der Berufswelt lässt nach, stellt Karbowski fest: „In Büros gibt es sie schon lange nicht mehr, dafür noch in Parlamenten oder bei Hauptversammlungen von großen Unternehmen. Da haben Stenografen auch ein gutes Einkommen.“ Der Stenografenverband NRW erlebte seine Blütezeit 1957: Damals bestand er aus 197 Vereinen mit fast 42.000 Mitgliedern. Zurzeit gibt es noch etwa 2000 Mitglieder in 25 Vereinen. Gladbeck hat seit den 90er Jahren keinen Steno-Verein mehr, der Bottroper Verein wurde 2017 aufgegeben.

Udo Klüting vom Vestischen Steno-Club gewann mit 350 Silben pro Minute den Stenografie-Meistertitel. Die Computerwettbewerbe Texterfassung (20 Minuten), Perfektionsschreiben (10 Minuten) sowie Textbearbeitung und -gestaltung gewann Olaf Rörtgen, in der praxisorientierten Textverarbeitung ging der Titel an Udo Klüting. Die Mannschaftswertung in der praxisorientierten Textverarbeitung entschied der Verein „Viva OWL“ aus Bad Salzuflen für sich, alle anderen Mannschaftswertungen der Vestische Steno-Club aus Recklinghausen.

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